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PGA Bulletin Nummer 1, März 1998

Inhalt:
1. Brief des Genfer Empfangskomitees
2. Manifest (Peoples' Global Action Manifesto)
3. Aktionsplan


1. Brief des Genfer Empfangskomitees

Freundinnen und Freunde aus aller Welt

Zusammen mit Völkerbewegungen von allen Kontinenten (mehr als 300 Delegierten aus 71 Ländern), versammelten wir uns in Genf vom 23. bis zum 25. Februar, um gemeinsame Aktionen gegen die Welthandelsorganisation (WTO), den 'Frei'handel und die Konzernmacht zu diskutieren.

Wir teilten unsere Wut, als wir Zeugen der verheerenden Auswirkungen der Globalisierung wurden, die gefördert wird von der WTO und anderen Institutionen, welche den Interessen des transnationalen Kapitals dienen, wie der Internationale Währungsfonds, die Weltbank, sowie regionale 'Frei'handelsabkommen wie NAFTA, APEC und der Maastricht-Vertrag. Wir teilten auch unsere Hoffnungen und Ideale, unsere Strategien zur Konstruktion von alternativen Welten jenseits der Konzernkontrolle.

Wir trafen uns mit LehrerInNen, die im Hungerstreik sind gegen die Privatisierung aller öffentlichen Bildung in Argentinien; Frauen, die sich gegen die quasi-Sklaverei in den "Maquilas"-Fabriken von Mexiko, Bangladesch, Salvador und Nicaragua organisieren; Frauenrechtsaktivistinnen; Bäuerinnen und Bauern, die gegen die Globalisierung kämpfen in Indien, den Philippinen, Brasilien, Estland, Norwegen, Honduras, Frankreich, Spanien, der Schweiz, Bangladesch, Senegal, Moçambique, Togo, Peru, Bolivien, Kolumbien und vielen anderen Ländern; Ogoni, Maori, Maya, Aymara, U'wa und andere indigene Völker, die für ihre kulturellen Rechte und ihr physisches Überleben kämpfen; StudentInnEn, die gegen die Atomkraft oder die Repression von streikenden ArbeiterInneN in der Ukraine und in Südkorea kämpfen; PostarbeiterInnen aus Kanada, die sich der Privatisierung widersetzen, Militante gegen 'Un-Frei'handel aus den Vereinigten Staaten, UmweltschützerInnen, Arbeitslose, FischerInnen, AntirassistInnEn, Friedensengagierte, Tierrechts-AktivistInnEn... Solch ein weltweites Treffen von Frauen und Männern von Graswurzel-Bewegungen war eine aussergewöhnliche Erfahrung, welche neue Visionen, Hoffnung und Entschlossenheit für uns alle brachte.

Für KämpferInnen solcher Bewegungen war es leicht zu sehen, dass dieselbe 'Frei'handelserpressung am Werke ist, wenn "Maquilas"-Fabriken über Nacht Grenzen überqueren, wie wenn transnationale Unternehmen von Frankreich nach Schottland wegziehen; dass dieselben Agrobusiness-Monopole Kleinbauern und -bäuerinnen in Mexiko, Frankreich, Afrika, Indien, der Schweiz und auf den Philippinen vertreiben; dass dieselben Transnationalen die öffentlichen Dienstleistungen in privaten Profit verwandeln in Argentinien, Kanada, Frankreich und Osteuropa. Trotz der grossen materiellen Differenzen haben die Kämpfe in privilegierten und unterprivilegierten Teilen des Konzernimperiums mehr und mehr gemeinsam, und schaffen die Voraussetzungen für eine neue und stärkere Form der Solidarität. (Die Konferenz selber, grösstenteils in besetzten Hallen und Häusern untergebracht und gänzlich angewiesen auf die freiwillige Arbeit des Genfer "alternativen" Sektors, war ein Beispiel dafür.)

Diese Konferenz zeigte die Energie, welche die Vereinigung dieser verschiedenen Kämpfe freisetzen könnte. Kämpfe müssen immer im Lokalen und Besonderen verwurzelt sein. Gleichzeitig gibt es ein allgemeineres, globales Problem. Nur schon das Wagnis, ihm entgegenzutreten und es zu benennen, gibt uns allen mehr Mut, die "realistischen" Lösungen abzulehnen. Die Kämpfe sind lokal, aber zusammen nehmen sie eine neue und tiefere Bedeutung an. Wir können - und müssen - auf den Kopf des Monsters zielen.

Es ist schwierig, die Wärme und die Tiefe der Begegnungen zu beschreiben, die wir hier hatten. Der globale Feind ist relativ gut bekannt, aber der weltweite Widerstand, auf den er trifft, gelangt nur selten durch den Filter der Medien. Und hier trafen wir die Leute, die ganze Städte in Kanada mit Generalstreiks lahmlegten, die ihr Leben bei Landbesetzungen in Lateinamerika riskierten, die den Sitz von Cargill in Indien oder den transgenen Mais von Novartis in Frankreich zerstörten. Die Diskussionen, die konkrete Planung der Aktionen, die Geschichten der Kämpfe, die Persönlichkeiten, die enthusiastische Gastfreundschaft der Genfer SquatterInnen, der leidenschaftliche Ausdruck der Frauen und Männer, die der Polizei ausserhalb des WTO-Gebäudes gegenübertraten - alle besiegelten ein Bündnis unter uns. Wieder auf der Welt verstreut, werden wir es nicht vergessen. Wir bleiben zusammen. Dies ist unser gemeinsamer Kampf.

Die Delegierten engagierten sich mit Enthusiasmus für das zentrale Ziel der Konferenz: einen weltweiten Aufruf für dezentrale Aktionen gegen die WTO auf der ganzen Welt, um gegen die zweite WTO-Ministerkonferenz (18. bis 20. Mai) zu protestieren, eine Konferenz, die auch das 50-Jahr-Jubiläum der ersten 'Frei'handelsabkommen von GATT/WTO "feiern" wird. Eine Pressegruppe, gebildet aus Graswurzel-AktivistInnEn aus verschiedenen Teilregionen, wird in Genf präsent sein, um die Informationen zu sammeln, und die internationale Presse und das PGA-Netzwerk über Proteste auf der ganzen Welt zu informieren. Der Widerstand gegen die "Neue Weltordnung" wird ebenso global sein!

Das Genfer Empfangskomitee dankt jeder und jedem Delegierten, noch einmal, für das Kommen. Eure Anwesenheit gab uns auch in Genf die einmalige Gelegenheit zusammenzukommen, unseren Traum einer Welt mit weniger 'Frei'handel und mehr freiem Austausch konkret und kollektiv zu leben (sei es beim Kochen oder Matratzen schleppen!). Wir sind glücklich und stolz, dass wir Euch empfangen konnten.

Das Genfer Empfangskomitee


2. Manifest der weltweiten Aktion der Völker

Wir können nicht die Kommunion an den Altären einer dominanten Kultur empfangen,
welche Preis mit Wert verwechselt und Menschen und Länder in Waren verwandelt.

Eduardo Galeano

Wenn du nur kommst, um mir zu helfen, kannst du wieder nach Hause gehen.
Wenn du aber meinen Kampf als Teil deines Überlebenskampfes siehst,
dann können wir vielleicht zusammenarbeiten.

Aborigines-Frau

I

Wir leben in einer Zeit, in der das Kapital mit Hilfe von internationalen Agenturen - wie der Welthandelsorganisation (World Trade Organization, WTO), dem Internationalen Währungsfonds (IWF), der Weltbank und anderen Institutionen - die nationale Politik formt, um seine weltweite Kontrolle über das politische, wirtschaftliche und kulturelle Leben zu verstärken.

