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"Der Faschismus kann nur mit Aufklärung überwunden werden"
Mathias Mäder beleuchtet rechtsradikale Szene im Aargau und im Freiamt

Im Jubiläumsjahr "200 Jahre Helvetik und 150 Jahre Bundesstaat" schrieb das Didaktikum für Oberstufenlehrkräfte in Aarau einen Geschichtswettbewerb für Jugendliche aus. Einer der Preisträger kommt aus Villmergen. Mathias Mäder, 20, Typograph-Lehrling im vierten Lehrjahr im Effingerhof in Brugg, der zugleich die Berufsmaturaklasse besucht, wählte für die Abschlussarbeit im Fach Geschichte das Thema "Faschismus im Aargau" und gewann damit einen der fünf Hauptpreise.

Das Thema Faschismus brannte Mathias Mäder schon lange unter den Nägeln. "Der Rechtsradikalismus wird verniedlicht oder sogar verheimlicht. Nur aber wenn wir die Hintergründe aufdecken und öffentlich darüber sprechen, besteht die Chance, dass wir ihn überhaupt überwinden können", sagt Mathias Mäder.

Wochenlang sammelte Mathias Mäder zuerst das historische Material. Dann setzte er sich zwei lange Tage an den Computer und stellte den Text zusammen. In der Lesothek des Kulturzentrums Bremgarten (Kuzeb) stiess er auf brisante Aktenstücke, die eindeutig darauf hinweisen, dass es die rechtsradikale Szene auch im Freiamt gibt. So tauchte im letzten Jahr die Neue Hitlerjugend auf, deren Organisationsgrad aber weitgehend im dunkeln blieb. Mitglieder von ihr bedrohten Jugendliche mit Briefen. Einer der Briefumschläge der Neuen Hitlerjugend lag Mathias Mäder zum Abdruck in seiner Arbeit vor. Auf dem Land fehle weitgehend das notwendige Verständnis, dass mensch sich gegen die rechtsradikale Szene wehren müsse, folgert Mathias Mäder. Um so leichteres Spiel hätten daher diese Kreise bei der Rekrutierung ihres Nachwuchses.

Minutiös listete Mathias Mäder die Übergriffe der Rechtsradikalen im Freiamt und im Kanton Aargau auf. Sie galten vielfach den Wohnheimen von Asylbewerbern, aber auch missliebigen Gegnern. Mathias Mäder beschränkte sich bei seinen Recherchen nicht nur auf die vorhandenen Berichte antifaschistischer Organisationen oder auf Zeitungsberichte, sondern konnte sich auch mit zwei ehemaligen Rechtsradikalen aus der Skinheads-Szene unterhalten und ihre Beweggründe für ihre Tätigkeit erfahren. Dabei stellt Mathias Mäder klar, dass die Skinheads-Szene verschiedene Färbungen kennt und nicht jeder Skinhead im vornherein ein Faschist sein muss. Unter ihnen gebe es auch parteipolitisch links orientierte Mitglieder, sagt Mathias Mäder.

Evident ist in rechtsradikalen Kreisen, dass es schwer ist für Aussenstehende, Näheres über sie zu erfahren. Der Gruppenzwang bei den Rechtsradikalen ist so stark, dass sich ihre Mitglieder wohl nur in seltenen Ausnahmefällen gegenüber der Öffentlichkeit äussern dürfen. Als ein Mitglied der Hammerskins dem Fernsehen ein Interview geben wollte, verhinderten dies seine Kollegen, indem sie ihn vor laufender Kamera spitalreif schlugen.

Die Gegenbewegung gegen den Faschismus ist international angelaufen. Auch im Aargau bemüht sich eine solche Organisation um die notwendige Aufklärungsarbeit. Diese sei aber nur zu leisten, wenn jeder an seinem Ort bereit sei, den Kampf offen aufzunehmen, stellt Mathias Mäder fest.

Als Preis für seine sorgfältig zusammengestellte und gestaltete Dokumentation über den Faschismus erhielt Mathias Mäder 1500 Franken, die die Historische Gesellschaft des Kantons Aargau zur Verfügung stellte. Was macht er mit dem Geld? "Zur Seite legen", antwortet Mathias Mäder und lächelt. Nun beschäftigt ihn sowieso ein anderes Thema: die Lehrabschlussprüfungen.


Dieser Text von Jörg Baumann erschien in der Aargauer Zeitung am 15. April 1998 und untersteht nicht der Creative Commons Lizenz.
Wir hoffen, es ist uns niemand böse, dass wir den Text ohne zu Fragen hier veröffentlichen.


Der Text von Mathias Mäder kann auf der Homepage "Wehret den Anfängen" nachgelesen werden.


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 © 1997, 2017 Copyright beim Verein KulturZentrum Bremgarten KuZeB some rights reserved (Creative Commons BY-SA). Geändert am 31. Mai 2009. Erstellt von Kire.