karnikl nagt an den Wurzeln
Polit-, Kampf- und Spassblatt aus dem Rüebliland

Am rechten Rand

In der letzten Zeit hat sich in der Schweiz einiges am rechten Rand bewegt, und mit der Nationalen Initiative Schweiz (NIS) ist eine neue, rechtsextreme Gruppierung aufgetaucht. Weiter war der Hochdorfprozess, der mit sehr milden Urteilen gegen die beteiligten Hammerskins endete, was nicht gerade eine abschreckende Wirkung auf die rechtsextreme Szene haben wird! Grund genug, die Aktivitäten der Neonazis in den letzten Jahren genauer unter die Lupe zu nehmen und eine Bestandesaufnahme des aktuellen, rechtsextremen Spektrums in der Schweiz zu machen.

Die Nationale Initiative Schweiz (NIS)

Seit gut eineinhalb Jahren existiert die Nationale Initiative Schweiz (NIS), und es ist ihr in dieser kurzen Zeit gelungen, sich neben den Hammerskins als wichtigste Organisation für Jungnazis zu etablieren. Zum ersten Mal von der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde die NIS am 1. März 97, als Mitglieder der Gruppe zusammen mit 4000 Neonazis in München gegen die Wanderausstellung "Verbrechen der Wehrmacht" (siehe dazu auch karnikl Nr. 1) demonstrierten. Die Schweizer Delegation marschierte dabei mit einem Transparent mit der Aufschrift "Auch unsere 800 Kriegsfreiwillige sind keine Verbrecher" durch München, um an diejenigen Schweizer zu erinnern, die während dem 2. Weltkrieg als Freiwillige in der Waffen-SS für Hitlerdeutschland gekämpft hatten. Erklärtes Ziel der NIS ist es eine eigene Partei aufzubauen und längerfristig die Teilnahme an Wahlen. In Gegensatz zu anderen rechtsextremen Gruppierungen versucht die NIS sich einen "seriösen" Anstrich zu geben und realpolitische Themen aufzunehmen. Unter anderem propagiert die NIS "einen sofortigen Einwanderungs- und Einbürgerungsstop für Ausländer", "Wahrung der schweizerischen Wehrkraft", "Umweltschutz durch Verringerung der (ausländischen) Überbevölkerung", "Förderung möglichst schweizerischer Schulklassen" etc. Auch wenn diese Politparolen der NIS auf den ersten Blick eher an einen Abklatsch des Parteiprogramms der "Schweizer Demokraten" erinnern und der Grossteil der genannten Standpunkte teilweise auch von der SVP, FPS oder gar der FDP vertreten werden, hat die deutsche Neonazi-Szene und ihre Reorganisation in der JN (Junge Nationaldemokraten) doch einen starken Vorbildcharakter für die NIS. Die Gruppe versucht , intensiv Nachwuchs anzuwerben und macht aggressive Propaganda- und Basis-Arbeit. Dazu werden populistische, rechtsbürgerliche Standpunkte aufgenommen und mit diesen versucht, die breite Masse anzusprechen. Andererseits übernehmen rechtsbürgerliche Parteien faschistisches Gedankengut. Durch diese gefährliche Vermischung gelingt es den Neonazis, in der Politik Fuss zu fassen, sich ein demokratisches Denkmäntelchen überzuziehen und vielerorts ihr rassistisches Gedankengut salonfähig zu machen. Tatsächlich unterhält die NIS regen Kontakt zu deutschen Neonazis, und an Festen und Treffen von der NIS sind regelmässig deutsche "Kameraden" anzutreffen.

