karnikl nagt an den Wurzeln
Polit-, Kampf- und Spassblatt aus dem Rüebliland

Chronologie der faschistisch motivierten Übergriffe im Freiamt von 1996 bis 1998

Fasnacht 1996

In Sins fiel ein Jugendlicher auf, der nebst der ausgestreckten rechten Hand Parolen wie "Heil Hitler" und "Sieg Heil" brüllte. Er schlug am selben Abend einen Unbeteiligten nieder.

Winter 1996

Insgesamt wurden an zwei Jugendliche fünf Drohbriefe geschrieben, die eindeutig rechtsextremistischen Inhalt aufwiesen und die Empfänger mit dem Tod bedrohten.

Folgender Brief erhielt einer der Jugendlichen am 2. Dezember 1996 (Zitat): "Na du scheiss Punk. Findest du nicht auch, dass es an der Zeit ist normal zu denken und entlich Dein Vaterland mal zu lieben, und nicht zu hassen? Sieh es entlich ein das ein Punk (so ein eländer scheiss Punk) wie du, keine Zukunft hat. Ist Dir das etwa egal? du bist so blöd und kämpfst gegen Dein eigenes Vaterland und stehst zusätzlich für die Ausländer gerade. Kann mensch Dir noch helfen? Wir glauben nicht. Wir geben Dir einen guten Tip, gib Dir die Kugel. Du bist so oder so ein Abfallprodukt. Du würdest uns eine Arbeit abnehmen. Wenn du es nicht machst werden wir Dir mit Vergnügen den Kopf abreissen. Wir können auch deine Freundin an die Kasse bitten, und es an ihr ausprobieren. Tödliche Grüsse von der neuen Hitlerjugend."

In einem zweiten Brief erscheint ein Zitat von Robert Rey (1942): "Weshalb es Juden und Bakterien und Läuse und Flöhe und Ungeziefer gibt? Ich weiss es auch nicht. Juda wird und muss vernichtet werden, das ist unser heilige Glaube."

Schuljahr 1996/1997

Während dem Schuljahr 1996/1997 traten im Oberstufenschulhaus Bachmatten in Muri permanent Schüler in Bomberjacken und Springerstiefeln auf. Ihre rechtsextreme Gesinnung kam in Gesprächen, durch Aufnäher und durch das Rufen faschistischer Parolen zum Vorschein. Die Schulpflege setzte sich mit den benannten Personen unter vier Augen und in elterlicher Begleitung mit dem Thema auseinander und kam zum Schluss, dass diese Schüler von älteren, nicht mehr dem Schulgesetz unterstehenden Personen unterstützt würden. Ebenfalls käme der grösste Teil der rechtsextremen Jugendlichen aus diesem Altersbereich, daher sollte der Justitzapparat eingesetzt werden (Aargauer Zeitung, 5.3.1997).

1996

Über eine längere Zeitspanne im Jahr 1996 trafen sich regelmässig Jugendliche und ältere Personen im Trainingscenter Muri. Sie trugen Bomberjacken und hatten einen kahlgeschorenen Kopf, sie kamen aus weiter weg liegenden Gebieten. Diese Gruppe bestand aus ungefähr 20 Personen.

Ebenfalls ist das Bahnhöfli Pub in Boswil ein regelmässiger Treffpunkt der Neonazis, jedoch von solchen aus der Region.

Frühling 1997

Im Morat (Moor bei Bünzen) platzten vier bekannte Rechtsextreme in einen Kreis Jugendlicher und zerstörten das Radio.

Sommer 1997

Während der Sommerferien schlugen zwei Jugendliche an der Reuss ihre Zelte auf. Während sie schliefen, wurden ihre Zelte niedergerissen uns sie selbst mit Fusstritten verprügelt. Da die Opfer die rechtsextremen Täter schon früher am Abend gesehen hatten und sie auch erkannten, hat auch diese Tat eindeutig neo-nazistische Hintergründe. Es wurde Anzeige erstattet.

6. Dezember 1997

Fünf Punx, die sich beim Bahnhof Boswil aufhielten, wurden von ungefähr 20 Besuchern des Bahnhöfli Pubs verfolgt und beschimpft.

Februar 1998

Nach mehreren Drohungen und Beschimpfungen wurde in Lenzburg an der Berufsschule ein Jugendlicher von 6 Neonazis tätlich angegriffen und ins Gesicht geschlagen.

Fasnacht 1998

Insgesamt wurden zwei Jugendliche von Neonazis ins Gesicht geschlagen, darauf ereigneten sich kleine Rangeleien.

April 1998

Am Mühlauer Dorffest wurde ein Jugendlicher von bekannten Neonazis angepöbelt. Die zu siebt auftretenden Neonazis liessen es aber nicht bei Worten bleiben und traten das Opfer mit den Stiefeln in die Rippen. Anschliessend wurde er noch mehrmals ins Gesicht geschlagen.

9. Mai 1998

Im schon erwähnten Morat kam es an jenem Samstag zu gewalttätigen Übergriffen auf eine Gruppe von neun Personen, die um ein Feuer sass. Von ungefähr 15 Personen (12 im Hintergrund) pöbelten drei Neonazis die Gruppe an, die Pöbelei dauerte ungefähr 2 Stunden.

