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VIKTOR GIACOBBO: DIE SATIRE LEBT

Oftmals totgesagt, bringt die pulsierende Schweizer Kabarettszene immer wieder radikale und erfolgreiche Künstler hervor.

Hür einmal hier ein Beitrag in eigener Sache. Oder vielmehr in eigener Branche. Ich möchte auf einen Kabarettisten aufmerksam machen, dem bisher Salzburger Stier und Prix Walo versagt geblieben waren. Bei seinem Publikum beliebt, füllt er als Politsatiriker nicht nur Kellertheater, sondern grosse Säle, obwohl seine ätzende Gesellschaftskritik einiges an intellektuellem Durchblick erfordert. Unter dem Künstlernamen "Christoph Blocher" reisst er in der perfekten Maske eines demagogischen Nationalrats und Multimillionärs sein ergebenes Publikum zu Begeisterungsstürmen hin. Im Kostüm des Megaspiessers, grauer Anzug und Suva-Brille, parodiert er - mit grossem Können und vor allem gespenstisch realitätsnah - den bornierten Klischeeschweizer und dessen selbstzufriedenes Geschichtsverständnis.

Wie immer, wenn ein innovativer Künstler daherkommt, mit dem Mittel der Parodie Freund- und Feindbild durcheinander bringt und damit noch bei einem breiten Publikum Erfolg hat, fällt er bei der professionellen Kritik durch. Schade, denn gerade in der behäbigen Schweizer Kabarettszene sorgt dieser "Blocher" sowohl für eine inhaltliche wie formale Aufmischung. In seinem jüngsten lampenfüllenden Programm "Die Schweiz und der Eizenstat-Bericht", das sein Tourneeveranstalter mit dem programmatischen Namen "Junge Zukunft Schweiz" vor allem für ein minderbemitteltes Rentnerpublikum organisiert, spielt er derart präzis den Ugly Swiss, dass selbst seine Berufskollegen Gänsehaut kriegen.

In der geschmacklich gehobenen Satire ist bekanntlich jenes berühmte Lachen das wertvollste, das gar nicht erst hochkommt, sondern im Halse stecken bleibt. Die Kunstfigur "Blocher" beherrscht die unglaubliche Fertigkeit, einem ebendieses Lachen bereits an der Gürtellinie dingfest zu machen. Vor allem dann, wenn er den reaktionären Hobbyhistoriker persifliert, der Linksintellektuelle wie Adolf Muschg mittels selbst zusammengestoppelter Zitate als Nazikollaborateure hinstellt.

Spätestens hier werfen ihm einige Kritiker nicht zu Unrecht vor, seine "Blocher"-Figur zu überzeichnen, da kein noch so populistischer echter Politiker auf eine dermassen dumme Schlussfolgerung käme. Ein weiterer Wermutstropfen im ansonsten hervorragenden "Eizenstat"-Soloprogramm ist der noch aus überkommenen 68er Zeiten stammende Antiamerikanismus. Hier ist "Blocher" leider noch in altlinken Agitprop-Denkschemen festgefahren.

Trotzdem ist er ein Lichtblick in der Schweizer Satireszene. Obschon bereits mehrmals mit köstlichen Sketchen in der "Arena" aufgetreten, haben unsere TV-Gewaltigen einmal mehr nicht den Mut, einem Kabarettisten wie "Blocher", der die rechtsnationalen Hetzer schonungslos blossstellt, eine eigene Satiresendung zu geben. Dies dürfte bereits an der Unabhängigen Beschwerdeinstanz (UBI) scheitern, die bekanntlich eine "sachgerechte Satire" fordert. So bleibt denn "Blocher" als Mahner all jenen erhalten, die sich während seiner Theaterdarbietungen schaudernd fragen, wie peinlich es für unser Land wäre, wenn ein derartig dumpfer Politiker tatsächlich existieren würde.


Aus: Viktor Giacobbo: Spargel der Vergeltung, Zürich 1998 (Der Text untersteht nicht der Creative Commons Lizenz).


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 © 1997, 2017 Copyright beim Verein KulturZentrum Bremgarten KuZeB some rights reserved (Creative Commons BY-SA). Geändert am 31. Mai 2009. Erstellt von Kire.