In der internen Zeitschrift, dem "Morgenstern", welcher unter anderem zu Schulungszwecken der jüngeren Mitglieder dient, publiziert die NIS regelmässig politische Beiträge und Berichte. Unterdessen ist gegen den Herausgeber des "Morgenstern"s und NIS-Präsidenten, der 28jährige Mario Rigoni aus Wettingen, ein Strafverfahren wegen Verstosses gegen das Antirassismus-Gesetz hängig, da dieser in einem Beitrag im "Morgenstern" gegen jüdische Menschen hetzte. Pikanterweise hat er sich diese Anzeige eingehandelt, als er in Bülach, am Rande einer SVP-Veranstaltung, Christoph Blocher, die Nummer 4 verkaufte. Unterdessen ist die NIS schon mehrfach in die Schlagzeilen gekommen. Vor allem die Drohungen gegen den Zionisten-Kongress in Basel hat für einiges Aufsehen gesorgt. Mario Rigoni kandidierte übrigens 1995 auf der Nationalratsliste der Aargauer "Schweizer Demokraten", wurde kurz danach aber aus der SD ausgeschlossen, da ihn andere Parteimitglieder am Rande der Blocher-Demo beim Singen von Nazi-Liedern ertappt hatten. Weitere Mitbegründer der Nationalen Initiative sind Manuel Wettstein (1976) aus Hombrechtikon ZH, Andreas Gossweiler (1968) aus Studen BE und Thomas Schneeberger (1973) aus Langrickenbach TG. Auch sie sind im Zusammenhang mit der rechtsextremen Szene keine Unbekannte, ganz im Gegenteil. Andreas Gossweiler war schon Mitte der 80er Jahre im Aargau aktiv. Er war damals Mitglied und Präsident der NNF (Neue Nationale Front). Wie ernst es übrigens die "Schweizer Demokraten" (damals noch "Nationale Aktion") mit ihren Abgrenzungen gegen neonazistische Gruppierungen meinen, bewies seinerzeit der aargauische Grossrat und heutige Präsident der SD Aargau, Dragan Najman, der mit der NNF ein Wahlbündnis eingehen wollte, unter der Bedingung, dass sich die NNF in "Junges Aargau" umbenenne. Thomas Schneeberger seinerseits gehört zu den drei Hauptangeklagten des Hochdorfüberfalls. Bei einer Hausdurchsuchung beschlagnahmte die Polizei zahlreiches Propagandamaterial und (Schuss-) Waffen, mehrere tausend Schuss Munition und Chemikalien, die gemäss Gutachten von Spezialisten der Bundespolizei für die Herstellung von Sprengstoff vorgesehen waren! Im weiteren wurden mehrere mit Schwarzpulver und Kieselsteinen gefüllte Büchsen beschlagnahmt. Schneeberger gab zu Protokoll, dass er diese primitiv gemachten "Handgranaten" ursprünglich gegen eine Antifa-Demo in Weinfelden einsetzen wollte, im letzten Moment aber davon abgesehen hatte. Der vierte und jüngste im Bund ist der 21jährige Manuel Wettstein. Er ist Vizepräsident der NIS und derjenige, welcher, nachdem die Postfächer in Wettingen und im liechtensteinischen Vaduz publik wurden, ein neues Postfach in Uster eröffnete. Dieses Postfach dient momentan als aktuelle Kontaktadresse der NIS.

Die Schweizer Hammerskins (SHS)