Das Kapital ist schon immer global gewesen. Sein schrankenloser Trieb nach Ausdehnung und Profit kennt keine Grenzen. Seit dem Sklavenhandel früherer Jahrhunderte bis zur imperialen Kolonialisierung von Völkern, Ländern und Kulturen auf der ganzen Erde hat sich die kapitalistische Bereicherung schon immer vom Blut und den Tränen der Völker der Welt genährt. Die Zerstörung und das Elend wurden nur durch Graswurzel-Widerstand aufgehalten.

Das Kapital entwickelt heute, um seine Macht zu behaupten und den Widerstand der Völker zu neutralisieren, eine neue Strategie. Ihr Name ist Wirtschaftsglobalisierung, und sie besteht aus dem Abbau von nationalen Schranken für den Handel und den freien Kapitalverkehr.

Die Auswirkungen der wirtschaftlichen Globalisierung breiten sich über das Netz der Gesellschaften und Gemeinschaften der Welt aus; dabei werden alle Menschen in ein einziges gigantisches System eingebunden, dessen Ziel die Abschöpfung von Profit und die Kontrolle über die Menschen und die Natur ist. Wörter wie "Globalisierung", "Liberalisierung" und "Deregulierung" verhüllen nur die zunehmenden Ungleichheiten der Lebensbedingungen zwischen den Eliten und den Massen, sowohl in den privilegierten als auch in den "peripheren" Ländern.

Das neuste und vielleicht wichtigste Phänomen im Globalisierungsprozess ist die Entstehung von Handelsabkommen als Schlüsselinstrumente der Akkumulation und Kontrolle. Die WTO ist die weitaus wichtigste Institution bei der Ausarbeitung und Anwendung dieser Abkommen. Sie ist das bevorzugte Mittel des transnationalen Kapitals zur Durchsetzung einer weltweiten Wirtschaftsherrschaft geworden. Die Uruguay-Runde hat den Geltungsbereich des multilateralen Handelssystems (d.h. der Abkommen unter der Schirmherrschaft der WTO) in hohem Masse ausgedehnt. Es umfasst nicht mehr nur den Handel mit industriellen Gütern, sondern deckt zusätzlich auch den Handel mit landwirtschaftlichen Produkten, den Handel mit Dienstleistungen, Rechte am geistigen Eigentum, sowie Investitionsmassnahmen ab. Diese Erweiterung hat sehr bedeutende Folgen auf wirtschaftliche und nicht-wirtschaftliche Bereiche. Zum Beispiel wird das Dienstleistungsabkommen (General Agreement on Trade in Services, GATS) weitreichende Effekte auf die Kulturen in der ganzen Welt haben. Ähnlich werden die Länder, speziell biologisch vielfältige Länder, durch das TRIPs-Abkommen (Trade-Related Aspects of Intellectual Property Rights) und unilateralen [einseitigen] Druck dazu gezwungen, neue Gesetzgebungen anzunehmen, welche Eigentumsrechte über Lebensformen stellen - mit verheerenden Folgen für die Biodiversität und die Nahrungsmittelsicherheit. Das multilaterale Handelssystem, verkörpert durch die WTO, hat gewaltigen Einfluss auf die Gestaltung der Staatswirtschaft und Sozialpolitik, und somit auf den Spielraum und die Art von Entwicklungsmöglichkeiten.

Handelsabkommen mehren sich auch auf regionaler Ebene. Die NAFTA (North-Atlantic Free Trade Association, Nordatlantisches Freihandelsbündnis) ist der Prototyp eines regionalen rechtsverbindlichen Vertrages, der privilegierte und unterprivilegierte Länder einschliesst, und es wird versucht, dieses Modell auf Südamerika auszuweiten. Die APEC (Asia-Pacific Economic Cooporation) ist ein weiteres Beispiel dieser Art, und es wird zunehmend dazu benutzt, neue Abkommen in den Rahmen der WTO einzubinden. Der Maastricht-Vertrag ist das wichtigste Beispiel eines rechtsverbindlichen Abkommens unter privilegierten Ländern. Auch regionale Handelsabkommen zwischen unterprivilegierten Ländern, wie ASEAN (Association of Southeast Asian Nations), SADC (Southern African Development Cooperation), SAFTA (South Asian Free Trade Agreement) und MERCOSUR (Southern Common Market) sind entstanden. Alle diese regionalen Abkommen übertragen die Macht, Entscheidungen zu treffen, von der nationalen Ebene zu regionalen Institutionen, die noch weiter entfernt von der Bevölkerung und noch weniger demokratisch als die Nationalstaaten sind.

Als ob dies nicht schon genug wäre, fördern die privilegierten Länder einen neuen Vertrag - das Investitionsschutzabkommen (Multilateral Agreement on Investments, MAI) - zur Ausweitung der Rechte für ausländische Investoren, die weit über ihren jetzigen Stand in den meisten Ländern hinausgehen, und zur massiven Beschneidung des Rechts und der Macht der Regierungen, die Niederlassung, Etablierung und Tätigkeit von ausländischen Firmen und Investoren zu regeln. Dies ist gegenwärtig auch der wichtigste Versuch, die Globalisierung und die "Wirtschaftsliberalisierung" auszuweiten. Das MAI würde die Macht und das legitime Souveränitätsrecht der Völker abschaffen, ihre eigene Wirtschafts-, Sozial- und Kulturpolitik zu bestimmen.

Alle diese Institutionen und Abkommen streben dieselben Ziele an: die Gewährleistung der Beweglichkeit von Gütern, Dienstleistungen und Kapital, die zunehmende Kontrolle des transnationalen Kapitals über die Völker und die Natur, die Übertragung der Macht zu entfernten und undemokratischen Institutionen, die Verunmöglichung der Entwicklung von gemeinschaftsbasierten und selbständigen Wirtschaften, sowie die Beschränkung der Freiheit der Völker, auf menschlichen Werten beruhende Gesellschaften aufzubauen.

Wirtschaftsglobalisierung, Macht und das "race to the bottom"

Die Globalisierung der Wirtschaft hat neue Formen der Akkumulation und der Macht hervorgebracht. Die Bereicherung findet in globalem Massstab statt, mit zunehmender Geschwindigkeit, kontrolliert von den transnationalen Konzernen und Investoren. Während das Kapital global wurde, bleibt die Verteilungspolitik in der Verantwortung von nationalen Regierungen, die ausserstande und meistens auch nicht gewillt sind, gegen die Interessen des transnationalen Kapitals zu handeln.

Diese Asymmetrie [Ungleichheit] erzeugt eine beschleunigte Umverteilung der Macht auf globaler Ebene und stärkt, was gewöhnlich "Konzernmacht" genannt wird. In diesem besonderen politischen System bestimmt das globale Kapital (mit der Hilfe von "informellen" und äusserst einflussreichen Lobbies, wie dem World Economic Forum) die wirtschaftliche und soziale Tagesordnung im weltweiten Massstab. Diese Konzernlobbies geben ihre Instruktionen an die Regierungen in Form von Empfehlungen, und die Regierungen folgen diesen, denn die wenigen, die sich weigern, den Ratschlägen der Konzernlobbies zu gehorchen, finden ihre Währungen unter dem Druck von Spekulanten und sehen die Investoren sich zurückziehen. Der Einfluss von Konzernlobbies hat sich durch regionale und multilaterale Abkommen verstärkt. Mit ihrer Hilfe wird der ganzen Welt eine neoliberale Politik aufgezwungen.

