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Polit-, Kampf- und Spassblatt aus dem Rüebliland

Nordirland - 800 Jahre Kolonie

Was ist das für ein Krieg, der in dem kleinen Nordirland tobt? Ein Religionskrieg? Ein Bürgerkrieg? Oder ein Law-and-Order Problem, wie die Londoner Regierung behauptet? Warum ist ein Ire schuld, dass die Engländer die Insel besetzten?

Mit dem Feldzug Heinrichs ll von England in den Jahren 1171/72 verlor Irland seine Eigenständigkeit. Während sich der Süden 1949 durch die Ausrufung der Republik definitiv aus dem britischen Herrschaftsbereich löst und ein eigenständiger Staat wird, bleiben die sechs Grafschaften im Norden - jeweils entsprechend der aktuellen politischen Situation - der direkten oder indirekten Verwaltung Londons unterstellt.

Warum kamen die Engländer nach Irland? - Die anglo-normannische Invasion

Diarmit Mac Murrough, König von Leinster, wurde im Jahre 1166 vom irischen Hochkönig Ruaidri O'Connor aus dem Lande verwiesen, da er ihm seinen Thron streitig machte. Jede der vier Provinzen (Ulster, Munster, Leinster und Connaught) wurde von einem König regiert . Aus ihrer Mitte stammte ein Hochkönig, also ein König der Könige. Ruaidri O'Connor war Hochkönig und gleichzeitig König von Connaught. Die Schmach der Landesverweisung wollte Diarmit Mac Murrough nicht auf sich sitzen lassen und nützte seine engen Beziehungen nach England und Wales. Beziehungen, die traditionellerweise, bedingt schon durch die geographische Nähe, seit längerer Zeit bestanden. Bereits ein Jahr zuvor baten beispielsweise Gefolgsleute des englischen Königs Heinrich II um den Einsatz der Dubliner Flotte gegen aufständische walisische Grundherren.

Diarmit wandte sich in seiner Suche um Hilfe an seinen Freund Robert Fitz Harding in Bristol. Dieser überreichte ihm ein Empfehlungsschreiben, welches ihm beim englischen König Heinrich II eine Audienz verschaffte und die erhoffte Hilfe erreichen liess: Es wurde ihm erlaubt, überall dort Hilfstruppen im Herrschaftsgebiet Heinrichs II anzuwerben, wo dies ihm zweckmässig erschien. Allerdings zu einem hohen Preis: Diarmit, rechtmässiger König der irischen Provinz Leinster, musste sich im Falle eines erfolgreichen Feldzuges verpflichten, die Oberhoheit des englischen Königs anzuerkennen, wurde also zum Lehnsherren und Vasallen Heinrichs II. Da Diarmit nebst seinem Reich auch den Thron des Hochkönigs erobern wollte, würde er im Falle eines Sieges die irische Krone aus den Händen des englischen Königs erhalten. Mit diesem Vertrag war der Grundstein für die Unterjochung der irischen Bevölkerung durch die englische Krone gelegt.

Zu Beginn hatte Diarmit Mühe, ein Heer für die Rückeroberung Leinsters aufzustellen. Es dauerte mehre Monate, bis er mit der Person Richard Fitz Gilberts, Earl of Pembroke, der aufgrund seiner Leistungen im Bogenschiessen "Strongbow" genannt wurde, den geeigneten Partner gefunden hatte. Für seinen Einsatz versprach ihm Diarmit die Hand seiner Tochter sowie die Krone Leinsters nach seinem Tode (Diarmit war über 60 Jahre alt). Strongbow verfügte über sehr gute Beziehungen. Nach dessen Hilfszusage gab es keine Schwierigkeiten mehr, Freiwillige für die Rückeroberung zu finden.

Im August 1167, ein Jahr nach seiner Vertreibung, betrat Diarmit bei Waterford im Süden Leinsters an der Spitze seiner Getreuen und eines kleinen walisisch-flämischen Söldnerheeres wieder irischen Boden. Im selben Monat wurde die Stellung Ruaidri O'Connors von Connaught als irischer Hochkönig ernsthaft durch den König von Munster bedroht. So konnte er sich nur am Rande mit den politischen Ereignissen in Leinster beschäftigen. Dies erlaubte Diarmit, seine Macht zu festigen. Im Winter 1167/68 und Herbst 1169 kam es zu zwei Schlachten, welche Ruaidri beide für sich entscheiden konnte. Doch der König von Leinster gab sich nicht geschlagen. Er verbündete sich mit dem König von Munster - wie oben erwähnt ebenfalls ein Feind des Hochkönigs. Diesen beiden gelang es nun nach Jahren der Niederlagen, den irischen Hochkönig zu schlagen. Diarmit sah durch diesen Sieg die geeignete Voraussetzung für den Ausbau seiner Macht gekommen. Er forderte in Wales bei Strongbow Verstärkung an. Dieser teilte die Ansicht Diarmits, dass nun der Zeitpunkt für ein direktes Eingreifen gekommen sei. Er schickte im Mai 1170 eine noch kleine Vorhut über die Irische See, welcher er dann an der Spitze eines etwa 1'000 Mann starken Expeditionsheeres im August desselben Jahres folgte.

