karnikl nagt an den Wurzeln
Polit-, Kampf- und Spassblatt aus dem Rüebliland

KulturZentrum Bremgarten KuZeB - Träume werden gelebt

MÖ. "Auf keinen Fall werden wir diesen Zustand weiter dulden!", argumentierte die Stadt. Dieser Einstellung hatten es einige junge Leute zu verdanken, dass sie aus ihrem Lebensraum verbannt wurden. Der Wunsch, in einer Gemeinschaft zu leben, in einem Indianer-Wohn-Zelt-Lager die Idylle und Ruhe an den Reussufern zu geniessen, war ausgeträumt. Die Realität hatte sie eingeholt. Nach 2 Monaten wurden sie im Frühjahr '90 von den behördlichen Instanzen der Stadt Bremgarten gezwungen, ihre Zelte abzubauen und das Lager zu verlassen. So rabiat aus dem Traum wachgeküsst, war das Bedürfnis nach Lebensraum, Wohnraum, Gemeinschaft und Autonomie noch nie so hoch gewesen. So entschlossen sich die Freaks im Juni '90 in eine alte Kleiderfabrik im Stadtzentrum von Bremgarten einzuziehen. Sie besetzten den Fabrikteil des Gebäudekomplexes, welcher schon vor 16 Jahren dem nagenden Zahn der Zeit preisgegeben wurde. Die Gebrüder Max und Guido Meyer, die Besitzer der Liegenschaft, sahen sich 1974 gezwungen, den geerbten Betrieb in einer tiefgreifenden Krise der Textilindustrie zu schliessen und die Produktion einzustellen.

Nicht die ganze Liegenschaft stand über all die Jahre leer. Im Wohnteil der alten Kleiderfabrik hatten sich schon vor Jahren ein Spanierclub eingenistet. In dem Raum, welchen er von den Meyers gemietet hatte, wurden regelmässige Veranstaltungen organisiert. Im Gegensatz zu dem privaten Mieter, der ebenfalls eine kleine Loge im Wohnteil für sich beanspruchte und dazu noch ein guter Freund der BesetzerInnen war, hatte der Spanierclub keineswegs Freude an der neuen Situation. Ohne diese Missgunst gross zu beachten, wurden einzelne Räume vom Müll und Siff der vergangenen Jahre befreit und durchaus wohnlich eingerichtet. Strom gab es vom privaten Mieter. Innert kürzester Zeit entwickelte sich die Alte Kleiderfabrik zum Szenentreffpunkt. Marau (mo's politisch korrektere Form für die unpersönliche 3. Person singular... d. T.) freute sich über das beinahe unglaublich neue Gefühl, einen durch und durch autonomen Raum zu beleben: "Wir konnten tun und lassen was wir wollten!". Die zahlreichen Skater der Region errichteten in einer 200m2 grossen Halle im Obergeschoss eine Halfpipe, welche fortan einer 24-Stunden-Nutzung unterzogen wurde. Gleichzeitig entstanden im Untergeschoss zwei Bandräume.

Im Verlaufe der Zeit gelang es aufmerksamen Nachbarn, dass die Behörden der Stadt ihr Augenmerk vermehrt auf das Geschehen in der Alten Kleiderfabrik lenkten. Daraufhin statten im September Abgeordnete der Stadt einen ersten Besuch ab, jedoch ohne zuvor mit den Besitzern Kontakt aufgenommen zu haben. Die Uniformierten wirkten durch diesen Umstand etwas lächerlich. Räumen konnten sie nicht, lediglich Kontrollen bekannter Art wurden durchgeführt.

Als Max Meyer, einer der Besitzer, kurze Zeit später seitens der Behörden auf die Umnutzung in der Alten Kleiderfabrik aufmerksam gemacht wurde, meinte er nur "für die sozialen Probleme sei die Stadt zuständig", unternahm aber weiter nichts. Den Behörden blieben damit die Hände gebunden und so funktionierte das Fabrikprojekt bis zum Neujahr '91 ohne grössere Probleme.

Im Frühjahr '91 begannen die BewohnerInnen der Alten Kleiderfabrik in die Offensive zu gehen und gründeten den Verein KulturZentrum Bremgarten KuZeB. Sie setzten sich damit zum Ziel, den ganzen Betrieb zu legalisieren, das heisst, einen Mietvertrag mit den Besitzern zustande zu bringen.

Die angestrebten Verhandlungen mit den Gebrüdern Meyer sowie den diversen Behörden fruchteten jedoch nicht. Im April '91 kam der nie erhoffte Augenblick. Der illegale Zustand konnte von offizieller Seite her nicht weiter geduldet werden. Alles wurde wieder abgebaut - die BewohnerInnen mussten das Haus verlassen. Das Ende!?

