karnikl nagt an den Wurzeln
Polit-, Kampf- und Spassblatt aus dem Rüebliland

Schöner Wohnen?

KI. Wohnen ist nicht Privatsache. Wohnen ist Kultur, Bedürfnis eines jeden Menschen und inzwischen eine politische Angelegenheit von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit. Die Wohnsituation heute entspricht den gesellschaftlichen Verhältnissen. Die angepasste Kleinfamilie als kleinste Zelle des Staates wird durch die aktuelle Politik des Wohnungsbaus bevorzugt. Menschen mit der Vorstellung eines solidarischen Zusammenlebens auf freiwilliger Basis (nicht durch vertragliche Zwänge wie z. B. die Ehe geregelt), das vielfältigen Lebensformen Platz bietet, finden fast keinen Raum (im wörtlichen wie auch im übertragenen Sinne), der ihren Vorstellungen gerecht wird. Obwohl sie meist sehr geringe Ansprüche an Komfort und sonstige Erleichterungen des Alltages stellen, bleiben ihre Wünsche oft ignoriert. Alte, gemütliche Bauten werden abgerissen oder luxuriös saniert - Neubauten aus Glas und Beton werden hingestellt, die

  1. oft über unbenötigten Luxus verfügen (was natürlich den Mietzins in die Höhe treibt)
  2. nicht zum Wohlfühlen einladen,
  3. dem Anspruch nach Wohnen in Gruppen nicht gerecht werden und
  4. den MieterInnen keinen Raum zur kreativen Gestaltung ihrer Umgebung lassen.

Der Mangel an geeignetem Wohnraum ist so gross, dass in vielen Fällen eine sterile und mit allem denkbaren Komfort ausgestattete Wohnung in Kauf genommen werden muss, in der mensch sich nicht wohl fühlt und welche kaum zahlbar ist. Das heisst mit anderen Worten, dass Menschen praktisch gezwungen werden, für ein Dach über dem Kopf weit mehr auszugeben, als sie es wollen, da sie dann ja auch mehr Luxus haben, als sie eigentlich wollten. Logo, nicht?!?!

Dieser Umstand treibt auch die Verlagerung der Arbeit voran. Die lästige und unwerte Hausarbeit (Hausfrauen z. B. haben "keinen Beruf", sie sind "ja nur Hausfrau" wird von den obig erwähnten Erleichterungen zu einem grossen Teil abgenommen, dafür muss mensch dann aufgrund der hohen Miete mehr arbeiten gehen, d. h. seine Arbeitskraft verkaufen. Die Abhängigkeit vom Arbeitgeber / von der Arbeitgeberin wird grösser, was dazu führt, dass die ArbeitnehmerInnen im Arbeitsverhältnis weniger Mitspracherecht haben und besser ausgebeutet werden können.

Durch die steigende Arbeitslosigkeit und Armut wirkt sich das Problem aber noch um einiges drastischer aus. Es herrscht eine effektive Wohnungsnot, es gibt Menschen, die es sich tatsächlich nicht mehr "leisten" können, eine Wohnung zu haben! Zur selben Zeit stehen in fast jeder Stadt Häuser & Wohnungen leer, die langsam vor sich hin schimmeln - aber bewohnt werden dürfen sie nicht! Das macht durchaus Sinn, denn sobald ein Gut knapp wird, wird es aufgrund der grossen Nachfrage auch teurer. Der Wohnungsmarkt funktioniert, wie alles andere auch, nach marktwirtschaftlichen Prinzipien. Doch Wohnen ist kein Luxus & kein Privileg, sondern das Recht jedes Menschen. Durch das vom Staat geschützte uneingeschränkte Recht auf Eigentum wird das Recht auf Wohnen jedoch grundlegend in Frage gestellt. Die finanziellen Interessen eines Spekulanten / einer Spekulantin oder HauseigentümerIn werden somit höher bewertet, als das Bedürfnis eines Menschen nach einem Dach über dem Kopf!


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 © 1997, 2018 Copyright beim Verein KulturZentrum Bremgarten KuZeB some rights reserved (Creative Commons BY-SA). Geändert am 31. Mai 2009. Erstellt von Kire.