Die erste Invasion in Irland

Damit hatte der Kampf um die Macht in Irland eine neue Dimension erreicht. Während vorher die Auseinandersetzung zwischen Diarmit und Ruaidri noch als innerirische Angelegenheit bewertet werden konnte, an der lediglich kleinere auswärtige Söldnerheere beteiligt waren, handelte es sich bei der Landung der Armee Strongbows um eine veritable Invasion. Sie führte eine grundsätzliche Änderung der politischen Machtverhältnisse auf der Grünen Insel herbei und markierte einen der entscheidenden Wendepunkte der irischen Geschichte: den Beginn der direkten britischen, vorläufig noch anglo-normannischen, Präsenz in Irland. Nach dem Tode Diarmits erhielt Strongbow die Königswürde der irischen Provinz Leinster aus den Händen des englischen Königs Heinrich ll. 1171 belagerte der rechtmässige Hochkönig Ruaidri O'Connor in einem letzten Aufbäumen Dublin, musste sich aber wegen taktischer und strategischer Fehler zurückziehen. Nach dieser Niederlage stellten sich die irischen Provinzherrscher nahezu einhellig unter die Oberhoheit der englischen Krone. Im Jahre 1250 war die Eroberung Irlands abgeschlossen.

Tragischerweise wurden also die Engländer durch einen Iren ins Land geholt, der aus blindem Machthunger seine Position festigen und ausbauen wollte. Es scheint, dass die Bevölkerung zu Beginn nicht unter den neuen Machthabern litt: Der erste irische Volksaufstand datiert von 1579, 300 Jahre nach dem Abschluss der Eroberung Irlands. Für die Einwohnerlnnen hatte wohl lediglich ein Feudalsystem das andere abgelöst.

Warum ist die Insel in zwei Teile getrennt?

In Ulster, also jener Provinz, die zum grössten Teil das Gebiet umfasst, welches wir heute Nordirland nennen, liessen sich bis zum 16. Jahrhundert nur wenige Menschen anglo-normannischer Herkunft nieder. Dies hatte eine starke Durchmischung mit keltisch-irischen Kultureinflüssen und die Ausbildung neuer Loyalitätsverhältnisse zugunsten alteingesessener Familien zu Folge. Ebenso blieben die traditionellen keltisch-irischen Siedlungsstrukturen erhalten: weit verstreute einzelne Häuser oder kleine Dörfer, jedoch keine eigentliche Zentrumsbildung. Diese zwei Aspekte hatten zur Folge, dass sich Ulster von England aus nur schlecht kontrollieren liess. Dies ermöglichte unter anderem den Aufstand verbündeter Fürsten unter der Führung von Hugh O´Neil, dem Grafen von Tyrone. Der Aufstand begann 1595 und endete 1603 mit der Niederlage in der Schlacht von Kinsale. Hugh O´Neill konnte sich mit Teilen seiner Armee wieder nach Ulster zurückziehen, eine weitere Fortsetzung des Kampfes gegen England war jedoch ausgeschlossen. Nach langwierigen Verhandlungen unterzeichneten Lord Mountjoy, der englische Militärführer in Irland, und Hugh O´Neill am 30. März 1603 in der ehemaligen Zisterzienserabtei von Mellifont einen Friedensvertrag ("Frieden von Mellifont"). In diesem unterwarf sich O´Neill förmlich der englischen Herrschaft und durfte für die Aufgabe der Unabhängigkeit seinen Adelstitel und seinen Besitz behalten. Mit diesem Friedensvertrag war ein neun Jahre dauernder Krieg beigelegt worden, der mit grosser Erbitterung zwischen alteingesessenen keltirischen Landadeligen und der englischen Krone geführt worden war.

England baut seine Macht aus

Mit der Niederlage der Iren hatte sich die englische Macht in Irland definitiv etablieren können. Denn seit der ersten Invasion im späten 12. Jahrhundert war es den Engländern bis ins 16. Jahrhundert trotz grosser Anstrengungen niemals gelungen, ihren Einfluss über mehr als etwa ein Drittel der Inselfläche auszuweiten. Die Bestimmungen des Vertrags von Mellifont waren für Hugh O´Neill und seine verbündeten Fürsten durchaus nicht ungünstig gewesen, hatte mensch ihnen doch die Rückkehr auf ihre angestammten Besitztümer im nördlichen Irland - wenn auch erst nach Huldigung der Krone - gestattet. Doch lag hier auch ein Potential, aus dem sich eine erneute Widerstandsbewegung bilden konnte. Die englandtreue Dubliner Regierung war sich dieses Problems durchaus bewusst und etablierte, gestützt auf ein dichtes Netzwerk von Garnisonen mit starker Militärpräsenz, in kurzer Zeit neue administrative Strukturen nach englischem Vorbild in Ulster, die das Land in neun Grafschaften mit entsprechender institutioneller und personeller Ausrüstung einteilten. Zwar konnte O´Neill aufgrund seiner traditionellen Hausmacht bereits nach kurzer Zeit die Kontrolle über drei der neuen Verwaltungsbezirke wieder ausüben. Doch der königlich-irische Gouverneur setzte eine Kommission zur Überprüfung der politischen Verhältnisse in den nordirischen Grafschaften ein. Diese entzog dem keltisch-irischen Landadel alle politische Macht zugunsten der englischen Krone und beliess den alteingesessenen Herrschern nur noch Grund und Boden, auf dem sie künftig als politisch machtlose Grossgrundbesitzer leben durften. Das jedoch war Hugh O´Neill of Tyrone, dem letzten Führer der Aufständischen aus Ulster und knapp 100 seiner Gefolgsleute nicht genug: Am 4. September 1607 schifften sie sich bei Rathmullan am Lough Swilly ein, um auf dem Kontinent ein freiwilliges Exil anzutreten. Genau das hatten die Engländer erhofft.