Eine solche Episode im Leben konnte nicht einfach so zu Ende gehen. Um der einjährigen Wohnzeit einen würdigen Abschied zu bereiten, organisierten die ehemaligen BewohnerInnen in der Fabrik ein Konzert. Das Fest wurde zum absoluten Hammer. Zum Erstaunen der OrganisatorInnen besuchten ca. 200 Leute das Konzert. Von diesem Moment an war eines allen klar: ES MUSS WEITERGEHEN! In den folgenden Monaten wurde eine Sauvage nach der anderen organisiert. In den alten Gemäuern der Kleiderfabrik widerhallten immer wieder die Klänge etlicher Bands. Die Feste fanden grossen Anklang. Nicht einmal das von der Stadt erlassene Verbot eines Konzertes im November konnte den Enthusiasmus der Leute dämpfen. Trotz der Absage der Veranstaltung durch die Medien fanden ca. 250 Personen den Weg in die Fabrik.

Ominösen Umständen war es zu verdanken, dass am 7. Dezember '91 unerwünschte Gäste einen verhängnisvollen Beitrag zur Fabrikgeschichte leisteten. Die Rechtsradikale Mutschellenfront (RMF) feierte in den Hallen der Kleiderfabrik ihr einjähriges Bestehen. In dieser Nacht fand in der Alten Kleiderfabrik eine grosse Zerstörungsaktion statt. Eine Rockveranstaltung, welche zur gleichen Zeit in Bremgarten stattfand, wurde von dem primitiven Haufen ebenfalls aufgemischt. Da die Stadtbehörden ihre redliche Mühe hatten, Gruppierungen nach ihren Gesinnungen zu unterscheiden, machte sie für diese Vorfälle dieses Abends die gleichen Leute verantwortlich, welche in der Vergangenheit regelmässig Konzerte veranstaltet hatten. Diese Eskalation im Zusammenhang mit den Ereignissen der letzten Monate konnte die Stadt nicht länger akzeptieren, und so schickten sie den Gebrüdern Meyer eine Aufforderung, die Liegenschaft bis zum 15. Februar '92 zuzumauern. Auf den Antrag der Besitzer auf Fristerstreckung ging die Stadt nicht ein. Glücklicherweise erfolgte die Zumauerung trotzdem nicht!

Die Situation war prekär, und so entschlossen sich die AktivistInnen eine Petition zu starten, welche ihre Forderungen und Bedürfnisse unterstützte. Die rund 700 eingereichten Unterschriften liessen den Stadtrat nicht von seiner Haltung abbringen: Ohne Einwilligung der Besitzer könne auf die Forderungen nicht eingegangen werden. Zudem seien aus versicherungstechnischen Gründen weitere Veranstaltungen in der Fabrik untersagt. Als Ersatz stellte die Stadt einen verlotterten Radballsaal zur Verfügung, welcher einmal im Monat gegen ein Entgelt von Fr. 300.- gemietet werden konnte. Zur gleichen Zeit reklamierte das Aargauische Elektrizitätswerk (AEW) bei den Besitzern über den illegalen Strombezug und kündigte in seinem Schreiben an, dass es die Liegenschaft vom Netz nehmen werde. Da von dieser Massnahme der Spanierclub und der private Mieter ebenfalls betroffen waren, wurde ihnen durch die Besitzer kurzerhand gekündigt.

Der Druck wurde immer grösser, und so gründeten die AktivistInnen am 18. März '92 den Verein KuZeB neu und besetzten einen neuen Vorstand. Als nächste Aktion wurde zu einer Pressekonferenz geladen. In Anwesenheit des Stadtrates, den Gebrüdern Meyer, einiger Journis und interessierten BremgarterInnen wurde über die momentane Situation informiert. Zudem wurden folgende Abmachungen getroffen: Von den KuZeBlerInnen soll ein Nutzungskonzept erarbeitet werden, welches als Grundstein für eine Entscheidung seitens der Besitzer und schlussendlich für das Zustandekommen eines Mietvertrages dienen sollte. Auf Grund intensiver Verhandlungen konnte der Verein KuZeB eine Fristerstreckung des Ultimatums vom AEW erreichen.

Sofort stürzte marau sich auf das Nutzungskonzept. Ein Organisationsdiagramm, diverse Baupläne und das Betriebskonzept sollten den Besitzern, und vor allem auch der Stadtverwaltung, den unbeugsamen Willen nach Freiräumen verdeutlichen. In derselben Zeit wurde jedoch von der Stadt - ohne den Verein KuZeB zu informieren - eine Offerte zur Zumauerung der Liegenschaft in Auftrag gegeben. Die Kosten von 30'000.-(!) sollten die Eigentümer der Liegenschaft übernehmen. Daraufhin erfolgte eine erneute Absage der Besitzer für das durchdachte Nutzungskonzept und zu sämtlichen weiteren Aktivitäten in der Alten Kleiderfabrik. Trotz den klaren Worten liessen die AktivistInnen nicht locker und reichten beim Bezirksamt eine Einsprache ein. Dabei stiess marau bei einer Aktendurchsicht zufällig auf die von der Stadt hinterlistig in Auftrag gegebene Offerte zur Zumauerung. Auf den Hinweis vom Verein KuZeB, dass die Gebrüder Meyer mit einem Zustandekommen eines Mietvertrages 30'000.- sparen könnten, waren die Besitzer plötzlich wieder zur Verhandlung bereit. Und so kam es, dass am 22. Juni '92 bei Gesprächen mit den Meyers und deren Anwalt eine mündliche Zusage ihrerseits gegeben wurde.

