karnikl nagt an den Wurzeln
Polit-, Kampf- und Spassblatt aus dem Rüebliland

Holocaustleugner-Prozess in Baden
Unbedingt für Jürgen Graf und Gerhard Förster

Die beiden Holocaustleugner Jürgen Graf und der inzwischen verstorbene Gerhard Förster wurden in Baden vom Bezirksgericht wegen Rassendiskriminierung zu 15 beziehungsweise 12 Monaten Gefängnis unbedingt verurteilt. Vor allem am ersten Prozesstag gab es einen Grossaufmarsch der rechtsextremen Szene. Beinahe alles, was Rang und Namen hat, war dabei vertreten.

Am 17. und am 21. Juli fand im Badener Bezirksgericht unter grosser Medienpräsenz (die Antifa war wieder einmal am Ausschlafen...) der längst überfällige und lange Zeit verschleppte Prozess gegen die beiden Holocaust- und Auschwitzleugner Jürgen Graf und den inzwischen im Alter von 78 Jahren (siehe auch Rubrik "Kurznachrichten") verstorbenen Gerhard Förster statt. Der Buchautor Graf wurde vom Bezirksgericht Baden zu einer Gefängnisstrafe von 15 Monaten und Förster als Verleger und Inhaber des revisionistischen "Neue Visionen" Verlags zu 12 Monaten unbedingt verurteilt. Zudem müssen die beiden eine Busse von je 8000 Franken bezahlen und aus dem Verkauf der Bücher müssen Förster 45000 Franken und Graf 10000 Franken abliefern. Die beiden Rechtsextremen haben unmittelbar nach dem Urteil Rekurs eingelegt, so, dass die Gefängnisstrafen vorläufig nicht rechtskräftig sind und es wohl wieder ein- bis zwei Jahre dauern wird, bis es am Aargauer Obergericht, der nächst höheren Instanz, erneut zu einer Verhandlung kommen wird.

Jürgen Graf, unterdessen arbeitsloser Lehrer, aus Basel und der verstorbene Gerhard Förster, Verleger aus Würenlos AG, wurden beide wegen dem Verstoss gegen das seit 1995 geltende Antirassismusgesetz, Artikel 261 im Strafgesetzbuch, für die Veröffentlichung und den Vertrieb von antisemitischen Büchern wie "Verdammter Antisemitismus" oder "Todesursache Zeitgeschichtenforschung" verurteilt. Es ist die bisher höchste Strafe in der Schweiz wegen Rassendiskriminierung. Obwohl beide nicht vorbestraft waren, sah das Gericht von einer Gefängnisstrafe auf Bewährung ab, da sie keinerlei Einsicht zeigten und an ihren menschenverachtenden und verleumderischen Positionen festhielten.

Crème de la Crème anwesend

Bedenklich war vor allem am ersten Prozesstag die starke Präsenz von zahlreichen Rechtsextremen aus den unterschiedlichsten Spektren. Unter den ProzessbeobachterInnen befanden sich nebst einigen Hammer- und Nazi-Skins auch Mario Rigoni von der "Nationalen Initiative Schweiz", der Lausanner Altnazi Gaston Armand Amaudruz, der ehemalige Bundeshausjournalist und "Avalon"- Mitglied Ahmed Huber sowie Roger Wüthrich, ehemaliger Präsident der "Wiking Jugend Schweiz" (der heute ebenfalls im "Avalon-Kreis" aktiv ist). Teilweise waren sogar internationale Grössen der RevisionistInnen-Szene anwesend. So waren beispielsweise der Österreicher Wolfgang Fröhlich und der wohl international bekannteste Holocaustleugner überhaupt, der Franzose Robert Faurisson, sowie Prozessbeobachter aus Saudi-Arabien und Jordanien (!) extra für die Verhandlung aus dem Ausland angereist. Beunruhigend ist, wie gut die rechtsextreme Szene untereinander verknüpft ist. Da waren der kahlköpfige Schlägertyp, der intellektuelle, smarte Möchtegernnachwuchsführer sowie der greise, verkalkte Altnazi friedlich beieinander vereint. Während und im Vorfeld des Prozesses wurde versucht, die Gerichtspräsidentin Andrea Stäuble massiv einzuschüchtern, um so auf das Urteil Einfluss zu nehmen. Auch vor dem Gerichtsgebäude markierten die Faschos Präsenz. Leute wurden angepöbelt, verdächtige ProzessbesucherInnen fotografiert, etc..