Immer noch aktiv wie eh und je sind die Schweizer Hammerskins, die SHS. Zwar wurde es in der letzten Zeit etwas ruhiger um sie, was aber vorwiegend daran lag, dass sie viele Anzeigen des Hochdorfüberfalls am Halse hatten. Das erste Mal in die Schlagzeilen geraten ist die SHS im Sommer 95, als sich zwischen 150-200 Boneheads in der Nähe von Aarau, in Schönenwerd, trafen. Seither hat es sich erwiesen, dass es sich bei der SHS und der SHS-AO (AO für Aufbauorganisation) um eine sehr gut organisierte Vernetzung von verschiedenen Gruppierungen handelt. Entstanden ist die Bewegung der Hammerskins Ende der 80er Jahre in Texas/USA. Ziel der Hammerskins ist es, alle weissen, nationalistischen und rassistischen Skinheads zu vereinen und zu politisieren, um so zu verhindern, dass die Skinbewegung von links (Oi-/SHARP-/Red-Skins) "eingenommen" wird. Inzwischen gibt es in den USA, ganz Europa, Kanada, Südafrika und Australien Hammerskin-Organisationen, die einen sehr regen Kontakt untereinander pflegen. 1990 ist in Luzern die erste schweizerische Sektion (und die erste Europas!) von Patrick Iten aus Horw LU gegründet worden. Um neue Nazi-Skins anzuwerben, wurde 1994 die SHS-AO (die "Jugendorganisation" der SHS) gegründet. Laut Angaben der Bundespolizei hatte die SHS im Jahr 1996 rund 50 und die SHS-AO über 200 Mitglieder. Zwischenzeitlich bestanden Sektionen in Neuenburg, Genf, Sempach, Bern, Olten, der Ostschweiz und in Affoltern. Die Aufbauorganisation hat vor allem im Raum Zürich und in der Ostschweiz ihren Schwerpunkt. Anders die SHS selbst, deren führende Leute über die ganze Schweiz verteilt sind und die immer noch durch einen eher "elitären" Charakter geprägt ist.

Neben Iten ist der Aargauer Reinhold Fischer eine zentrale Figur der Hammerskins. Der 27jährige Elektromonteur aus Rudolfstetten und ehemalige Anführer der RMF (Rechtsradikale Mutschellenfront) betreibt den Nonkonform-Versand, der sich auf Nazi-Rock spezialisiert hat. Der NK-Versand gilt als der wichtigste Naziskin-Versand in der Schweiz, und das Postfach in Berikon AG dient ebenso als offizielle Kontaktadresse der SHS. Ein weiterer Mitbegründer der SHS ist Carlo Albisser (Spitzname "Garry") aus Littau (LU), der unter anderem den "Hammer", die Zeitschrift der Hammerskins, fabriziert(e). Alle drei sind im Vorstand SHS und gelten als führende Köpfe der Hammerskins.

Der Hochdorfüberfall und die milden Urteile

Am 4. 11.1995 wurde das "Festival für Völkerfreundschaft" im Kulturzentrum Braui in Hochdorf von über fünfzig mit Eisenstangen, Baseball-Schlägern und Ketten bewaffneten und vermummten Naziskins überfallen. Innerhalb kurzer Zeit wurde ein Grossteil des Mobiliars und der Musikanlage zerstört und wahllos auf die überraschten, teilweise sehr jungen FestivalbesucherInnen eingeknüppelt. Zehn Jugendliche erlitten dabei zum Teil erhebliche Verletzungen. Nach wenigen Minuten war der Überfall vorbei und die Angreifer wieder verschwunden. In den folgenden Tagen und Wochen gelang es der Polizei, alle 56 Täter (es waren keine Frauen dabei) zu ermitteln, wobei die Hammerskins ihrerseits der Polizei tatkräftig halfen und sich gegenseitig "kameradschaftlich" verpfiffen. Organisiert wurde der Überfall vom ehemals in Weinfelden TG und heute in Laupen BE wohnhaften, 24jährigen Pascal Lobsiger, dem damaligen "Chef" der SHS-AO. Eigentlich sollte im Zürcher Niederdorf Jagd auf Punks, Linke und Autonome gemacht werden, weil angeblich die Freundin von Lobsiger zuvor von Punks verprügelt worden war. Da die Polizei aber Flugblätter, die zu dieser Aktion aufriefen, bei einer Kontrolle vorfand, wurde kurzerhand das Zielobjekt geändert und mann entschloss sich, als Ersatzziel das antifaschistische Festival in Hochdorf zu überfallen. Wahrend der Grossteil der Angreifer in einem Schnellverfahren mit bedingten Gefängnisstrafen zwischen sechs Wochen und drei Monaten abgeurteilt wurden, standen am 14. November die drei "Haupttäter" vor dem Luzerner Amtsgericht und mussten sich wegen Angriff, Körperverletzung, Sachbeschädigung, sowie Haus- und Landfriedensbruch verantworten. Bei den Angeklagten handelte es sich um die beiden schon erwähnten Pascal Lobsiger und Thomas Schneeberger, sowie den 27jährigen Metzger Hermann Legenstein aus Zürich. Wahrend der Gerichtsverhandlung distanzierten sich alle drei von der gewalttätigen Szene und gaben an, unterdessen geläutert zu sein und ein gutbürgerliches und geregeltes Leben zu führen. Das genügte dem Gericht scheinbar, und alle drei wurden lediglich zu bedingten Gefängnisstrafen verurteilt! Lobsiger als Hauptorganisator kam mit 12 Monaten (bei einer Probezeit von drei Jahren) sowie einer Busse von 2000 Franken sehr glimpflich weg. Dass Lobsiger in der Neonazi-Szene weiterhin aktiv ist, sollte hinreichend bekannt sein - er ist seit dem Überfall immer wieder in die Schlagzeilen geraten.