Die "Flucht der Grafen"

Die Flucht des Hochadels ("Flight of Earls", Flucht der Grafen) hinterliess in Ulster nur für kurze Zeit ein politisches Machtvakuum. Die verbliebenen Bewohner der Provinz, zum grössten Teil keltisch-irischer Herkunft, hatten zwar über Nacht viele ihrer politischen Führer verloren, doch die königlichen Regierungsstellen in London und Dublin reagierten schnell. Es begann die sogenannte "Plantation" ("Bepflanzung") von Ulster: Um das Aufkeimen neuen Widerstandes rebellischer (katholischer) Nordiren gegen die Macht der Krone zu unterbinden, wurde ihr Land durch die englischen Amtstellen konfisziert und neu an "zuverlässige" (protestantische) Neusiedler aus England und Schottland verteilt. Daraus erklärt sich, weshalb Nordirland bis zum heutigen Tag zur Mehrheit protestantisch und loyalistisch (englandtreu) ist. Das Land zu konfiszieren, liess sich problemlos per Gerichtsbeschluss erreichen, denn durch ihre "Flucht", die mit Verrat gleichgesetzt wurde, hatten die Fürsten gegen die Bestimmungen des Vertrags von Mellifont verstossen. Dadurch fielen alle ihre Besitzungen automatisch unter die Kontrolle Londons. Im Frühjahr des folgenden Jahres - 1608 - bot die erfolgreiche Niederschlagung einer erneuten Rebellion eines in Ulster verbliebenen irischen Grundherren die Gelegenheit zu einer Erweiterung der Kolonisationspläne, die sich nun auf die gesamte Provinz erstreckten (und nicht "nur" auf die Ländereien des geflohenen Adels).

Die IrInnen werden in die Armut getrieben

Zwar war die Rechtsgrundlage dieser zweiten Konfiskationswelle zumindest unsicher, doch die politische Opportunität wog alle Zweifel an der Legalität des Vorgehens problemlos auf. Ohne offen gegen bestehende Gesetze verstossen haben zu müssen, verschwand in den folgenden Wochen und Monaten manch keltisch-irischer Grundherr aus Ulster für den Rest seines Lebens im Londoner Tower. In anderen Fällen wurden die Bewohner-Innen von ihrem Land vertrieben oder mensch teilte ihnen mit, dass sie ihren Besitz innert Jahresfrist zu räumen hätten. Den neuen Grundherren war es zum Teil per Gesetz verboten, irische Menschen für sich arbeiten zu lassen. Das führte in einzelnen Gegenden dazu, dass sich die Vertriebenen und ihre Familien in die umliegenden Wald- und Sumpfgebiete zurückzogen und von dort die neuen SiedlerInnen überfielen, um nicht zu verhungern. Diese waren mit der Hoffnung auf Grundbesitz und Wohlstand nach Ulster gekommen und mussten nun wie koloniale ErobererInnen leben und ständig auf bewaffnete Angriffe gefasst sein. Trotz aller Schwierigkeiten und anfänglicher Hindernisse wurde der Norden Irlands in den folgenden Jahrzehnten von einem dichten Netzwerk protestantischer Siedlungen, Dörfer und Städte überzogen, die sich nicht nur äusserlich erheblich von den irischen Pendants unterschieden. Deren BewohnerInnen brachten auch ihre eigene Kultur, Tradition und Lebensform aus der alten Heimat nach Irland. So fand also bereits im 17. Jahrhundert die Grundsteinlegung zum Krieg in Nordirland statt.

Derry oder Londonderry?

Spricht mensch heute mit NordirInnen, lässt sich leicht feststellen, ob mensch es mit einem unionistischen (für die Union mit England) oder einem nationalistischen (die Ganze Insel eine irische Nation) Gegenüber zu tun hat: UnionistInnen sprechen von Londonderry, NationalistInnen von Derry. Dieser Sprachgebrauch geht auf die Zeit der "Plantation" zurück. Nach der "Flucht der Grafen" ging Derry und sein Umland in den Besitz einer Handelsgesellschaft aus London. Um ihre Verbundenheit mit der englischen Krone zu beweisen, nannte sie die Stadt "Londonderry".