Am ersten Prozesstag trat kurzfristig noch der österreichische Diplomingenieur Wolfgang Fröhlich, ebenfalls ein einschlägig bekannter Holocaustleugner, als "Entlastungszeuge" auf. Er untermauerte Grafs Darstellung, dass die Gaskammern nie existiert hätten, mittels pseudo-wissenschaftlichen Behauptungen und Rechnereien, was ihm letztendlich ebenfalls eine Anzeige wegen Verstosses gegen das Antirassismusgesetzes einbrachte. Jürgen Graf selber sprach während dem ganzen Prozess nur Hochdeutsch ("da im Saal viele Freunde anwesend sind, die keinen Dialekt verstehen"). Er leugnete weiterhin die Existenz der Gaskammern und meinte so beispielsweise: "Wenn die Deutschen mehr Zyklon B zur Verfügung gehabt hätten, hätte es weniger Tote gegeben. Es dient nämlich zur Vergasung von Läusen, und ebendiese haben in den Arbeitslagern Fleckfieber-Seuchen ausgelöst, welche viele Tote forderten." Gerhard Förster seinerseits versuchte während des Prozesses seine Rolle herunterzuspielen und betonte mehrmals dass er "nur" Geschäftsführer des "Neue Visionen" Verlagss und nicht Verleger sei. Ihm ginge es lediglich darum, dass die Öffentlichkeit endlich die "richtigen" Zahlen der in den KZ's Ermordeten erfahre. Das Gericht nahm ihm dies aber nicht ab und qualifizierte ihn als Mittäter, da er Graf jeweils die Aufträge für die Bücher erteilte, für die Titel verantwortlich war und auch die Vorwörter schrieb.

Revisionismus als Propagandawaffe der Nazis

Wieso wird die Existenz von Gaskammern und die systematische Vernichtung von mindestens 6 Millionen Menschen durch das NS-Regime so vehement in Frage gestellt und bestritten? Was verfolgen die RevisionistInnen mit der Holocaust- und der Auschwitzleugnung?

Mit der Verleumdung und Infragestellung der Existenz von Gaskammern wird versucht, nationalsozialistisches Gedankengut wieder salonfähig zu machen und die NS-Ideologie reinzuwaschen.

Unter Revisionismus werden alle Bemühung verstanden, Geschichte im Sinne einer Verharmlosung, Beschönigung und Entkriminalisierung des NS-Regimes umzuschreiben oder durch die Aufrechnung mit alliierten und kommunistischen Grausamkeiten den Nationalsozialismus zu verharmlosen. Es geht den Revisionisten auch nicht nur um die KZ's und die Gaskammern. Mit Behauptungen und Aussagen wie "Hitler hat von allem nichts gewusst", "die Deutschen haben den Zweiten Weltkrieg nicht begonnen", "Hitler war gezwungen Russland anzugreifen", "die Wehrmacht hat einen sauberen und heldenhaften Krieg geführt" wird auch auf anderen Ebenen versucht, das NS-Regime reinzuwaschen.

Gerade diese Aufrechnung verschiedener Verbrechen gegen die Menschlichkeit wird vielfach auch von rechtsbürgerlichen AutorInnen betrieben, was natürlich von Nazis für die eigenen Zwecke dementsprechend instrumentalisiert wird. Solches Handeln ist letztendlich absolut verantwortungslos und bringt die Nazis ein Schritt näher zurück an die Macht! Schon kurz nach dem 2. Weltkrieg sind vor allem in den USA erste revisionistische Schriften aufgetaucht. Während Jahrzehnten wurden solche Schriften nicht ernst genommen und belächelt. Erst in den letzten Jahren, als der Einfluss der RevisionistInnen immer mehr wuchs, hat eine entsprechende Auseinandersetzung stattgefunden. Vielleicht wird den RevisionistInnen mehr Aufmerksamkeit geschenkt als sie überhaupt verdient haben. Aber trotzdem ist eine Auseinandersetzung unausweichlich, nur schon aus Respekt vor den Millionen von Opfern des Faschismus.