Diese neoliberale Politik erzeugt soziale Spannungen auf globaler Ebene, ähnlich denen auf nationaler Ebene, die während der ersten Stufen der Industrialisierung festgestellt wurden: während die Zahl der Milliardäre wächst, finden sich mehr und mehr Leute auf der Welt in einem System, das ihnen keinen Platz in der Produktion und keinen Zugang zum Konsum anbietet. Diese Hoffnungslosigkeit, kombiniert mit dem freien Kapitalverkehr, stellt transnationalen Investoren das bestmögliche Umfeld zur Verfügung, um ArbeiterInnen und Regierungen gegeneinander auszuspielen. Das Resultat ist ein "Wettlauf zum Minimum" an Sozial- und Umweltbedingungen, und die Demontage der Umverteilungspolitik (progressive Besteuerung, soziale Absicherungssysteme, Reduktion der Arbeitszeit, etc.). So wird ein Teufelskreis erzeugt, in welchem die "effektive Nachfrage" zunehmend in der Hand einer transnationalen Elite konzentriert wird, während mehr und mehr Menschen ihre Grundbedürfnisse nicht decken können.

Dieser Prozess der weltweiten Akkumulation und Ausgrenzung läuft auf einen globalen Angriff auf die elementaren Menschenrechte hinaus, mit sehr offensichtlichen Folgen: Elend, Hunger, Obdachlosigkeit, Arbeitslosigkeit, Verschlechterung der Gesundheitsbedingungen, Landlosigkeit, Analphabetentum, verschärfte Geschlechterdiskriminierung, explosives Wachstum des "informellen" Sektors und der "Untergrund-Wirtschaft" (speziell Produktion und Handel mit Drogen), Zerstörung des Gemeinschaftslebens, Beschneidung der Sozialleistungen und Arbeitsrechte, zunehmende Gewalt auf allen Stufen der Gesellschaft, beschleunigte Umweltzerstörung, wachsende rassistische, ethnische und religiöse Intoleranz, massive Migration (aus wirtschaftlichen, politischen und Umweltgründen), verstärkte militärische Kontrolle und Repression, usw.

Ausbeutung, Arbeit und Lebensunterhalt

Die Globalisierung des Kapitals hat zu einem sehr bedeutenden Ausmass die ArbeiterInnen ihrer Möglichkeit beraubt, dem Kapital (oder besser: dessen Machthabern) in einem nationalen Kontext entgegenzutreten oder mit ihm zu verhandeln. Die meisten der konventionellen Gewerkschaften (speziell in den privilegierten Ländern) haben ihre Niederlage gegen die globale Wirtschaft akzeptiert und geben freiwillig die Errungenschaften auf, welche durch das Blut und die Tränen von Generationen von ArbeiterInneN gewonnen wurden. In Komplizenschaft mit den Erfordernissen des Kapitals haben sie Solidarität gegen "internationale Wettbewerbsfähigkeit" eingetauscht und Arbeitsrechte gegen "Flexibilität des Arbeitsmarktes". Nun treten sie aktiv für die Einführung von "Sozial"-Klauseln in das multilaterale Handelssystem ein, was privilegierten Ländern ein Werkzeug in die Hand geben würde für selektiven, einseitigen und neokolonialen Protektionismus, mit dem Effekt von zunehmender Armut - anstatt es an seiner Wurzel anzugreifen.

Politisch rechtsstehende Gruppierungen in privilegierten Ländern geben oft dem "Sozial-Dumping" von unterprivilegierten Ländern die Schuld für die ansteigende Arbeitslosigkeit und die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen. Sie sagen, dass Menschen aus dem Süden Kapital aus dem Norden rauben mit Hilfe von Billigarbeit, schwachen oder nicht vorhandenen Arbeits- und Umweltgesetzgebungen und tiefen Steuern, und dass Exporte aus dem Süden nördliche Produzenten aus dem Markt drängen. Während es bis zu einem gewissen Grad Auslagerungen in unterprivilegierte Länder gibt (konzentriert in spezifischen Sektoren wie Textilien und Mikroelektronik), können die Mädchen, welche ihre Gesundheit für unbezahlte &Uiml;berzeit in transnationalen "sweatshops" mit miserablen Löhnen opfern, kaum für die soziale Zerstörung verantwortlich gemacht werden, die durch den freien Waren- und Kapitalverkehr verursacht wird. Darüber hinaus erfolgen die meisten Verlagerungen zwischen reichen Ländern, und nur ein Bruchteil der Fremdinvestitionen gehen in unterprivilegierte Länder (und Investitionen fliessen sogar in den Norden, aus Ländern, die traditionell als "unterentwickelt" bezeichnet werden). Die Drohung mit der Verlagerung in ein anderes reiches Land ist zur Erpressung der ArbeiterInnen genau gleich effektiv wie die Drohung mit der Auslagerung in ein unterprivilegiertes Land. Schliesslich ist die Hauptursache der Arbeitslosigkeit in privilegierten Ländern die Einführung von "Rationalisierungs"-Technologien, über welche die unterprivilegierten Völker bestimmt überhaupt keinen Einfluss haben. Kurz: für die zunehmende Ausbeutung sind ausschliesslich die Kapitalisten verantwortlich, nicht die Völker.

Viele Verfechter der (natürlich wirtschaftlichen) "Entwicklung" begrüssen den freien Kapitalverkehr von privilegierten in unterprivilegierte Länder als einen positiven Beitrag zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Armen, da Fremdinvestitionen Arbeitsplätze und damit Einkommen schaffen. Sie vergessen dabei, dass der positive soziale Einfluss von Fremdinvestitionen durch deren eigene Natur begrenzt wird, da transnationale Unternehmen ihr Geld nur solange in unterprivilegierten Ländern lassen, wie die Politik dieser Länder ihnen ermöglicht, mit der Ausbeutung des Elends und der Hoffnungslosigkeit der Bevölkerung fortzufahren. Die Finanzmärkte verhängen extreme Strafen für Länder, die es wagen, irgendeine Art von Politik zu verfolgen, die eventuell in verbesserten Lebensbedingungen resultieren könnte. Beispielhaft dafür steht das abrupte Ende der scheuen Umverteilungspolitik, welche 1981 durch Mitterand in Frankreich initiiert wurde. Auch die mexikanische Krise von 1994 und die kürzlichen Krisen in Ostasien - auch wenn sie von den Medien als Resultat eines technischen Missmanagements dargestellt wurden - sind gute Beispiele für den Einfluss einer konzerngesteuerten Wirtschaftsregelung, die jeden Tag an Stärke gewinnt, sowohl in unterprivilegierten wie auch in privilegierten Ländern, und den hintersten und letzten Aspekt von deren Sozial- und Wirtschaftspolitik bestimmt.

Diejenigen, welche an die vorteilhaften sozialen Effekte des "freien" Marktes glauben, vergessen auch, dass der Einfluss des transnationalen Kapitals sich nicht in der Schaffung von ausbeuterischen Jobs erschöpft. Der Grossteil der ausländischen Direktinvestitionen (zwei Drittel gemäss den Vereinten Nationen) in privilegierten und unterprivilegierten Ländern bestehen aus der Übernahme von nationalen Unternehmen durch transnationale Konzerne (transnational corporations, TNC's), was typischerweise den Abbau von Arbeitsplätzen zur Folge hat. Und die "Transis" kommen nie nur mit ihrem Geld: sie bringen auch fremde Produkte in das Land und fegen eine grosse Zahl von lokalen Firmen und Farmen aus dem Markt oder zwingen sie dazu, unter noch unmenschlicheren Bedingungen zu produzieren. Schliesslich bewirken die meisten Fremdinvestitionen die nicht-nachhaltige Ausbeutung von natürlichen Ressourcen, was in der unwiederbringlichen Zerstörung der Lebensgrundlagen von verschiedenen Gemeinschaften indigener Völker, von FarmerInneN, ethnischen Gruppen etc. resultiert.