Während dieser Zeit wurde ein fremdländisch aussehender Jugendlicher mehrere Male ins Gesicht geschlagen und getreten. Diverse Gegenstände wurden ins Feuer geworfen. Bemerkungen wie "Hörst du Radio Auschwitz?" mit dem Daumen auf dem Feuerzeug zeigten nur allzugut die faschistische Gesinnung dieser Jugendlichen. Einer der Angegriffenen konnte unbemerkt wegschleichen und benachrichtigte die Polizei, die erst auftauchte, als die stark betrunkenen Angreifer das Gelände bereits wieder verlassen hatten. Bekannte Personen der Jungwacht Muri, die ebenfalls zur selben Zeit im Morat waren, dementierten einen Zusammenhang mit der Gruppe der Neonazis und distanzierten sich von diesem Vorfall.

Es wurde Anzeige erstattet. Die Polizei führte daraufhin eine Hausdurchsuchung bei einem Neonazi durch - erfolglos. Der Fall ist jetzt abgeschlossen und gärt auf dem Bezirksamt.

16. Mai 1998

Ungefähr 10 Jugendliche richteten sich an der Reuss schon am frühen Abend um ein Feuer ein. Einer von ihnen war ein Kroate, der dann auch als erster von drei Neonazis, die um ca. 23 Uhr auftauchten, beschimpft wurde. Etwa eine halbe Stunde nachdem die drei das Gelände wieder verlassen hatten, kamen sie zusammen mit ca. 15 Gleichgesinnten zurück und umzingelten ihre Opfer. Mit Ketten, Stöcken und einem Hund griffen die Neonazis, begleitet von "Heil Hitler"-Rufen, die Gruppe an. "Es war wie im Film, ich dachte es ist aus, vor allem als ich den Hund sah", erzählte eine Betroffene. Insgesamt wurde eine Person mit einer Kette geschlagen, eine andere bekam einen Fusstritt ins Gesicht und es erfolgten mehrere Stockschläge. Die Folgen waren eine Hirnerschütterung, ein gestauchter Finger und ein demoliertes Auto. Fliehende Jugendliche konnten die Polizei alarmieren, die dann jedoch erst auftauchte, als die Täter bereits wieder verschwunden waren. Wie sich später herausstellte, unternahm die Polizei auch im Nachhinein nicht viel, um den Fall aufzuklären, die Opfer wurden zum Teil sogar noch für den Vorfall verantwortlich gemacht. Ebenfalls erhielten die Opfer nach dem Vorfall verschiedene Drohungen, die im Falle einer Anzeige wahrgemacht würden.

Noch am selben Abend konnte mensch vor einem Haus, das viele Ausländern beherbergt, verschiedene rassistische und nazistische Parolen wahrnehmen. Ebenfalls wurde wenige Tage davor in Cham von den selben Neonazis ein Farbiger spitalreif geschlagen.

In der Umgebung von Sins scheinen die faschistischen und neonazistischen Gruppen gut organisiert zu sein, und die Gewaltbereitschaft kann ebenfalls als sehr hoch eingestuft werden (nach einer Aussage eines Neonazis könnten sie ihre Politik nur mit Gewalt durchsetzen). Der Notarzt, der die Oper vom 16. Mai behandelte, berichtete, dass die Neonazis genau wüssten, wo und wie hart sie zuschlagen müssten, damit es eine Verletzung zur Folge hat.

23. Mai 1998

Ein den rechtsextremen Gruppen bekannter Jugendlicher wurde an diesem Tag während der Arbeit in einem Warenhaus von drei Neonazis aufgesucht und beschimpft.

1. Juni 1998

Drei Neonazis, begleitet von zwei Frauen, suchten das Jugendhaus in Muri auf. Es schien als suchten sie etwas, sie verliessen das Gelände jedoch bald wieder.

5./7. Juni 1998

Je ein Punk wurde von einem weissen Auto, dessen Insassen teilweise erkannt wurden, verfolgt. Es handelte sich dabei um die selben Personen, die schon im Morat und im Jugi Muri waren.

20. Juni 1998

Beim Schützenhaus in Bünzen wurden zwei Postenläufer (im Alter von 14 und 16 Jahren) der Pfadi Zürich von einem mit Bomberjacke und Springerstiefel bekleideten Jugendlichen mit einem Stock verprügelt. Die Opfer vernahmen vom Begleiter des Schlägers während der Tat die Worte: "Hör auf Göring." Die Kantonspolizei hat keine Anhaltspunkte.

4. Juli 1998

Ein Jugendlicher wurde vor dem Haus eines bekannten Neonazis in Boswil angehalten und ins Gesicht geschlagen.

Ende Juli 1998

Ein Punk wurde von einem Neonazi auf der Strasse angesprochen. Der Neonazi meinte nur provozierend (ungefährer Wortlaut): "Kommt doch mal am Freitagabend ins Pub (in Boswil), dann ist immer viel los..."

© A.L.F., Antifaschistische Liga Freiamt

Diese Chronologie ist eine Zusammenfassung von Berichten, Gedächtnisprotokollen und Erfahrungen. Die geschilderten Vergehen, welche deutlich rechtsextrem motiviert sind, müssen verhindert werden. Dazu müssen sie aber die Aufmerksamkeit von allen erlangen, damit es den Neonazis schwerer fällt, ihre Ideologie zu vertreten und mit Gewalt durchzusetzen.

Weitere Infos und die Chronologie sind erhältlich bei der Antifaschistischen Liga Freiamt, Postfach 17, 5630 Muri AG (bitte frankierten und adressierten Umschlag beilegen).


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