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Hans Hutter: Spanien im Herzen

Ein Schweizer im Spanischen Bürgerkrieg

VIBR. Hans Hutter war damals, 1936-38, im Spanischen Bürgerkrieg, und was er dort erlebt hat , ist eine spannende, interessante und anregende Geschichte, denn Hans Hutter hat im Krieg vieles gelernt. Nicht nur über das Kriegshandwerk, sondern hauptsächlich über Spanien, die Menschen, Politik und Kapital.

"Spanien und sein herrliches Volk haben mich gelehrt, dass die einzige überlebenschance der Menschheit nur im gegenseitigen Respekt, in der Toleranz und der Solidarität aller liegen kann."

Hans Hutter wollte eigentlich nie an der Front kämpfen. Als Pazifist und gelernter Mechaniker wollte er seine Fähigkeiten zu dringend benötigten Reparaturen einsetzen. Doch die Schweizer RS wurde ihm zum Verhängnis, denn er war einer der wenigen, die bereits mit Waffen umgehen konnten. So kam er an die Front. Obwohl er bei den Internationalen Brigaden war, suchte Hans Hutter immer den Kontakt zu den SpanierInnen, während sich andere Internationale, speziell die deutschen Stalinisten, eher abschätzig gegenüber den SpanierInnen verhielten. So lernte Hans Hutter dass einE SpanierIn zu stolz sei, sich vor einem Feind zu verstecken oder ihn anzuschleichen. Auch arbeiteten die verschiedenen Gruppen wie POUM, Anarchisten, Kommunisten usw. selten miteinander, es kam sogar vor, dass sie gegeneinander kämpften. Besonders fielen die Anarchisten auf, die erkannt hatten, dass sie keine militärischen Strukturen annehmen dürfen um selbst nicht zu ihrem Feind zu werden. Leider fiel es ihnen nicht auf, dass so das Kämpfen erst recht sinnlos wird. Deshalb kam es immer wieder zu blutigen Gemetzeln unter den Verteidigern der Republik. Die späteren Alliierten unterliessen jegliche Hilfe an die Republik. Franco wurde derweil von Italien und Deutschland unterstützt. Wie muss es Hitler gefallen haben, hier seine Kriegsstrategien und Waffensysteme gegen wehrlose RebellInnen testen zu können. Die Schweiz verbot sämtlichen Kriegswarenhandel mit Spanien. Wie trotzdem 10 000 Militärschuhe legal zu Franco kamen, will niemand erklären. Auch weiss mensch wenig über die Herkunft der 48 Oerlikon Kanonen der Republik. Offensichtlich jedoch ist, dass die Schweizer Hochfinanz schon damals erste Kontakte knöpfte, die sie dann später "vergoldete". Nun sind wir auch nicht mehr erstaunt, dass dieses geschichtliche Grossereignis im schweizerischen Geschichtsunterricht stark vernachlässigt wird. Hans Hutter schreibt über das Verhältnis der Schweiz zu den Spanienkriegern folgendes:

"Die Schweiz stellte prozentmässig die meisten Freiwilligen für die Verteidigung der legitimen, demokratisch gewählten Spanischen Republik, dafür wurden sie von den Militärsgerichten am härtesten aller demokratischen Länder verurteilt. In Schweden, Belgien, Holland und Dänemark erhielten die Spanienkämpfer teilweise sogar staatliche Unterstützung zur Wiedereingliederung. In diesen hermetischen Divisionsgerichtsgremien gab es keine Sozialdemokraten, nicht einmal Linksbürgerliche. Wie stark die "freien" Schweizer damals von der "offiziellen Schweiz" in ihrem Meinungsverhalten terrorisiert wurden, hatte mir schon ein anderes Beispiel gezeigt. Mein Bruder Max liess aus Spanien einem seiner Kameraden einen Gruss an seine Naturfreunde ausrichten. Der Vorstand der Naturfreunde getraute sich aber nicht, diesen Brief öffentlich den Mitgliedern vorzulesen.

Von den demokratischen Ländern war die Schweiz das erste Land, das Franco schon im Februar 1937 de facto anerkannte, die de-jure-Anerkennung erfolgte am 14. Februar 1939, noch vor der Kapitulation der Republik. Ein halbes Jahr nach dem Putsch der Generäle und zwei Jahre vor der Kapitulation der Republik machten die Schweizer Botschafter bereits vor Franco den Kotau. Galt die mythisch verbrämte "Neutralität" noch als gewichtiges Argument, selbst dem Roten Kreuz den Einsatz in Spanien zu untersagen, schämten sich die Alpenprofitgeier dagegen überhaupt nicht, sich nun mit Franco zusammen am Leichenmahl der Republik gütlich zu tun. Der Bund hatte sich nicht einmal um den Gefangenenaustausch bemüht."

Soviel zu der Schweiz. Aber eigentlich geht es doch um Spanien. Der Bürgerkrieg wurde schon damals als ein Vorspiel des 2. Weltkrieges angesehen. Viele Intellektuelle und ArbeiterInnen meldeten sich darum, wie Hans Hutter, zu den Internationalen Brigaden, wo sie schlimmeres (den 2. Weltkrieg) verhindern wollten. Die Internationalen Brigaden wurden von den Kommunisten geleitet, was sich je länger desto schlechter auswirkte. Die wichtigen Posten wurden immer häufiger mit feigen, dilettantischen, preussisch-stalinistischen Deutschen besetzt. So kam es häufig zu Intrigen, Machtkämpfen und gefährlich blödsinnigen Befehlen.

Das spanische Volk bewies eine unglaubliche Moral. Es feierte jeden Kämpfer, konnte sich am kleinsten Sieg erfreuen und spornte die Soldaten immer an. Dies in einem Krieg, der de facto schon von Anfang an verloren war. So wird das düstere Kriegsbild immer wieder durch schöne Szenen und Frauen aufgeheitert.

Doch wer genau wissen will, wie es damals an der Front war, wie mensch damit lebte, was im Hinterland geschah und was Hans Hutter sonst noch erlebte, dem/der sei dieses solide und spannende Buch aus dem Rotpunktverlag von mir ans Herz gelegt.


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