Wir lehnen die Idee ab, dass der "freie" Handel Arbeitsplätze schafft und Wohlstand fördert, und auch die Annahme, dass er zur Linderung der Armut beiträgt. Aber wir verwerfen ebenso klar die rechte Alternative eines strengeren nationalen Kapitalismus', wie auch die faschistische Alternative eines autoritären Staates, der die zentrale Kontrolle von Unternehmen übernimmt. Unsere Kämpfe zielen darauf ab, die Kontrolle über die Produktionsmittel aus den Händen sowohl des transnationalen wie auch des nationalen Kapitals zurückzugewinnen, um freie, nachhaltige und gemeinschaftskontrollierte Lebensgrundlagen zu schaffen, die auf Solidarität und den Bedürfnissen der Völker basieren, und nicht auf Ausbeutung und Habgier.

Geschlechterunterdrückung

Die Globalisierung und die neoliberale Politik basieren auf bestehenden Ungleichheiten und verstärken sie, einschliesslich der Ungleichheit der Geschlechter. Das von den unterschiedlichen Geschlechterrollen ausgehende Machtsystem der globalisierten Wirtschaft fördert, wie die meisten traditionellen Systeme, die Ausbeutung der Frauen als Arbeiterinnen, als Versorgerinnen der Familie und als sexuelle Objekte.

Frauen sind dafür verantwortlich, Kinder zu gebären, sie zu erziehen, zu ernähren, zu kleiden und zu disziplinieren, um sie in die globale Arbeitswelt zu integrieren. Sie werden als billige und fügsame Arbeitskräfte für die ausbeuterischsten Anstellungsformen benutzt, wie zum Beispiel in den maquilas der Textil- und Mikroelektronikindustrie. Durch die aus der Globalisierung entstandene Armut aus ihren Heimatländern vertrieben, suchen viele Frauen Arbeit im Ausland, oft als illegale Immigrantinnen, wodurch sie schlimmsten Arbeitsbedingungen ausgesetzt sind und in ständiger Unsicherheit leben. Der weltweite Handel mit Frauenkörpern ist ein wesentliches Element des Weltkommerzes geworden und erfasst auch Kinder, die nicht älter als 10 sind. Sie werden von der Weltwirtschaft durch verschiedene Formen der Ausbeutung und Vermarktung missbraucht.

Von Frauen wird erwartet, dass sie sich nur in ihrem Haushalt betätigen. Obwohl dies niemals wirklich der Fall war, ist diese Idee doch dazu benützt worden, Frauen eine Rolle in öffentlichen Angelegenheiten vorzuenthalten. Das Wirtschaftssystem macht auch Gebrauch von diesen Geschlechterrollen, um Frauen für viele Sozial- und Umweltprobleme verantwortlich zu machen. Folglich wird der Grund für die globale Umweltkrise bei den Frauen gesehen, die (angeblich) zu viele Kinder haben (anstatt bei den Reichen, die zu viele Ressourcen verbrauchen). &Aiml;hnlich wird die Tatsache, dass Frauen tiefe Löhne erhalten, da ihre Entlöhnung nur als zusätzliches Einkommen für den Haushalt betrachtet wird, dafür benutzt, ihnen die Schuld für die Arbeitslosigkeit der Männer und der Reduktion deren Löhne zu geben. Als Resultat werden die Frauen als Sündenböcke missbraucht und für schuldig erklärt, dasselbe Elend zu verursachen, von dem sie unterdrückt werden, anstatt das globale Kapital für soziale Schäden und Umweltzerstörungen verantwortlich zu machen. Diese ideologische Stigmatisierung [Brandmarkung] kommt zu der körperlichen Gewalt hinzu, unter welcher Frauen auf dem ganzen Planeten täglich leiden.

Das Patriarchat und das Rollensystem beruhen fest auf der Idee der Natürlichkeit und Exklusivität [Ausschliesslichkeit] der Heterosexualität. Die meisten sozialen Systeme und Strukturen lehnen jede andere Form sexuellen Ausdrucks oder Aktivität gewaltsam ab, und diese Beschränkung der Freiheit wird benützt, um die patriarchalen Geschlechterrollen zu zementieren. Auch wenn die Globalisierung indirekt zu den Frauen- und sexuellen Befreiungskämpfen beiträgt, indem sie die Frauen in sehr unterdrückerische Gesellschaften einführt, so stärkt sie doch auch das Patriarchat an der Wurzel der Gewalt gegen Frauen und gegen Schwule, Lesben und Bisexuelle.

Die Eliminierung des Patriarchats und das Ende aller Formen der Geschlechterdiskriminierung verlangen ein starkes Engagement gegen den globalen Markt. Auch ist es wichtig, dass die Menschen, die gegen das globale Kapital kämpfen, die Ausbeutung und die Marginalisierung der Frauen erkennen und ihr entgegentreten, und am Kampf gegen Homophobie teilnehmen. Wir müssen neue Kulturen entwickeln, die wirkliche Alternativen zu diesen alten und neuen Formen der Unterdrückung bieten.

Der Überlebenskampf der indigenen Völker

Indigene Völker und Nationen haben eine lange Geschichte des Widerstands gegen die durch den Kapitalismus bewirkte Zerstörung. Heute sind sie konfrontiert mit dem neoliberalen Globalisierungsprojekt als einem Instrument des transnationalen Finanzkapitals zur Neokolonialisierung und Vernichtung. Diese neuen Akteure des Globalisierungsprozesses sind dabei, gewaltsam in die letzten Zufluchtsorte von indigenen Völkern vorzudringen. Sie verletzen ihre Territorien, Wohnorte und Ressourcen, zerstören ihre Lebensformen und begehen damit oft Genozid [Völkermord]. Die Nationalstaaten erlauben und unterstützen diese Verbrechen aktiv, trotz ihrer in verschiedenen Deklarationen, Abkommen und Konventionen festgehaltenen Versprechen, die Rechte der indigenen Völker zu respektieren.

Die Konzerne stehlen altes Wissen und patentieren es zu ihrem eigenen Gewinn und Vorteil. Das heisst, dass indigene Völker und der Rest der Menschheit für den Zugang zu diesem Wissen, das so in einen Sachwert umgewandelt wird, bezahlen müssen. Darüber hinaus werden die indigenen Völker selbst patentiert, von Pharma-Konzernen und der US-Administration, unter der Schirmherrschaft des "Human Genome Diversity Programme". Wir widersetzen uns der Patentierung jeglicher Lebensformen und der von den Grossunternehmen monopolisierten Kontrolle über Saatgut, Medikamente, traditionelles Wissen und die menschlichen Erbanlagen.

Die Kämpfe der indigenen Völker zur Verteidigung ihrer Länder (einschliesslich der Bodenschätze) und ihrer Lebensformen führen zu einer verstärkten Repression gegen sie und zur Militarisierung ihrer Lebensräume, was sie dazu zwingt, ihr Leben oder ihre Freiheit zu opfern. Dieser Kampf wird weitergehen, bis das Recht der indigenen Völker auf territoriale Autonomie auf der ganzen Welt vollständig respektiert wird.

Unterdrückte ethnische Gruppen

Die schwarzen Gemeinschaften afrikanischen Ursprungs in den (beiden) Amerikas litten während Jahrhunderten unter einer gewalttätigen und unmenschlichen Ausbeutung, wie auch unter physischer Vernichtung. Ihre Arbeitskraft wurde als fundamentales Werkzeug für die Akkumulation von Kapital benutzt, sowohl in Amerika als auch in Europa. Mit dieser Unterdrückung konfrontiert, kreierten die Afro-AmerikanerInnen gemeinschaftsbasierte Prozesse der Organisation und des kulturellen Widerstands. Gegenwärtig leiden die schwarzen Gemeinschaften unter den Effekten der "Entwicklungs"-Megaprojekte auf ihren Territorien und dem Eindringen von Grossgrundbesitzern in ihr Land, was zu massiver Umsiedlung, Elend und kultureller Entfremdung führt, und oft zu Repression und Tod.

