karnikl nagt an den Wurzeln
Polit-, Kampf- und Spassblatt aus dem Rüebliland

Veganismus
und das Private ist politisch!

Sich vegetarisch zu ernähren, d. h. kein Fleisch (mehr) zu essen, ist heutzutage in. Vorbei sind die Zeiten, als mensch VegetarierInnen ohne allzu grossen Widerspruch als weltfremde SpinnerInnen abtun konnte. Der Vegetarismus ist gesellschaftsfähig geworden, die Wissenschaft attestiert VegetarierInnen im allgemeinen ein gesünderes, längeres Leben, und ein ganzer Industriezweig verdient sich eine goldene Nase an all den neuen "Naturprodukten", den verschiedensten, aufwendig produzierten Fleischimitaten, die nur so auf den Markt drängen und von den KundInnen auch artig gekauft und verzehrt werden. Der politische Hintergrund des Vegetarismus ist dabei (wie bei den meisten Massenbewegungen) weitgehend verloren gegangen. Es gibt aber immer noch einige, die ernähren sich vegetarisch, weil sie keine Massentierhaltung unterstützen, oder nicht verantwortlich für das Leiden und den Tod von Tieren sein wollen. Die meisten von ihnen konsumieren weiterhin Milch und Eier. Menschen, die vegan leben, d. h. ganz auf Nahrungsmittel tierischen Ursprungs verzichten, werden kaum verstanden; ihre Überzeugung oftmals als absurd, sektiererisch oder überflüssige Selbstquälerei angesehen. Was jemenschen aber zu dieser Lebensweise bringt, wissen die meisten nicht. Die wirtschaftlichen Zusammenhänge zwischen Fleisch- und Milchindustrie sind nur wenigen bekannt und werden von der Milchindustrie wohlweislich auch nicht publik gemacht.

Die Fakten:

Um überhaupt Milch produzieren zu können, muss eine Kuh zuerst ein Kalb gebären. Da sie aber nach der Geburt nur beschränkte Zeit Milch produziert (für wen die eigentlich bestimmt wäre, sollte klar sein - wobei die Milchleistung der heutigen Kühe natürlich hochgezüchtet worden ist), muss sie drei Monate, nachdem sie geboren hat, wieder künstlich befruchtet werden, um dafür zu sorgen, dass der Milchfluss nicht abreisst. Das heisst, dass sie quasi dauerschwanger ist und jedes Jahr ein Kalb auf die Welt bringt, das in den meisten Fällen gleich zu Kalb- oder Rindfleisch verarbeitet wird (da für den Fortbestand der Herde nur ein weibliches Tier gebraucht wird; für die Besamung sind nur sehr wenige männliche Tiere notwendig). Es ist daher eine absolute Illusion, zu glauben, dass durch den Verzicht auf (Kalb- und Rind-) Fleisch die Tötung von Tieren verhindert würde, wenn mensch gleichzeitig Milch oder Milchprodukte konsumiert.

Mit der Eierproduktion verhält es sich sehr ähnlich. Erstens fristen die meisten Hühner, gleich den Kühen, ein trauriges Dasein ohne Berücksichtigung ihrer natürlichen Bedürfnisse, zweitens bringt die Produktion von neuen Legehennen unweigerlich auch "Ausschuss" mit sich: Die männlichen Küken. Sie werden entweder gleich nach dem Schlüpfen vergast, finden den Weg als Brathähnchen in die Supermärkte, werden zusammen mit zerquetschten Eiern zu "Vollei" zermust, als Tierfutter oder Dünger weiterverwendet. Und natürlich verbringen Tiere, die nicht mehr produktiv sind, ihren Lebensabend NICHT in Alterswohnheimen auf dem Lande...

Fazit: Bei der vegetarischen Ernährung landet das Fleisch, das mensch zu essen sich weigert, dann halt eben in den Mägen derer, die sich (noch) nicht für eine vegetarische Ernährung entscheiden konnten. Es wird also trotzdem gegessen; ein grosser Anteil der Fleischproduktion ist nur Nebenprodukt der Milch- und Eierindustrie! Wären auch alle Menschen auf der Welt VegetarierInnen, würden trotzdem Tiere getötet, ausgebeutet & als Rohstofflieferanten benutzt.