Ebenfalls eine zwölfmonatige, bedingte Gefängnisstrafe bekam Legenstein, und der "Sprengstoffspezialist" Schneeberger kam gar mit acht Monaten auf Bewährung davon... Legenstein wurde Ende September 1997(!) in St. Gallen zusammen mit 43 anderen Neonazis verhaftet, als sie gerade die TeilnehmerInnen einer friedlichen Antirassismus-Kundgebung angreifen wollten. Auch sonst war Legenstein, ähnlich wie Lobsiger, in letzter Zeit nicht gerade untätig. Immer wieder wurde er wegen tätlichen Angriffen, Landfriedensbruch oder rassistischen Äusserungen übelster Art verhaftet oder verzeigt.

Der dritte Angeklagte, Thomas Schneeberger, ist ebenfalls kein unbeschriebenes Blatt. Er gehört, wie schon erwähnt, zum Vorstand der NIS. Als der deutsche Nazi-Barde Frank Rennicke am 18. Oktober in der Schweiz ein Gastkonzert gab, konnte mensch sich über Schneebergers Privatadresse anmelden.

Noch skandalöser werden die Gerichtsurteile angesichts der Tatsache, dass mehrfach einschlägig vorbestrafte, führende Neonazis wie z. B. Albisser und Fischer einmal mehr mit einem blauen Auge und mit bedingten Gefängnisstrafen davon gekommen sind. Dies obwohl beide im voraus über die geplante Aktion informiert waren und neben Lobsiger als die eigentlichen Drahtzieher des Angriffes gelten. Wir leben tatsächlich in einem Unrechtsstaat...

Wo steht die SHS heute?

Trotz immer wieder auftauchender Gerüchte, die SHS habe sich aufgelöst, kann und muss davon ausgegangen werden, dass die Hammerskins in der Schweiz weiterhin sehr aktiv sind. Nur weil die SHS seit längerer Zeit nicht mehr in den Medien war, heisst dies noch lange nicht, dass die SHS nicht mehr existiert. Realität ist, dass Neonazis vielfach von den Medien (und leider auch von vielen Antifas) nur wahrgenommen werden, wenn es zu gewalttätigen Aktionen und Übergriffen kommt. Darüber hinaus versucht die SHS schon seit jeher möglichst wenig Schlagzeilen zu verursachen und hält ihre Mitglieder dazu an, sich dementsprechend zu benehmen. Inwieweit die SHS-AO weiterhin aktiv ist, ist schwierig abzuschätzen. Einige Sektionen sollen sich unterdessen aufgelöst haben, so beispielsweise die RFO (Rechtsfront Olten), wobei viele führende Leute dann jeweils in die SHS "übernommen" wurden. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass die Hammerskins ein Teil ihrer Basis bei den Jüngeren verloren haben. Als Beispiel kann hier genannt werden, dass die wenigsten Mitglieder des SHS-Vorstands selber in Sektionen oder in lokalen Gruppierungen organisiert sind. Vieles weist darauf hin, dass die SHS inzwischen eher als gesamtschweizerische Organisation besteht und die Nazi-Skins lieber mit älteren und erfahreneren Kameraden verkehren, die nicht ständig irgendwelchen Scheiss bauen... Daneben steht die SHS in engem Kontakte mit der NIS, die sich intensiv um den Nachwuchs kümmert.