Eine ähnliche Situation erleiden auch andere Völker, wie die Zigeuner, die Kurden, die Saharaouis, und andere. Alle diese Völker werden gezwungen, für ihr Recht auf ein Leben in Würde zu kämpfen - gezwungen von den Nationalstaaten, welche ihre Identität und Autonomie unterdrücken und sie stärker in eine homogene [gleichartige] Gesellschaft eingliedern wollen. Viele dieser Gruppen werden von den herrschenden Mächten als Bedrohung angesehen, da sie ihr Recht auf kulturelle Vielfalt und Autonomie zurückfordern und es auch ausüben.

Angriff auf die Natur und die Landwirtschaft

Land, Wasser, Wald, Lebewesen auf der Erde, im Wasser und in der Luft, sowie Mineralien sind keine Gebrauchsartikel, sondern unsere Lebensgrundlage. Während Jahrzehnten haben die aus Geld und Markt entstandenen Mächte ihre Profite vergrössert und die Kontrolle über Politik und Wirtschaft verstärkt, indem sie sich diese Ressourcen widerrechtlich aneigneten; dies geschah auf Kosten des Lebens und der Arbeit grosser Mehrheiten auf der ganzen Welt. Während Jahrzehnten haben die Weltbank, der IWF und jetzt die WTO, in Zusammenarbeit mit den nationalen Regierungen und den Konzernmächten, den Handlungsspielraum zur Aneignung der Umwelt erweitert. Das Resultat sind Umweltzerstörung, tragische Bevölkerungsumsiedlungen mit kaum lösbaren Problemen, und die Auslöschung der kulturellen und biologischen Vielfalt; vieles davon ist unwiederbringlich verloren, ohne Entschädigung der Betroffenen, die darauf angewiesen waren.

Die vom nationalen und globalen Kapital hervorgerufenen Ungleichheiten innerhalb und zwischen den Ländern haben sich in dem Masse verbreitet und vertieft, wie die Reichen die natürlichen Ressourcen von Gemeinschaften, Bäuerinnen und Bauern, von LandarbeiterInnen, FischerInnen, Stammes- und indigenen Bevölkerungen, von Frauen und sozial Benachteiligten verschwinden lassen - dabei werden die schon mit Füssen getretenen zu Boden geworfen. Das durch die Handels- und Investitionsabkommen erzwungene zentralisierte Management von natürlichen Ressourcen lässt keinen Raum für Nachhaltigkeit innerhalb von und über Generationen hinweg. Es dient nur der Tagesordnung der Mächtigen, welche diese Abkommen ausgearbeitet und verabschiedet haben: um Reichtum und Macht anzuhäufen.

Nicht-nachhaltige und kapitalintensive Technologien haben eine Hauptrolle im Angriff der Konzerne auf die Natur und die Landwirtschaft gespielt. Technologien der grünen Revolution haben schwere soziale und Umweltzerstörungen verursacht, wo auch immer sie angewendet wurden, sie haben Armut und Hunger geschaffen, statt diese zu beseitigen. Heute kommt die moderne Biotechnologie auf, zusammen mit Patenten auf Leben, als eine der mächtigsten und gefährlichsten Waffen der Konzerne zur Übernahme der Kontrolle über Ernährungssysteme in der ganzen Welt. Der Gentechnologie und Patenten auf Leben muss Widerstand geleistet werden, denn ihre potentielle soziale und Umwelteinwirkung ist die grösste in der Geschichte der Menschheit.

Mit ihren Kämpfen gegen das globale kapitalistische Paradigma [Musterbeispiel] arbeiten die Unterprivilegierten für die Wiederherstellung ihres natürlichen Erbes und den Wiederaufbau von integrierten, egalitären Gemeinschaften. Unsere Vision ist die einer dezentralisierten Wirtschaft und Politik, ausgehend von den Rechten der Gemeinschaften auf die natürlichen Ressourcen und auf die Planung ihrer eigenen Entwicklung, mit Gleichberechtigung und Selbstbestimmung als Grundwerten. Anstelle der verkehrten Prioritäten, die ihnen durch die globalen Pläne in Sektoren wie Transport, Infrastruktur, Energie und energieintensiven Technologien aufgezwungen werden, machen sie ihr Recht auf Leben geltend - mit Erfüllung der Grundbedürfnisse von jeder und jedem, aber unter Ausschluss der Habgier der konsumistischen Minderheit. Mit Respekt gegenüber traditionellen Kenntnissen und Kulturen, in Übereinstimmung mit den Werten von Gleichberechtigung, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit, engagieren wir uns für die Entwicklung von kreativen Wegen zum Gebrauch und der gerechten Verteilung unserer natürlichen Ressourcen.

Kultur

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Globalisierung, wie sie von der WTO und anderen internationalen Agenturen orchestriert wird, ist die Kommerzialisierung und der Ausverkauf der Kultur, sowie die Aneignung ihrer Vielfalt, um sie anzupassen und in den Prozess der kapitalistischen Akkumulation zu integrieren. Dieser Homogenisierungsprozess durch die Medien trägt nicht nur zum Zusammenbruch der kulturellen und sozialen Netzwerke in lokalen Gemeinschaften bei, sondern zerstört auch die Substanz und den Sinn der Kultur.

Kulturelle Vielfalt hat nicht nur einen unermesslichen Wert an sich, als Spiegel der menschlichen Kreativität und Potentials, sie stellt auch ein grundlegendes Werkzeug für Widerstand und Autonomie dar. Folglich ist die kulturelle Homogenisierung eines der wichtigsten Werkzeuge für die zentrale Kontrolle seit des Kolonialismus gewesen. In der Vergangenheit wurde die Beseitigung der kulturellen Vielfalt vor allem durch die Kirche und die Auferlegung von Kolonialsprachen erreicht. Heute sind die Massenmedien und die konzerngesteuerte Konsumkultur die wichtigsten Förderer der Anpassung und Homogenisierung der kulturellen Vielfalt. Das Resultat dieses Prozesses ist nicht nur ein grosser Verlust am Menschheitserbe: es wird auch eine alarmierende Abhängigkeit von der kapitalistischen Kultur des Massenkonsums geschaffen, eine Abhängigkeit, die weit tieferer Natur und viel schwieriger zu beseitigen ist als wirtschaftliche oder politische Abhängigkeit.

Die Kontrolle über die Kultur muss aus den Händen der Konzerne genommen und von den Gemeinschaften zurückgefordert werden. Selbstbestimmung und Freiheit sind nur möglich auf der Basis einer lebendigen kulturellen Vielfalt, welche es den Menschen ermöglicht, unabhängig jeden Aspekt ihres Lebens selber zu bestimmen. Wir engagieren uns stark für kulturelle Befreiung in allen Bereichen des Lebens, von Food zu Filmen, von Musik bis Medien. Wir werden mit direkter Aktion zur Demontage der "Konzernkultur" und zur Schaffung von Räumen für ursprüngliche Kreativität beitragen.

Wissen und Technologie

Wissen und Technologie sind nicht neutral oder wertfrei. Die Herrschaft des Kapitals gründet teilweise auf der Kontrolle von beiden. Westliches Wissen und Technologie haben wichtige Beiträge an die Menschheit geleistet, aber ihre Dominanz hat sehr vielfältige und wertvolle Wissenssysteme und Technologien, die auf jahrhundertelanger Erfahrung beruhten, weggefegt.