Der Osteraufstand 1916

In der Schalterhalle des Dubliner Hauptpostamtes in der O´Connell Street steht heute eine Bronzestatue. Sie stellt den legendären irischen Krieger Cú Chulainn dar und soll die Besucher an jene Tage zwischen dem 24. und 30. April des Jahres 1916 erinnern, als sich hier das Hauptquartier der radikal-nationalistischen Rebellen befand. Und es war vor dem Eingang des Gebäudes, wo der von der Führung der Irish Republican Brotherhood zum Präsidenten der ersten Irischen Republik ernannte Patrick Pearse am Ostermontag, den 24. April 1916, um 12.45 Uhr vor einigen wenigen verblüfften PassantInnen die Republik Irland ausrief. Heute wird der Osteraufstand oftmals als Symbol der Ablehnung der Union Irlands mit Grossbritanien durch das irische Volk bezeichnet.

In Tat und Wahrheit handelte es sich aber um eine ziemlich dilettantisch geplanten Umsturzversuch eines kleinen Teils der irischen RadikalnationalistInnen. Dieser Umsturzversuch war weder mit den übrigen Angehörigen der Brotherhood abgestimmt worden, noch wurde er von einer Mehrheit der irischen Bevölkerung unterstützt. Nachdem sie auf Befehl von Pearse schliesslich am 30. April nach zum Teil heftigen Gefechten mit der britischen Armee die Waffen niedergelegt hatten und unter Bewachung britischer Soldaten die Stadt verliessen, wurden die Strassen, durch die die Aufständischen geführt wurden, von Tausenden Dubliner BürgerInnen gesäumt, welche die RebellInnen beschimpften. Eigentlich hätten sie mit solchen Reaktionen rechnen müssen, denn seit Ausbruch des Ersten Weltkriegs waren in Irland viele Loyalitätsadressen an und Sympathiekundgebungen für die Londoner Regierung verabschiedet worden, bei denen es sich um mehr als blosse opportunistische Gesten, sondern in der Tat um echte Solidaritätsbezeugungen gehandelt hatte. Ende April 1916 stand die Mehrheit der irischen Bevölkerung loyal zur Union mit Grossbritanien. In dieser Zeit dienten über 80 000 katholische Iren als "National Volunteers" freiwillig in der britischen Armee, nebst 30 000 freiwilligen Protestanten aus Ulster, und hatten bereits an vielen Fronten des Kriegsgeschehens hohen Blutzoll entrichtet, so dass der Osteraufstand von den Angehörigen daheim vielfach als Verrat an der Sache empfunden wurde, für die Freund, Ehemann oder Sohn bereit war, das eigene Leben einzusetzen. Erst die brutale britische Reaktion nach der Niederlage der RebellInnen bewirkte einen Gesinnungswandel in der Bevölkerung: Viele RebellInnen wurden zum Tode oder zu langjährigen Haftstrafen verurteil, im Mai 1916 wurden 14 Todesurteile vollstreckt. Auf Druck der USA wurden jedoch die Todesurteile wieder aufgehoben, doch begannen nun im ganzen Land Säuberungsaktionen gegen Menschen, die ihre nationalirische Gesinnung offen gezeigt hatten oder lediglich Mitglied bei Sinn Féin waren. Viele Gefangenen berichteten nach ihrer Freilassung von Misshandlungen von Seiten der britischen Armee, denen sie im Gefängnis ausgesetzt waren. Binnen Wochen änderte sich also die Stimmung in der irischen Bevölkerung grundlegend. Dieser Stimmungswandel wurde zusätzlich begünstigt durch Hiobsbotschaften, die von der französichen Front nach Irland drangen. Allein am 1. Juli 1916, dem ersten Tag der Somme-Offensive, waren 2 500 irische Freiwillige gefallen - gefallen für ein Land, das sich in Irland immer mehr wie eine Besatzungsmacht aufführte.

Der Druck auf Grossbritanien wurde immer stärker: Die Antibritische Stimmung in der Bevölkerung, Anschläge der 1916 gegründeten IRA, Politischer Druck aus den USA. Da viele IrInnen in die USA auswanderten, wurden sie zu einer wichtigen politischen und wirtschaftlichen Macht in der neuen Heimat, welche auch die Möglichkeit hatten und haben, ihre jeweilige Regierung unter Druck zu setzen, damit sich diese für irische Positionen einsetzt. Eine Situation, die sich seit Beginn dieses Jahrhunderts nicht verändert hat. So verbringt Sinn Féin-Präsident Gerry Adams den 17. März (St. Patricks´Day - Irischer Nationalfeiertag) regelmässig in New York.

Der Süden wird Freistaat - Im Norden geht die Diskriminierung weiter

1918 finden in ganz Irland Wahlen statt. Da Irland noch gänzlich unter englischer Herrschaft steht, befindet sich das Parlament jedoch nicht in Dublin, sondern in London. Die RepublikanerInnen erhalten die überwältigende Mehrheit der Wähler-Innenstimmen: von 105 Sitzen entfallen 73 auf Sinn Féin, sechs auf die United Irish League (parlamentarische NationalistInnen) und 26 auf die UnionistInnen von Ulster. Die gewählten Abgeordneten von Sinn Féin bleiben bei ihrer Position des Abstentionismus (nichtteilnahme am britischen Parlament) und weigern sich, ihre Parlamentssitze in Westminster einzunehmen. Stattdessen gründen sie ihrerseits am 21. Januar 1919 ein freies Parlament, welches die Unabhängigkeit ausruft, eine Verfassung beschliesst und eine Erklärung seiner Rechte verkündet. Die britische Antwort darauf ist die Entsendung der Armee, die brutal interveniert.