Der "Avalon-Kreis"

Eine weitere von den hiesigen Medien bisher nicht oder nur schwach wahrgenommene, aber nicht minder wichtige neonazistische Gruppierung, ist der sogenannte "Avalon Kreis", in dem sich eher intellektuelle "KameradInnen" organisieren. Der "Avalon Kreis" ist eine neurechte Gruppierung, die sich mit indogermanischen und keltischen Traditionen und anderem braun-esoterischen Gedankengut beschäftigt und eine eurozentrische und völkische Weltanschauung vertritt. Vor zwei Monaten, am 18. Oktober, organisierte der "Avalon-Kreis" irgendwo in der Ostschweiz ein Konzert mit Frank Rennicke, einem völkischen Liedermacher. Frank Rennicke (früher in der Wiking Jugend, heute in der NPD) ist einer der bekanntesten deutschen Neonazis überhaupt. Die meisten seiner "Heimatlieder" sind in Deutschland schon lange auf dem Index und verboten. Die NIS-Vorstandsmitglieder Gossweiler und Schneeberger sind ebenso im "Avalon-Kreis" tätig, wie der 37jährige Roger Wüthrich aus Worb BE. Wüthrich war einst Präsident der "Wiking-Jugend Schweiz" und als sich diese auflöste, wurde das gesamte Vereinsvermögen an den "Avalon-Kreis" überschrieben. Bei der inzwischen in Deutschland verbotenen "Wiking-Jugend" handelte es sich übrigens um die Nachfolgeorganisation der "Hitlerjugend".

Lokale Gruppierungen und Aktivitäten

Vor allem im Grossraum Zürich und der Ostschweiz gab es in den letzten Monaten immer wieder Zwischenfälle mit rechtsextremen Hintergründen. Diesen Sommer wurde in St. Gallen ein Brandanschlag auf einen tamilischen Laden verübt, wobei ein Mann ums Leben kam. Bis heute wurde dieser Anschlag nicht aufgeklärt. Im September wurden in St. Gallen mehrmals Farbige und Flüchtlinge von Nazi-Skins angegriffen und verprügelt. Um gegen diese rassistischen Übergriffe und das passive Verhalten der Polizei zu protestieren, rief ein breites Bündnis zu einer Demo auf. Nachdem die Demo beendet war, informierten PassantInnen die Polizei, dass sich Neonazis in einem Park sammeln würden. Die Polizei griff ein und verhaftete 44 Neonazis, die bis an die Zähne bewaffnet waren (unter anderem wurde eine durchgeladene Pump-Action beschlagnahmt).

Weiterhin ein beliebter Treffpunkt für Neonazis, Boneheads und rechte Hooligans ist das Zürcher Niederdorf. Höhepunkt der rechtsextremen Aktivitäten dieses Jahres im Niederdorf war sicher der Aufmarsch vom 5. April. Von der Polizei unbehelligt und rassistische Parolen grölend, zogen damals während rund zwei Stunden 80 - 100 Naziskins durchs Zürcher Niederdorf, rempelten PassantInnen an und schlugen drei Jugendliche spitalreif. Zwei Wochen später, am 19. April, kam die Antwort. Über tausend Menschen nahmen an einem unbewilligten, antifaschistischen Abendspaziergang teil. Die Demo verlief friedlich, mal davon abgesehen, dass die Pumpi-Bar, ein beliebter Treffpunkt der Neonazis, platt gemacht wurde. Personen kamen keine zu Schaden. Die bürgerlichen Medien hatten es natürlich anders gesehen und berichteten sehr ausführlich und verzerrt über gewalttätige Ausschreitungen. Danach war es in Zürich für einige Monate wieder ruhiger, und erst in der letzter Zeit gab es wieder vermehrt Vorfälle (siehe dazu auch Interview). Mitte Dezember wurden die beiden stadtbekannten und berüchtigten Nazi-Schläger Daniel S. und Nino Rüegg wegen Raub, Angriff, mehrfachen Diebstahls, Hausfriedensbruch, Raufhandel und Körperverletzung verurteilt. Anders als das Amtsgericht in Luzern griff das Bezirksgericht Zürich sehr hart durch. Der 22jahrige Daniel S. wurde zu einer vierjährigen Zuchthausstrafe verurteilt, der ein Jahr jüngere Nino Rüegg in eine Erziehungsanstalt eingewiesen.