Die westliche Wissenschaft ist charakterisiert durch die Produktion von vereinfachten Modellen der Realität für Versuchszwecke, folglich hat die reduktionistische Forschungsmethode eine extrem beschränkte Kapazität zur Produktion von nützlichem Wissen über komplexe und chaotische Systeme wie z.B. die Landwirtschaft. Traditionelle Wissenssysteme und Wissensproduktionsmethoden sind weit effektiver, da sie auf Generationen von direkter Beobachtung und Interaktion mit unvereinfachten komplexen Systemen beruhen. Daher verfehlen kapitalintensive, wissenschaftsbasierte Technologien konstant ihre Ziele bei komplexen Systemen, und provozieren oft die Störung des Gleichgewichts dieser Systeme, wie die Technologien der grünen Revolution, die moderne Dammtechnologie und viele andere Beispiele zeigen.

Trotz ihrer vielen Fehler werden kapitalintensive Technologien systematisch als den traditionellen, arbeitsintensiven Technologien überlegen behandelt. Diese ideologische Diskriminierung resultiert in Arbeitslosigkeit, Verschuldung und, am wichtigsten, im Verlust eines unermesslichen Schatzes an über Jahrhunderte hinweg gesammelten Erkenntnissen und Technologien. Traditionelles Wissen, oft von Frauen angewendet und weitergegeben, wurde bis kürzlich von westlichen, meist männlichen Wissenschaftern und Akademikern als "Aberglaube" und "Hexerei" zurückgewiesen. Deren "Rationalismus" und "Modernisierung" hatten während Jahrhunderten die Zerstörung dieses Wissens zum Ziel. Wie dem auch sei, Pharmakonzerne und das Agrobusiness haben seit kurzem den Wert und das Potential von traditionellem Wissen erkannt, und stehlen, patentieren und verkaufen es für ihren eigenen Gewinn und Profit.

Kapitalintensive Technologie wird entworfen, gefördert, kommerzialisiert und den Menschen aufgezwungen, um dem Prozess der kapitalistischen Globalisierung zu dienen. Da der Gebrauch von Technologien einen sehr wichtigen Einfluss auf das soziale und individuelle Leben hat, sollten die Menschen die freie Wahl der Technologien, freien Zugang zu ihnen und die Kontrolle über sie haben. Nur die Technologien, welche von der lokalen Bevölkerung betrieben und kontrolliert werden können, sollten in Betracht gezogen werden. Auch die Kontrolle der Art, wie Technologie entworfen und produziert wird, sowie ihr Ausmass und ihre Grenzen, sollten von menschlichen Prinzipien der Solidarität, gegenseitiger Zusammenarbeit und gesundem Menschenverstand inspiriert werden. Heute sind die der Technologieproduktion zugrundeliegenden Prinzipien das exakte Gegenteil: Profit, Wettbewerb und die absichtliche Produktion von kurzlebigen Konsumgütern. Die Aneignung der Macht erfolgt durch die Kontrolle des Gebrauchs und der Produktion von Technologie.

Bildung und Jugend

Der Inhalt des jetzigen Bildungssystems wird mehr und mehr bedingt durch die Produktionsbedürfnisse, wie sie von den Konzernen diktiert werden. Die Interessen und Anforderungen der Wirtschaftsglobalisierung führen zu einer immer grösseren Kommerzialisierung der Bildung. Die abnehmenden öffentlichen Budgets für Bildung fördern die Einrichtung von privaten Schulen und Universitäten, während die Arbeitsbedingungen der Menschen, die im öffentlichen Bildungssektor arbeiten, durch die Austeritätspolitik [Sparpolitik] und Strukturanpassungsprogramme ausgehöhlt werden. Das Lernen wird zunehmend zu einem Prozess, der die Ungleichheiten in den Gesellschaften verstärkt. Sogar das öffentliche Bildungssystem, vor allem aber die Universitäten, werden für grosse Teile der Gesellschaften zunehmend unzugänglich. Die Geisteswissenschaften (Geschichte, Philosophie, usw.) und das Entwickeln von kritischem Denken werden unterdrückt zugunsten einer Bildung, die sich den Interessen des Globalisierungsprozesses unterordnet, wo Konkurrenzdenken vorherrscht. StudentInnEn verbringen immer mehr Zeit damit, zu lernen, wie sie sich gegenseitig konkurrenzieren können, statt die Persönlichkeitsentwicklung zu fördern, sowie kritisches Denken und das Potential für Gesellschaftsveränderung zu entwickeln.

Bildung als ein Werkzeug zu sozialem Wandel bedingt kritische AkademikerInnen und ErzieherInnen für alle Bildungssysteme. Gemeinschaftsbasierte Ausbildung kann Lernprozesse innerhalb von sozialen Bewegungen hervorrufen. Das Recht auf Information ist unabdingbar für die Arbeit von sozialen Bewegungen. Beschränkter und ungleicher Zugang zu Sprachkenntnissen verhindert, speziell für Frauen, die Teilnahme an politischen Aktivitäten mit Menschen anderer Regionen. Die Bereitstellung solcher Werkzeuge ist ein Weg zur Stärkung und dem Wiederaufbau menschlicher Werte. Schon die klassische Bildung wird zunehmend als Vehikel für den Markt kommerzialisiert. Dies erfolgt mit Unternehmensinvestitionen in die Forschung und mit der Förderung von Wissen, welches auf die vom Markt verlangten Fertigkeiten abgestimmt ist. Die Dominanz der Massenmedien sollte gebrochen werden; das Recht, unsere eigenen Kenntnisse und Kulturen zu reproduzieren, muss unterstützt werden.

Wie auch immer, für viele Kinder auf der Welt ist die Kommerzialisierung der Bildung kein Thema, da sie selber als sexuelle Objekte und ausgebeutete ArbeiterInnen vermarktet werden und unmenschliche Ausmasse an Gewalt erleiden müssen. Die wirtschaftliche Globalisierung ist die Wurzel des täglichen Albtraums einer zunehmenden Anzahl ausgebeuteter Kinder. Deren Schicksal ist die schrecklichste Folge des Elends, das durch den globalisierten Markt erzeugt wird.

Militarisierung

Die Globalisierung verschlimmert komplexe und wachsende Krisen, die weit verbreitete Spannungen und Konflikte verursachen. Das Bedürfnis, mit dieser steigenden Unordnung fertig zu werden, verstärkt die Militarisierung und Repression (mehr Polizei, Verhaftungen, Gefängnisse, Gefangene) in unseren Gesellschaften. Militärinstitutionen wie die US-dominierte NATO, welche die anderen Mächte des Nordens organisieren, sind unter anderen die wichtigsten Instrumente, um diese ungleiche Weltordnung aufrechtzuerhalten. Die obligatorische Wehrpflicht in vielen Ländern indoktriniert junge Leute, mit der Absicht, den Militarismus zu legitimieren. Auch die Massenmedien und die Konzernkultur glorifizieren das Militär und preisen den Gebrauch von Gewalt. Es findet auch, hinter den Fassaden von demokratischen Strukturen, eine zunehmende Militarisierung des Nationalstaates statt, welcher in vielen Ländern Gebrauch von gesichtslosen paramilitärischen Gruppen macht, um die Interessen des Kapitals durchzusetzen.

Zugleich wird der militärisch-industrielle Komplex, einer der Hauptpfeiler des Weltwirtschaftssystems, zunehmend von riesigen privaten Konzernen kontrolliert. Die WTO überlässt Verteidigungsangelegenheiten formell den Staaten, aber der militärische Sektor ist ebenso vom Trieb nach privatem Gewinn befallen.