Der Holocaust, Gaskammern und Verschwörungstheorien

Während der Nürnberger-Prozesse nach dem Zweiten Weltkrieg und in nachfolgenden Prozessen gegen NS-VerbrecherInnen wurde von den Angeklagten nie die Behauptung erhoben, dass es Gaskammern nicht gegeben hätte. Meistens versuchten zwar die angeklagten Nazis die eigene Rolle beim Holocaust herunterzuspielen ("ich habe nur Befehle ausgeführt") und zu beschönigen, aber niemals ist von den Tausenden von Angeklagten die systematische Ermordung von Millionen von Menschen in Frage gestellt worden! Die Nazis sind sich der Tatsache sehr wohl bewusst, dass ihnen vor allem das Stigma der Konzentrationslager wie Auschwitz, Dachau, Treblinka und vieler mehr, den Weg zurück an die Macht versperrt. Deshalb wollen sie mit allen Mitteln die NS-Verbrechen aus den Köpfen der Menschen löschen, und wenn ihnen dies nicht gelingt, diese zumindest verharmlosen und herunterspielen.

Die Nazis behaupten, dass eine riesige Weltverschwörung (natürlich ausgehend von den Juden in den USA) alles erfunden habe, um Hitler und sein NS-Regime für immer zu diskreditieren. Gerade mittels solcher Verschwörungstheorien gelingt es den Nazis tatsächlich, relativ viele Menschen zu erreichen. Gerade aus diesem Grund sind Verschwörungstheorien immer faschistoid, auch wenn sie von irgendwelchen durchgeknallten EsoterikerInnen, den "Black Panthers" und von "linken" AntikapitalistInnen kommen. Verschwörungstheorien - auch wenn sie sich explizit nicht gegen Juden richten - arbeiten immer den Nazis zu! Denn vom bösen Kapitalisten und Spekulanten, der im Hintergrund alle Zügel fest in der Hand hat, zur "Weltverschwörung des Judentums" ist es eigentlich nur noch ein sehr kleiner Schritt. Verschwörungstheorien sind immer totalitär und antiaufklärerisch - auch wenn sie von links kommen - und deshalb mit allen Mitteln zu bekämpfen.

Antifa Aarau


Jürgen Graf

Der 47jährige Basler Jürgen Graf ist (oder war) neben seiner Tätigkeit als "Autor" hauptberuflich als Lehrer tätig. Er gilt als Sprachgenie und sorgte das erste Mal für Aufsehen, als er Mitte der 80er Jahre auf dem als Asyl-Empfangsstelle dienenden Rheinschiff "Basilea" sechs Monate als Betreuer gearbeitet hatte und danach ein Buch unter dem Titel "Das Narrenschiff" veröffentlichte, in dem er die zu lasche Asylpolitik der Schweiz kritisierte. Daraufhin nahm der Schweizer Holocaustleugner Arthur Vogt mit Graf Kontakt auf. Ende 92 veröffentlichte Graf im Eigenverlag sein erstes revisionistisches Buch mit dem Titel "Der Holocaust auf dem Prüfstand".

Die Publikation dieses Buches kostete ihn damals seine Stelle an der Sekundarschule in Therwil, wo er Latein und Französisch unterrichtete. Im Sommer 94 schloss sich Graf mit den drei Revisionisten Vogt, Andreas Studer und Bernhard Schaub zur "Arbeitsgemeinschaft zur Enttabuisierung der Zeitgeschichte" (AEZ) zusammen. Die AEZ gab unter anderem regelmässig die rechtsextreme Zeitschrift "Aurora" heraus. Nach seiner Verurteilung durch das Bezirksgericht Baden wurde Graf von seinem Arbeitergeber, der Sprachschule "Orsini" in Basel, fristlos entlassen. Er unterrichtete übrigens bei dieser Privatschule Deutsch für MigrantInnen!

Graf hat sich inzwischen auch international einen Namen gemacht und ist in der RevisionistInnen-Szene eine anerkannte Kapazität. Er nimmt regelmässig an Kongressen teil und seine Schriften werden von Schweden, den USA und Kanada aus in verschiedenen Sprachen auf dem Internet verbreitet. Momentan arbeitet er an einem Werk über das KZ Majdanek und seinen Eigenverlag hat er inzwischen nach Belgien verlegt, wo die Antirassismus-Strafnorm um einiges liberaler angewandt wird.

Gerhard Förster

Der in Deutschland geborene, ehemalige Elektroingenieur Gerhard Förster kam im Jahre 1967 in die Schweiz und wurde 1981 in Würenlingen eingebürgert. Der frühere Panzerkommandant der Deutschen Wehrmacht gründete 1994 im aargauischen Würenlos den Verlag "Neue Visionen GmbH", welcher sich auf rechtsextreme Literatur spezialisierte und wo auch Jürgen Grafs Bücher veröffentlicht wurden. Am 24. September 98 ist Gerhard Förster im Alter von 78 Jahren verstorben.


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