Einen starken Rückhalt haben die Rechtsextremen in ländlichen Regionen. Immer wieder tauchen neue, sehr mitgliederstarke Gruppen auf und manchmal wieder relativ schnell ab. Zwar gibt es nirgendwo in der Schweiz eine "richtige" Antifa, trotzdem sind in den meisten grösseren Städten einige Leute auf die Thematik sensibilisiert und machen Antifa-Arbeit. Auf dem Land sieht das vielfach ganz anders aus, und es ist für die Neonazis meistens ein leichtes, unbehelligt Strukturen aufzubauen und Nachwuchs zu rekrutieren. Dabei wäre es sehr wichtig, diese ländlichen Regionen den Neonazis nicht als ruhiges Hinterland zu überlassen. Aber die meisten "StädterInnen" fühlen sich entweder nicht zuständig oder sind teilweise zu überfordert, um über den eigenen Tellerrand hinaus schauen zu können. Ein bekanntes Beispiel für eine solche rechtsextreme Gruppierung auf dem Lande ist der etwa 20 - 30 Mitglieder zählende "Morgenstern" aus Sempach LU. Gegenüber anderen Gruppierungen wie die NIS oder die SHS gibt sich der "Morgenstern" unabhängig. Trotzdem ist eine enge Zusammenarbeit und Vernetzung vorhanden. So waren mehrere Männer aus Sempach am Hochdorfüberfall beteiligt. Im Aargau bestehen vor allem in der Region Baden, dem Freiamt, dem Fricktal und auf dem Mutschellen kleinere und grössere Gruppierungen und rechtsextreme Cliquen. Neonazis sind aber nicht nur in der deutschsprachigen Schweiz aktiv, im Gegenteil. Diesen Herbst kam es im Tessin zu mehreren Übergriffen gegen Farbige und Fahrende. Nicht zu vergessen der mysteriöse Brand im Autonomen Zentrum "Molini" in Lugano. Rund um den HC Lugano (Eishockey) hat sich eine starke und aggressive Neonazi-Szene etabliert, die vor allem von italienischen FaschistInnen und rechten Ultras beeinflusst wird. Auch in der Romandie gibt es eine sehr aktive Neonazi-Szene, die der deutschweizerischen Szene in nichts nachsteht. Das erste Verfahren gegen Hammerskins und ihre Strukturen in der Schweiz wegen Verstosses gegen das Antirassismus-Gesetz, betraf das Neuenburger Skinhead-Magazin "Mjölnir" und dessen Herausgeber Medhi Pierre Barbezat. Dieser hatte in der Nummer 4 des "Mjölnir" explizit den Holocaust geleugnet. Ob übrigens Rätoromanisch gegen Rassismus immun macht, kann ich an dieser Stelle nicht beantworten, zumindest konnte ich nix in Erfahrung bringen...

Schlusswort

Natürlich gibt es zahlreiche weitere Grüppchen, so z. B. die ganzen AuschwitzleugnerInnen und Altnazis in der Schweiz. Auf die Rolle der Parteien, wie die "Schweizer Demokraten" oder Blocher & seine SVP-Monsters bin ich in diesem Artikel nicht eingegangen, da dies wohl den Rahmen dieser Nummer zwei gesprengt hätte... wird aber mit Sicherheit im nächsten karnikl nachgeholt.


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