Wir rufen zur Vernichtung von nuklearen und allen anderen Massenvernichtungswaffen auf. Der internationale Gerichtshof in Den Haag hat kürzlich erklärt, dass Nuklearwaffen internationales Recht verletzen, und hat alle Nuklearmächte dazu aufgerufen, deren Vernichtung zuzustimmen. Das heisst, dass die Strategie der NATO, die auf dem möglichen Einsatz von Nuklearwaffen beruht, einem Verbrechen gegen die Menschheit gleichkommt.

Migration und Diskriminierung

Das neoliberale Regime schafft Freiheit für den Kapitalverkehr, während es die Bewegungsfreiheit für menschliche Wesen ablehnt. Gesetzliche Barrieren gegen die Migration werden ständig verschärft, während gleichzeitig die massive Zerstörung von Lebensgrundlagen und die Konzentration des Reichtums in privilegierten Ländern Millionen von Menschen entwurzelt und sie dazu treibt, Arbeit weit weg von ihrer Heimat zu suchen. MigrantInnEn befinden sich daher in mehr und mehr prekären und oft illegalen Situationen, und sind damit noch leichtere Opfer für ihre Ausbeuter. Sie werden dann zu Sündenböcken gemacht, gegen welche die Rechtspolitiker die lokale Bevölkerung aufbringen, um ihre Frustrationen abzureagieren. Solidarität mit MigrantInnEn ist wichtiger denn je. Es gibt keine illegalen Menschen, nur unmenschliche Gesetze.

Rassismus, Xenophobie, das Kastensystem und religiöse Bigotterie werden gebraucht, um uns zu spalten, und müssen an allen Fronten bekämpft werden. Wir zelebrieren unsere Vielfalt an Kulturen und Gemeinschaften und stellen keine über die andere.

* * *

Die WTO, der IWF, die Weltbank und andere Institutionen, welche die Globalisierung und Liberalisierung vorantreiben, wollen, dass wir an die vorteilhaften Effekte des globalen Wettbewerbs glauben. Ihre Abkommen stellen direkte Verletzungen von grundlegenden Menschenrechten (inklusive Bürger-, politischer, wirtschaftlicher, sozialer, Arbeits- und kultureller Rechte) dar, die im internationalen Recht und in vielen nationalen Verfassungen festgeschrieben und im Volksverständnis von Menschenwürde verankert sind. Wir haben genug von ihrer unmenschlichen Politik. Wir lehnen das Prinzip des Wettbewerbs als Lösung für die Probleme der Menschen ab. Es führt nur zur Verdrängung kleiner ProduzentInnEn und der lokalen Wirtschaft. Der Neoliberalismus ist der wirkliche Feind der Wirtschaftsfreiheit.

II

Der Kapitalismus hat die fragilen "Zügel", die durch Jahrhunderte von Kämpfen im nationalen Kontext gewonnen wurden, losgelassen. Er hält den Nationalstaat nur am Leben zwecks Kontrolle und Repression der Völker, während er ein neues transnationales Regelsystem schafft, um seine weltweite Tätigkeit zu erleichtern. Wir können dem transnationalen Kapitalismus nicht mit den traditionellen, im nationalen Kontext gebrauchten Mitteln entgegentreten. In dieser neuen, globalisierten Welt müssen wir neue Formen des Kampfes und der Solidarität (er)finden, neue Ziele und Strategien in unserer politischen Arbeit. Wir müssen die Kräfte zusammenlegen, um verschiedene Räume von Kooperation, Gleichberechtigung, Würde, Gerechtigkeit und Freiheit nach einem menschlichen Massstab zu schaffen, und gleichzeitig das nationale und transnationale Kapital angreifen, wie auch die Abkommen und Institutionen, die es schafft, um seine Macht durchzusetzen.

Es gibt viele verschiedene Wege des Widerstandes gegen die kapitalistische Globalisierung und ihre Folgen. Auf der individuellen Ebene müssen wir unser Alltagsleben verändern, uns von Marktgesetzen und der Verfolgung privaten Profits befreien. Auf der kollektiven Ebene müssen wir verschiedenste Organisationsformen auf verschiedenen Stufen entwickeln, und anerkennen, dass es nicht nur einen Weg gibt, die Probleme zu lösen, denen wir gegenüberstehen. Solche Organisationen müssen unabhängig von Regierungsstrukturen und Wirtschaftskräften sein und auf direkter Demokratie beruhen. Diese neuen Formen von autonomen Organisationen sollten aus lokalen Gemeinschaften entstehen und in diesen verwurzelt sein, aber gleichzeitig internationale Solidarität üben, Brücken bauen zur Verbindung der verschiedenen sozialen Sektoren, Völkern und Organisationen, welche die Globalisierung auf der ganzen Welt bereits bekämpfen.

Diese Werkzeuge zur Koordination und Machtstärkung lassen Platz, um verschiedenste lokale, klein-massstäbliche Strategien, die von Völkern auf der ganzen Welt in den letzten Jahrzehnten entwickelt wurden, in die Praxis umzusetzen - mit dem Ziel, deren Gemeinschaften, Nachbarschaften oder kleinen Kollektive vom globalen Markt abzukoppeln. Direkte Beziehungen zwischen ProduzentInnEn und KonsumentInnEn sowohl in ruralen [landwirtschaftlichen] als auch urbanen [städtischen] Gebieten, lokale Währungen, interessenfreie Kreditsysteme und ähnliche Instrumente sind die Grundbausteine für die Schaffung von lokalen, nachhaltigen und selbständigen Wirtschaften, die auf Kooperation und Solidarität statt Wettbewerb und Profit basieren. Während das globale Finanzkasino mit zunehmender Geschwindigkeit sozialem Zerfall, Umweltzerstörung und dem wirtschaftlichen Zusammenbruch entgegengeht, werden wir, die Völker, nachhaltige Lebensweisen wiedererschaffen. Unsere Mittel und Inspiration werden ausgehen vom Wissen und der Technologie der Völker, besetzten Häusern und Feldern, einer starken und lebendigen kulturellen Vielfalt, und einer klaren Entschlossenheit zum aktiven Ungehorsam und Nichtrespekt gegenüber allen Verträgen und Institutionen an der Wurzel des Elends.

In Anbetracht von Regierungen auf der ganzen Welt, die als die Kreaturen und Werkzeuge der kapitalistischen Mächte handeln und die neoliberale Politik ohne Rücksprache mit ihrer eigenen Bevölkerung oder deren gewählten RepräsentantInnEn verfolgen, ist die einzige den Menschen verbliebene Alternative, diese Handelsabkommen zu zerstören und wieder ein Leben mit direkter Demokratie, frei von Zwang, Herrschaft und Ausbeutung zurückzugewinnen. Direkte demokratische Aktionen, die den Geist von gewaltfreiem zivilem Ungehorsam gegenüber dem Unrechtssystem in sich tragen, sind daher der einzig mögliche Weg, die Misswirtschaft der Staats- und Konzernmächte zu stoppen. Ebenfalls ein wesentliches Element ist die Unmittelbarkeit. Wir fällen jedoch kein Urteil über den Gebrauch von anderen Aktionsformen unter bestimmten Umständen.

Der Bedarf für konzertierte Aktionen ist dringend geworden, um dieses illegitime Weltregierungssystem zu zerschlagen, welches durch das transnationale Kapital, Nationalstaaten, internationale Finanzinstitutionen und Handelsabkommen gebildet wird. Nur eine globale Allianz von Völkerbewegungen, die Autonomie respektiert und aktionsorientierten Widerstand fördert, kann dieses entstehende globalisierte Monster besiegen. Wenn die Verarmung von Völkern die Tagesordnung des Neoliberalismus ist, wird die direkte Stärkung der Menschen durch konstruktive direkte Aktionen und zivilen Ungehorsam das Programm des Globalen Bündnis' der Völker gegen "Frei"handel und die WTO sein.