"Einmal in einem Leben kann die lang ersehnte Flut der Gerechtigkeit steigen,
kann Geschichte sich auf Hoffnung reimen"

Seamus Heany, irischer Literatur-Nobelpreisträger

Bei den Wahlen im Mai 1921 wiederholen sich die Ergebnisse von 1918. Dies bringt die britische Regierung dazu, Sinn Féin ein Abkommen zu unterbreiten, in welchem Irland als Freistaat innerhalb des Empires anerkannt würde, also nicht der Republik, was mit der Teilung der Insel, der Bildung eines Separatstaates "Northern Ireland" aus sechs der neun Grafschaften von Ulster verknüpft wird. Ausserdem solle das Parlament des südirischen "Free State" einen Treueschwur auf die britische Krone leisten. An der Frage des Abkommens mit Grossbritannien spaltet sich die republikanische Bewegung, welche sich noch nicht von der Niederschlagung des Osteraufstandes hat erholen können. Im nachfolgenden Bürgerkrieg von Juni 1922 bis zum Mai 1923 unterliegt die vertragsfeindliche, republikanische Seite den von Grossbritannien unterstützten "Freistaat"-Truppen. Damit ist die Trennung der Insel besiegelt.

Zur gleichen Zeit führen die UnionistInnen im Norden Irlands eine Terrorkampagne gegen die katholische Bevölkerung. Ein Beispiel dafür ist der 10. Juli 1921, der ebenfalls unter dem Namen "Bloody Sunday" von Belfast in die Geschichte eingegangen ist (der heute noch bekanntere "Bloody Sunday" ereignete sich rund 50 Jahre später in Derry). Loyalistische Schlägertrupps stürmen katholische Viertel, die Polizei mischt sich bewusst nicht ein, 15 KatholikInnen werden getötet, 68 verletzt und 161 Häuser angezündet. Dies mit dem ausdrücklichen Ziel, die katholische Bevölkerung aus Nordirland zu vertreiben.

"One Man, One Vote" - aber nicht in Nordirland

1925 nimmt Sinn Féin an den Wahlen im Norden teil und erhält 25 Sitze, sie beteiligt sich aber nicht am Parlament (Abstentionismus). Bei späteren Wahlen erhält sie keinen Sitz, bis zu den Wahlen im Jahr 1957, bei denen sie vier Sitze gewinnt. Die geringe Anzahl der Sitze hatte jedoch nichts mit einer nicht vorhandenen Akzeptanz in der nationalistischen Bevölkerung zu tun sondern mit dem sogenannten "Gerrymandering": Das System der Wahlkreise wurde derart manipuliert, dass Gebiete mit deutlicher katholischer Mehrheit überaus gross angelegt wurden, während protestantische Wahlkreise klein gehalten wurden. Unter dem Mehrheitswahlrecht liessen sich damit eine grosse Zahl unionistischer Abgeordneter produzieren. Damit nicht genug, wurde das Wahlrecht der katholischen Bevölkerung noch weiter eingeschränkt. Nur die Familienvorstände durften wählen und als Familienvorstände galten nur HausbesitzerInnen. Bei den KatholikInnen war es aufgrund ihrer Armut (Arbeitslosigkeit Ende der sechziger Jahre: protestantische Bevölkerung 8 %, katholische Bevölkerung 25 %) jedoch weit verbreitet, dass mehrere Familien im selben Haus lebten, während dies bei ProtestantInnen selten vorkam. Ausserdem hatten auch juristischen Personen wie Unternehmen Wahlrecht, diese gehörten jedoch überwiegend ProtestantInnen. Begleitet wurde die politische Unterdrückung auch durch eine wirtschaftliche und soziale Diskriminierung: Die katholische Bevölkerung bildete die unterste Schicht der Gesellschaft und hatte wenig Möglichkeiten aufzusteigen. Sie lebte in den heruntergekommensten Vierteln, ihr standen öffentliche Einrichtungen wie Schulen oder Krankenhäuser in weit geringerem Masse zur Verfügung. Die ökonomische Diskriminierung bekamen KatholikInnen besonders auf dem Arbeitsmarkt zu spüren. Da die Unternehmen vorwiegend in protestantischer Hand waren, bekamen auch vorwiegend ProtestantInnen die Jobs ("Protestants employ Protestants"). Für KatholikInnen war es auch viel schwieriger, Sozialwohnungen oder Sozialhilfe zu empfangen. Denn in den zuständigen staatlichen (britischen) Ämtern arbeiteten vor allem ProtestantInnen, welche kein Interesse daran hatten, die "feindliche" Community zu unterstützen. Eine Unterstützung, die den Menschen vom Gesetz her jedoch zugestanden wäre.

