karnikl nagt an den Wurzeln
Polit-, Kampf- und Spassblatt aus dem Rüebliland

Saures
oder: Menschlichkeit ist Menschlichkeit ist Menschlichkeit - Gestern und heute und morgen

KI. Immer öfters ist es mir in der letzten Zeit ziemlich sauer aufgestossen. Auch heute passiert das ab und zu noch. Meistens am Morgen. Gerade noch genüsslich die letzten Scheiben Vollkornbrot verzehrt - schlage ich die Zeitung auf und lese: Nazigold - wie schuldig ist die Schweiz? Oder: Entschädigung für Naziopfer. Aber auch: Die Schweiz im 2. Weltkrieg - Vergangenheitsbewältigung dringend notwendig. Manchmal befindet sich der Stein des An- oder Aufstosse(n)s auch auf der Titelseite. Da heisst es dann: Fonds für Naziopfer kommt. Nicht, dass mir nicht gefallen würde, was da geschrieben steht (wobei ich mir durchaus Gefälligeres zu lesen vorstellen kann, als die ernüchternde, ziemlich kritiklose und oft erschreckend dumme Berichterstattung der Massenmedien). So richtig sauer stösst es mir erst auf, wenn meine Hirnzellen beginnen, sich langsam in Bewegung zu setzen und ich mir die gegenwärtige politische Haltung der Schweiz vor Augen führe. Um die vor sich hindämmernde LeserInnenschaft nun doch noch endgültig aus dem Schlaf der (Selbst-)gerechten zu rütteln, sag' ich's an dieser Stelle deutlich: Es ist schlicht zum Kotzen, wie ein solches Thema derart breitgetreten wird, wie sich alle Welt - und insbesondere die kleine, heile von Herr und Frau Schweizer - darüber ereifert, wie unmenschlich sich die Schweiz doch im zweiten Weltkrieg verhalten habe, wie böse und geldgierig gewisse Schweizerbanken (und Firmen) doch waren - dass sie sich auf solch unmoralische Art und Weise bereicherten etc. etc., während sich fast kein Schwein (Sorry) daran zu stören scheint,

Ich muss wohl nicht noch extra erwähnen, von welcher Pseudomenschlichkeit es zeugt, von dringend notwendiger "Vergangenheitsbewältigung & Rehabilitation" zu sprechen und im selben Atemzug die "Regulierung der Einwanderung" zu propagieren und gewisse Menschen als illegal (d. h. ganz einfach als inexistent!) zu bezeichnen. Wie heuchlerisch ist es, gewisse Schweizer Firmen der Kriegsgewinnlerei zu bezichtigen, während sich heute praktisch niemensch zum Waffenexport der Schweizer Firmen äussert, deren Produkte z. B. dazu verwendet werden, Demokratisierungsbestrebungen und den Kampf für soziale Gleichheit nicht nur in Ländern Lateinamerikas niederzuschlagen. Ihr könnt euch dann in 50 Jahren für die Verbrechen entschuldigen, die ihr heute nicht bekämpft und durch euer Schweigen toleriert.

Da bleibt mir nur noch zu fragen: Wieviel Ignoranz und Dummheit braucht es, um sich für eine Haltung zu entschuldigen, die mensch im selben Moment wieder einnimmt? Wieviel Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit besitzt jemand, der/die die Unmenschlichkeiten von gestern verurteilt und die Verbrechen von heute grosszügig übersieht? Oder schlicht: Wie sauer muss etwas sein, um aufzustossen? Mir jedenfalls kommt die Galle hoch, angesichts solcher Heuchelei. Nun ja, vielleicht ist das ja mein Problem. Vielleicht bin ich ja krank und sollte wohl besser mal zur Ärztin gehen...?


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