Beim Konsum von nicht biologisch hergestellten Tierprodukten sind die Tiere aber nicht die Einzigen, die dafür ausgebeutet werden. Die meisten grösseren Milch-, Fleisch- oder EierproduzentInnen importieren Futtermittel aus der sogenannten dritten Welt - Nahrungsmittel (wie beispielsweise Soja oder Mais), die der dortigen Bevölkerung fehlen und - auf dem Boden gerodeten Regenwaldes in Monokulturen angebaut - die dünne Humusschicht für immer zerstören. Durch den "Umweg" der pflanzlichen Nahrungsmittel über Tiere, werden überdies Kalorien verschwendet, da 5 - 10 pflanzliche Kalorien bloss eine tierische ergeben (während weltweit täglich 40000 Kinder aufgrund von Mangelernährung sterben und Mio. Menschen Hunger leiden). Ausserdem werden immense Flächen Regenwald gerodet, um Rinder darauf weiden zu lassen, die dann z. B. in den Hamburgern der Industrieländer enden.

Was bedeutet das nun für uns?

Tiere, die in grosser Zahl auf engem Raum vor sich hin vegetieren, in einer Umgebung, die ihren natürlichen Bedürfnissen nicht entspricht, haben kein Recht auf Leben mehr. Sie existieren einzig und allein zu dem Zweck, für uns Nahrung zu produzieren. Die ganze Fleisch-, Milch- und Eierproduktion ist extremer Ausdruck und Teil eines Wirtschaftssystems, das Menschen, Tiere und Umwelt rücksichtslos ausbeutet, um möglichst viel Profit daraus zu schlagen. Wenn wir die herrschenden Verhältnisse ändern wollen, müssen wir bestrebt sein, ALLE Ungerechtigkeiten, JEDE Art von Ausbeutung und Unterdrückung zu bekämpfen. Auf der persönlichen Ebene heisst das, seinen Konsum kritisch zu hinterfragen und ausbeuterische Strukturen finanziell und moralisch nicht mehr zu unterstützen. Zum Beispiel durch eine vegane Ernährung. Denn eines ist sicher: Solange wir die Ausbeutung noch täglich essen, wird sie auch nicht verschwinden. Die KonsumentInnen bestimmen, was, wie, und unter welchen Umständen produziert wird.

Solange es
Schlachthäuser gibt,
wird es auch
Schlachtfelder geben!

Leo Tolstoi

Ohne tierische Nahrungsmittel auszukommen, ist gar nicht so schwer, wie gemeinhin angenommen wird. Ausserdem macht es eine Menge Spass, dies und das einmal auszuprobieren, im Bewusstsein, ein Bisschen weniger Ausbeutung und Unterdrückung zu essen. Natürlich ist eine vegane Lebensweise nicht von heute auf morgen möglich, zumal unsere konventionelle Ernährung viel zu sehr auf tierische Produkte abgestützt ist, und wir praktisch in keinem Restaurant, in keiner Imbissbude vegane Mahlzeiten kriegen können. Aber jedes vegane Essen ist ein Schritt in die richtige Richtung. Wer nicht so gern kochen mag, oder vielleicht nicht so phantasievoll in der Essenszubereitung ist, kann in Frankfurt beim Vegan-Versand Nahrungsmittel, wie z.B. 'veganer Käse', als Ersatz bestellen. Der Versand bietet darüber hinaus auch andere Produkte ohne tierische Inhaltsstoffe an (von Naturkosmetik über Putzmittel bis zu Schuhwerk und Kerzen ist so ziemlich alles vertreten, was mensch so zum leben braucht), die auch nach sozialen und ökologischen Verträglichkeitskriterien ausgesucht werden. Der Katalog, sowie weitere Informationen zum Thema, können gegen Rückporto bei folgender Adresse bezogen werden:

MUT -
Menschenrecht & Tierrecht e.V.
Grüneburgweg 154
D - 60323 Frankfurt


Kürzlich ist auch das erste deutschsprachige Kochbuch im Okapi-Verlag erschienen. Für die, welche einfach einmal eine leckere vegane Mahlzeit kochen und geniessen möchten, hier noch ein Rezept zum ausprobieren:

Kathrins Linsen - Eintopf
(reicht gut für 4 Personen)

Ev. ganz am Schluss mit "Soja Cuisine" (Rahmähnliches, wohlschmeckendes Sojaprodukt; erhältlich im Bioladen) oder ungesüsstem Sojadrink verfeinern. Es ist allerdings absolut nicht dringend notwendig, "fehlende" tierische Inhaltsstoffe durch Sojaeiweiss zu ersetzen!

Das Rezept kann natürlich auch mit anderen Hülsenfrüchten, Saisongemüse etc. gekocht werden; probiert aus, was euch am besten schmeckt!

Tjach, dann mampft mal schön - guten Appetit!


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