Die IRA verliert in dieser Zeit einiges an Energie, trotz einiger Kampagnen, besonders der Kampagne 1939, einer Anschlagsserie in England: Im April 1940 sterben Tony D´Arcy und Jack McNeela während eines Hungerstreiks in südirischen Gefängnissen im Kampf um die Anerkennung als politische Gefangene. Im September desselben Jahres wird Patrick McGrant, einer der berühmtesten Kämpfer des Osteraufstandes, hingerichtet. Die Hinrichtung findet unter dem Befehl der Regierung Eamon De Valeras statt, einer der überlebenden Kommandanten des Osteraufstandes, der 1932 zum ersten irischen Premierminister gewählt wurde. Doch hatte sich De Valera schon früher von den Zielen von Sinn Féin verabschiedet und wandte sich der parlamentaristischen Realpolitik zu. Er gründete 1926 Fianna Fail, noch heute eine der massgebende Parteien Irlands. Zum Bruch kam es, weil er das von Sinn Féin und der IRA vertretene Prinzip des Abstentionismus (Nichtteilnahme am britischen Parlament) aufgab. De Valera war nun Hauptverantwortlicher der Repression gegen die republikanische Bewegung geworden.

Irland wird unabhängig

Im Jahre 1922 bestätigte das Irische Parlament (Dáil Éireann) den Vertrag zum Dominionstatus der 26 Grafschaften im Süden als Freistaat Irland innerhalb des britischen Commonwealth, was einen Abzug der britischen Truppen aus dem Südteil der Insel zur Folge hatte. Ein Jahr später, nach Beendigung des Bürgerkriegs, wurden Neuwahlen abgehalten und eine Regierung des Freistaates gebildet. Vertraglich war der Irish Free State stark an Grossbritannien gebunden und galt noch nicht als unabhängiges Land. Doch war die Aussenpolitik von vornherein von der Suche nach internationaler Anerkennung geprägt. Das erste Ziel, das nach der Verabschiedung der Staatsverfassung anvisiert wurde, war die Aufnahme in den Völkerbund. Schon am 30. September 1921 nahm in Genf ein irisches Kontaktbüro seine Arbeit auf und bereits zwei Jahre später war Irland ein vollwertiges Mitglied des Völkerbundes. Mit ähnlicher Geschwindigkeit trieb das Aussenministerium die Einrichtung einer ersten Gesandtschaft im Ausland voran, die eingedenk der besonderen iro-amerikanischen Beziehungen mit der Akkreditierung von Timothy A. Smiddy als Gesandtem am 7. Oktober 1924 in Washinton D.C. eröffnet wurde. Dabei handelte es sich um mehr als einen symbolischen Akt, denn die Unterhaltung eigener Gesandtschaften entsprach nicht der Auffassung, welche die britische Regierung über die aussenpolitischen Kompetenzen der Dominions hegte. In London war mensch bis dahin davon ausgegangen, dass die internationalen Beziehungen zum Empire, also auch die der Dominions, zu Drittstaaten von den jeweiligen britischen diplomatischen Vertretungen wahrgenommen werden würden. Die irische Regierung hatte jedoch stets das Ziel eines gänzlich unabhängigen Irlands vor Augen, welches in keiner Art und Weise mehr in den britischen Herrschaftsbereich eingebunden war. Dieses Ziel war 1949 erreicht: Der Freistaat erklärt sich zur Republik Irland ausserhalb des Commonwealth. Mindestens der Süden war endlich ein unabhängiger Staat geworden!

Die "Troubles" beginnen

Im Norden litten die katholischen BewohnerInnen weiterhin unter den Benachteiligungen und der Repression, welche ihnen von protestantischer und britischer Seite auferzwungen wurde. Sie wehrten sich auch nicht mehr dagegen wie noch zu Beginn des Jahrhunderts und versanken in eine schicksalsergebene Lethargie. Bis zum 5. Oktober 1968.

An diesem Tag organisierte die NICRA (Northern Ireland Civil Rights Association) - eine 1967 gegründete BürgerInnenrechtsbewegung - eine Demonstration in Derry, welche sich für die gleichen Rechte für alle BewohnerInnen in den sechs nördlichen Counties einsetzte. Die LoyalistInnen wählten denselben Tag und dieselbe Route für die "Feier" ihres "Apprentice-Boys-Day" (am 7. Dezember 1689 verschlossen 13 Lehrlinge - engl: Apprentice Boys - gegen den Willen der Stadtregierung die Tore Derrys vor den heranrückenden katholischen Truppen Jakob II. und leiteten so eine105 tägige Belagerung ein, welche durch die protestantischen Truppen Wilhelm III. von Oranien beendet wurde). Aus Sicherheitsgründen wurden von der Regierung beide Demonstrationen verboten. Die Demonstration der NICRA wurde trotzdem durchgeführt, doch was dann geschah, hatte niemand erwartet: Die Demo wurde eingekesselt und vor laufenden TV-Kameras niedergeknüppelt, 77 Verletzte waren die Folge. Die Welt war über diese staatlich sanktionierte Brutalität entsetzt. Die katholische Mehrheit von Derry, die zwei Jahre zuvor noch jede Aggression schulterzuckend hingenommen hätte, regte sich und begann sich zu wehren.