Wir erklären unseren Willen, als Menschen gegen jede Form von Unterdrückung zu kämpfen. Aber wir bekämpfen nicht nur die uns auferlegten Unrechte; wir engagieren uns auch für die Schaffung einer neuen Welt. Wir sind zusammen als menschliche Wesen und Gemeinschaften, unsere Einheit wurzelt tief in unserer Verschiedenheit. Zusammen gestalten wir eine Vision einer gerechten Welt und beginnen diesen wahren Wohlstand zu schaffen, welcher von menschlicher Stärke, natürlichem Grossmut, Vielfalt, Würde und Freiheit kommt.

Genf, Februar-März [April] 1998


3. Aktionsplan

Der folgende Plan für Aktionen wurde an der 1. PGA-Konferenz Ende Februar gefasst. Die Liste wird vervollständigt und auf der Homepage der PGA regelmässig aktualisiert; dort kann auch ein Formular gefunden werden, um neue Aktionen mitzuteilen. Wer keinen Zugang zum Web hat, kann pga@agp.org kontaktieren.

Aktionen in Genf vom 16. bis zum 20. Mai 1998:

  • Eine grosse Strassenparty wird in Genf am Samstag dem 16. stattfinden, zwei Tage vor dem Beginn der Konferenz und parallel zum G8-Treffen in Birmingham. Die Party wird die (Innen-)Stadt den ganzen Tag lahmlegen. Ein Extrazug aus Italien ist geplant, um an der Party teilzunehmen. Es werden zwischen zwei und drei tausend Bäuerinnen und Bauern von der UPS (der lokalen Kleinbauernvereinigung) regionale Lebensmittel auf der Strasse verkaufen (obwohl dies auf Montag den 18. verschoben werden könnte). Es werden auch Leute aus allen Schweizer Städten kommen.

  • Es wird einen Marsch gegen Arbeitslosigkeit und Ausgrenzung geben, der in verschiedenen französischen Städten startet und am 15. in Genf ankommt. Der von AC! (Action Contre le chômage!) organisierte Marsch hat das Ziel, an Aktionen gegen die WTO-Minister-Konferenz teilzunehmen.

  • Eine Anzahl von Velo/Fahrrad-Karawanen hat die deutschen Städte Lüchow, Dresden und Giessen verlassen; sie haben sich in Frankfurt am 4. Mai getroffen und fahren alle zusammen in Richtung Genf, um dort am 16. Mai anzukommen, gerade pünktlich für die Strassenparty. Die Karawane mit dem Thema "Geld oder Leben?" wird auch in der Schweiz in mehreren Städten auf dem Weg Halt machen (Basel, Aarau, Solothurn, Bern, Fribourg und Lausanne), um bewusstseins-steigernde Aktionen zu machen. Kontakt: WIWA Wendland, Tel./Fax: +49-5861-2527

  • Am Sonntag dem 17. wird ein Seminar für die lokale Bevölkerung und die Gast-AktivistInnEn stattfinden. Es wird auch praktisches Training für Techniken des gewaltfreien Widerstands gegen Polizeirepression geben.

  • Am Montag dem 18. (dem ersten Tag der Ministerkonferenz) wird es einen "Peoples' Trade Day" in Genf geben, welcher die Blockade von mehreren symbolischen Zentren des globalen Kapitalismus' (Multis, Fast-Food-Restaurants, Banken, etc.) beinhalten soll, mit lokalem Kleinhandel, der aus direkten Verbindungen zwischen KonsumentInnEn und ProduzentInnEn besteht. Der "Handelstag der Völker" wird den ganzen Tag dauern, und beinhaltet auch die Blockade des normalen Verkehrs in der (Innen-)Stadt.

  • Am Dienstagabend dem 19. gibt es eine Kerzenprozession vor das WTO-Gebäude.

  • am Mittwoch dem 20. (dem letzten Tag der Ministerkonferenz) gibt es einen stummen Protestzug zum WTO-Gebäude. Diese Prozession, zusammengesetzt aus Menschen mit 'zugeklebten' Mündern und auf dem Rücken gefesselten Händen, wird auf das WTO-Gebäude losgehen mit der erklärten Absicht, in die Konferenz einzudringen und sie zu stoppen.

  • Während der ganzen Periode vom 15. bis zum 20. wird es ein Presseteam geben, gebildet durch RepräsentantInnEn von Völkerbewegungen aller Kontinente, welches alle Arten von Material für die Presse sammelt (Erklärungen/Veröffentlichungen, Bilder, Videos, etc.), aus Genf und allen anderen Städten der Welt, und es der für die Ministerkonferenz akkreditierten (angemeldeten) Presse übergibt. Sie werden auch drei grosse Pressekonferenzen mit den Hauptanführern von Volksbewegungen der ganzen Welt organisieren.

Andere Aktionen gegen die WTO:

  • Das Weltforum der FischfängerInnen und FischarbeiterInnen, welches sich in 25 Ländern gebildet hat, plant massive Agitationsprogramme auf der ganzen Welt. Es ist auch ein Weltstreik geplant für den World Fisheries' Day im November. Diese Aktionen werden koordiniert von Thomas Kocherry, Präsident des World Forum of Fish Harvesters and Fishworkers (nff@md2.vsni.net.in, Fax: +91-471-501376).

  • Azadi Bachao Andolan (Friedensbewegung) von Indien plant, dem Präsidenten von Indien ein Memorandum mit 10 Millionen Unterschriften zu überreichen, welches den Rückzug von Indien aus der WTO verlangt. Kontaktperson: Tyagi Manoj (bks@mri.ernet.in, Fax: +91-532-609407)

  • In Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch, wird das Garment Workers Unity Forum (Textilarbeiter-Forum) eine massive Demonstration gegen die WTO, die Weltbank und den IWF organisieren. Diese Aktion wird koordiniert von Ms. Mushrefa Mishu (Fax: +8802-863057).

  • Vortragsreihe in Bangladesch, Nepal und Sri Lanka: In diesen Ländern ist der Kenntnisgrad über die Rolle der WTO noch ziemlich klein. Einige prominente SprecherInnen von Indien werden durch diese Länder reisen, um an bewusstseins-fördernden Kampagnen teilzunehmen und mit Bewegungen und interessierten Gruppen zu diskutieren.

  • Regionales Treffen in Südasien: wird irgendwann vor dem 18. Mai stattfinden.

  • Auf der ganzen Welt wird es "Street Parties" geben am Samstag dem 16. Mai, zwei Tage vor dem Beginn der WTO-Ministerkonferenz und während dem G8-Treffen in Birmingham. Die Liste der Städte, die diesem globalen Aufruf für Strassenparties folgen werden, ist noch nicht komplett, aber wird sicher Birmingham, London, Sydney und Lyon umfassen. Die Bestätigungen für etwa zehn weitere Städte stehen noch aus.

  • Es wird einen "No Trade Day" in mehreren Städten der USA geben, wo Aktivisten den Warentransport per Bahn, Lastwagen und Flugzeug blockieren werden.

  • Es wird Aktionen in mehreren Städten Kanadas vom 18. bis zum 20. Mai geben, einschliesslich Informationssitzung, Demonstrationen und einigen direkten Aktionen.

  • Ein nationales Treffen von Bäuerinnen und Bauern in Peru wird vom 18. bis zum 20. Mai gehen und sieht auch Proteste gegen die WTO im Programm vor.

  • Die schwarzen Gemeinschaften von Kolumbien organisieren eine nationale Aktion am 18. zusammen mit Gewerkschaften und indigenen Menschen.

Dies sind nur die Aktionen, über die wir sicher sind. Weitere Aktionen werden der Liste in den nächsten Wochen hinzugefügt.


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