Im Januar 1969 organisierte People´s Democracy (PD), eine linke StudentInnenorganisation, einen BürgerInnenrechtsmarsch von Belfast nach Derry: 80 Menschen zogen los, 30 kamen an, denn immer wieder wurden sie von knüppelbewehrten ProtestantInnen und von der Polizei überfallen. In der Nacht, als der BürgerInnenrechtsmarsch in Derry ankam, stürmten gegen zwei Uhr früh zum Teil betrunkene PolizistInnen die Bogside, das republikanische Wohnviertel. Sie traten Türen ein, stürmten in die Wohnhäuser und prügelten sich blindlings durch die Wohnungen. Nach diesem Überfall entwickelte sich die BürgerInnenrechtsbewegung in Windeseile. Im April 1969 schlug ein Polizei-Kommando so heftig auf den 43 jährigen Katholiken Samuel Devenney ein, dass dieser seinen Verletzungen erlag. Devenney war das erste Opfer von mittlerweile über 5´000 seit Beginn der "Troubles", wie der Bürgerkrieg verharmlosend genannt wird.

Die britische Armee wird im Norden stationiert

Am 12. August fand in Derry der Orangistenmarsch statt (Orangisten, Oranierorden, Orange Order: 1795 während des katholisch-protestantischen Konflikts in der Frage des Grundbesitzes mit dem Ziel gegründet, die protestantische Vormachtsstellung und die enge Verbindung zu England aufrechtzuerhalten. Die Mitglieder dürfen weder katholisch sein noch katholische Angehörige haben.) Sie wählten den Weg direkt an der Bogside vorbei, dem katholischen Viertel Derrys. Die RUC (Royal Ulster Constabulary) schützte den Marsch und trieb die paar BogsiderInnen, die am Rand ihres Quartiers demonstrierten, wieder in das Viertel zurück, bis es von den Dächern der Rossville Flats Molotow-Cocktails hagelte, welche die uniformierte protestantische Prügelgarde stoppten. Seite an Seite mit den LoyalistInnen kämpfend, setzte die RUC gepanzerte Fahrzeuge und - zum ersten Mal in Irland - CS Gas ein. Während des gesamten zweiten Tages der "Schlacht um die Bogside" versuchten siebenhundert PolizistInnen, unterstützt vom loyalistischen Mob, die Bogside zu erstürmen, und schossen weiter CS-Gas in das Strassennetz des Viertels. Die Belagerung wurde Tag und Nacht fortgesetzt. Die Regierung in Dublin tagte von morgens bis abends, um die Entwicklung zu bewerten, besonders die im grenznahen Derry. Drei Kabinettsmitglieder schlugen vor, die irische Armee solle die Grenze überschreiten und Derry, Newry und andere Gebiete mit einer katholischen Bevölkerungsmehrheit einnehmen. An jenem Abend verkündete der irische Premierminister Jack Lynch im Fernsehen, dass die "irische Regierung nicht länger tatenlos zusehen kann, wie unschuldige Menschen verletzt werden, oder wenn ihnen gar noch Schlimmeres widerfährt". Die irische Armee werde an der Grenze Feldlazarette errichten. Lynch sprach sich für die Entsendung von UN-Friedenstruppen und für Gespräche aus, "davon ausgehend, dass nur die Wiedervereinigung des nationalen Territoriums zu einer dauerhaften Lösung des Problems führen kann."

Die IRA wird um Hilfe gebeten

Der Bürgerkrieg weitete sich auch auf andere Gebiete und Städte aus. In Belfast hatte sich ein loyalistischer Mob und B-Specials , mit Gewehren, Revolvern und Maschinenpistolen bewaffnet und bewegte sich auf die katholische Falls Road zu. (B-Specials: Paramilitärische Hilfstruppe, von den Briten 1920 gegründet. Sie rekrutierten sich fast ausschliesslich aus Protestanten des Oranierordens. 1970 aufgelöst.) Sie warfen Molotow-Cocktails in Häuser von KatholikInnen, prügelten auf die BewohnerInnen ein und eröffneten das Feuer. Als sie in der Falls Road die St.-Comgall-Schule angriffen, eröffnete ein IRA-Mitglied das Feuer, ein bewaffneter Loyalist wurde getötet.

Die IRA war zu der Zeit - obwohl bereits 1916 gegründet - ein kleiner, praktisch unbewaffneter Haufen und die Waffen, welche zur Verfügung standen, hatten meist musealen Charakter. Im Zuge der anhaltenden Pogrome wurde der Ruf nach einer effizienten Schutzmacht aus den katholischen Gebieten immer stärker. Im weiteren hatte jeder Übergriff der Staatsmacht zur Folge, dass sich Freiwillige in Scharen bei der IRA meldeten. Diese zwei Punkte sind es hauptsächlich, welche der IRA ihren heutigen Einfluss verleihen.

Am dritten Tag des Aufstandes, am 14. August 1969, setzte Britaniens Labour-Premier Harold Wilson das Militär ein. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten war damit die britische Armee wieder in Nordirland. Deren Präsenz empfanden die katholischen BewohnerInnen zu Beginn mit gemischten Gefühlen: Zwar waren die Truppen zur Entlastung der zermürbten, erschöpften und diskreditierten RUC entsandt worden, sie bildeten aber auch einen Keil zwischen NationalistInnen und B-Specials. Sehr schnell war jedoch klar, dass nur die Farbe der Uniform gewechselt hatte, die Repression aber bestehen blieb: Einige Tage später brannte ein loyalistischer Mob die nationalistische Bombay Street in Belfast nieder. 150 Häuser wurden dem Erdboden gleichgemacht, mehrere hundert Menschen verloren ihr Heim. Die zuvor ins Viertel eingerückten britischen Truppen machten keinerlei Anstalten, um den Progrom zu verhindern. Durch die loyalistischen und staatlich sanktionierten Pogrome in diesen Tagen wurde die grösste Zwangsemigration in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg ausgelöst. Gleichzeitig war es der Beginn der "Troubles", des aktuellen Bürgerkriegs in Nordirland.

KatholikInnen oder ProtestantInnen? - Worterklärungen

Diese Begriffe werden im Text deshalb gewählt, weil sie die gebräuchlichsten sind. Die KatholikInnen in Irland haben über die Jahrhunderte hinweg ihre Konfession zum Schutz ihrer eigenen Identität verteidigt. Jedoch sind die "Troubles" kein Religionskrieg. Es geht ja nicht darum, die andere Seite zum eigenen Glauben zu "bekehren". Die IRA kann als antiklerikal (kirchenfeindlich) verstanden werden. In der Politik spielt bei den KatholikInnen die Religion kaum eine Rolle. Sie wird als kulturelles Erbe verstanden. Bei den KatholikInnen unterscheidet mensch zwischen zwei Hauptrichtungen, dem Republikanismus und dem Nationalismus.

Republikanismus: Wichtigste Partei ist Sinn Féin (sprich: Schinn Fein, dt. "Wir selbst"). Eine über den Nationalismus hinausgehende Ideologie, verbunden mit fünf Hauptforderungen:

1. Separatismus (Abtrennung vom Vereinigten Königreich)
2. Säkularismus (Trennung von Staat und Religion)
3. Anti-Sektierertum (Aufhebung der konfessionell bestimmten Spaltung der irischen Unterklasse)
4. Nationalismus (Wiedervereinigung mit Irland)
5. Radikale Sozialpolitik

Nationalismus: Wichtigste Partei ist die SDLP (Social Democratic and Labour Party). Der irische Nationalismus bzw. Republikanismus ist dabei nicht in unserem Sinne zu verstehen. Diese beiden Begriffe sind in Irland ganz klar mit linken Inhalten besetzt. Sinn Féin bezeichnet sich als sozialistisch, die SDLP ist mit unserer SP zu vergleichen (was ja nicht gerade der Hammer ist, aber immerhin...).

Die ProtestantInnen kennen ebenfalls zwei Hauptrichtungen:

Unionismus: Befürworten die Fortsetzung der Einbindung Nordirlands in das Vereinigte Königreich und die Aufrechterhaltung der irischen Teilung. Wichtigste Parteien sind die OUP (Official Unionist Party) und die DUP (Democratic Unionist Party).

Loyalismus: Extrem rechte politische Ausrichtung des Unionismus. Sie fühlen sich nicht den demokratischen Institutionen Britanniens verpflichtet, sondern lediglich der britischen Krone.

RUC, Royal Ulster Constabulary

Die nordirische Polizei, besteht zu 93 % aus ProtestantInnen und ist 100 % unionistisch. RUC-Angehörige arbeiten/arbeiteten vielfach in einer Doppelrolle. Als Beruf gehen sie ihrem Polizeidienst nach, in ihrer Freizeit sind sie Mitglieder in einer protestantischen paramilitärischen Gruppierung und machen/machten Jagd auf unbeteiligte katholische ZivilistInnen. Dossiers über mutmassliche Angehörige der IRA werden den Paramilitärs von der Polizei zugeschoben, damit diese die Drecksarbeit, sprich Ermordung, erledigen können. Wird von der katholischen Bevölkerung aufgrund ihrer Parteilichkeit nicht akzeptiert.

Orange Order, Orangisten, Oranierorden

1795 während des katholisch-protestantischen Konflikts in der Frage des Grundbesitzes mit dem Ziel gegründet, die protestantische Vormachtsstellung und die enge Verbindung zu England aufrechtzuerhalten. Die Mitglieder dürfen weder katholisch sein noch katholische Angehörige haben. Heute vor allem in den Medien durch ihre provokativen Paraden präsent, welche oft durch katholische Gebiete führen.


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 © 1997, 2018 Copyright beim Verein KulturZentrum Bremgarten KuZeB some rights reserved (Creative Commons BY-SA). Geändert am 31. Mai 2009. Erstellt von Kire.