Als dann zusätzlich noch ein Bericht im regionalen Rüsler TV gesendet wurde und ein Vorstoss an der Gemeindeversammlung erfolgte, war die Stimmung in den Medien und bei der Bevölkerung durchwegs positiv. Darauf konnte uns der Stadtrat nur noch scheinheilig bestätigen, dass sie nie etwas gegen einen Mietvertrag einzuwenden hatten.

Alles schien klar zu sein und bestens zu verlaufen. Trotzdem tat sich einen Monat lang gar nichts. Der Radballsaal stellte sich als absolut untauglich heraus. Der Raum war viel zu gross, die Einrichtungen mussten jedesmal wieder von Neuem installiert werden, und überhaupt konnte diese Räumlichkeit in keiner Weise den Bedürfnissen des Vereins und den Sicherheitsvorschriften der Stadt gerecht werden.

Beim Oster- und Pfingstmarkt, der jährlich Menschenmassen nach Bremgarten ziehen lässt, erfolgte der nächste Vorstoss. Mit Infoständen wollte marau Sympathien der Öffentlichkeit für das Fabrikprojekt gewinnen. Das Konzert der "Cadizier" auf dem Fabrikdach konnte noch zusätzlich BürgerInnen in Staunen versetzen. Trotz dem grossen Interesse bei den Marktaktionen und dem positiven Echo der Öffentlichkeit lief weiter nichts, und die Ungeduld der AktivistInnen steigerte sich Tag für Tag. Dies zeigte sich auch immer mehr bei den Vollversammlungen (VVs), die seit Neugründung des Vereins wöchentlich in der kleinen Loge des privaten Mieters stattfanden.

Im August '92 ergaben sich durch einen völlig unerwarteten Umstand neue Möglichkeiten. Der Spanierclub hatte genug von den Kündigungsdrohungen der Besitzer und von den zahlreichen Aktivitäten des Vereins KuZeB. Er verliess das Lokal. Gleich darauf wurde der verlassene Raum im ersten Stock von den AktivistInnen aufgebrochen und mit einem neuen Schloss versehen. Von diesem Tag an war dies das neue Vereinslokal des KuZeBs, und ohne Absprache mit den Besitzern wurde die erste Miete bezahlt. Das neue Lokal fand grosse Beliebtheit bei den KuZeBlerInnen, und ein neuer Power war da. Für die wöchentliche VV hatte marau nun endlich einen genügend grossen Raum zur Verfügung. Eine Theaterbühne wurde errichtet, welche auch kleinere Konzerte ermöglichte. Ebenfalls wurden regelmässig Filme mit politischem Hintergrund vorgeführt. Die Festivitäten dauerten oft bis in die frühen Morgenstunden . So kam es in der Folge zu massiven Reklamationen seitens des Hotelbesitzers von nebenan. Die Stadt musste daraufhin Klarheit schaffen und forderte die Gebrüder Meyer ultimativ auf, endlich eine Entscheidung zu fällen. Die Besitzer reagierten prompt und wir erhielten von ihrem Anwalt einen Mietvertrag, welcher am 27. August '92 vom Verein unterzeichnet und umgehend zurückgeschickt wurde. Bis zum heutigen Zeitpunkt ist jedoch nicht bekannt, ob die Gebrüder Meyer den Vertrag ebenfalls unterzeichnet haben oder nicht. Nichts desto trotz - die vereinbarte Miete wurde seit der Unterzeichnung monatlich eingezahlt. Mit der Instandstellung der elektrischen Installationen und der Montage eines Zählers sowie der Deckung der Kosten, die durch den illegalen Strombezug entstanden waren, konnte erreicht werden, dass das AEW sein Ultimatum zurücknahm. Somit war dann auch die Kündigung nichtig geworden; der private Mieter konnte bleiben.

Diese lange Verhandlungsphase, bei der auf jegliche Veranstaltungen verzichtet werden musste, hatte einen grossen Unmut bei den KuZeBlerInnen hervorgerufen. Da in dieser Zeit versicherungstechnisch der grösste Teil baulich realisiert werden konnte und ein Mietvertrag zumindest vorhanden war, beschloss marau an einer VV, das ausgearbeitete Nutzungskonzept Schritt für Schritt in die Tat umzusetzen. Als Erstes wurden die Räumlichkeiten im grossen Fabrikteil - die während den Verhandlungen ungenutzt blieben - konzerttauglich eingerichtet. Mit einer neuen Konzertbühne und einer massiven Bar konnte nach dem langen Konzertentzug am 10. Oktober '92 eine neue Fabrikfäscht-Ära eingeleitet werden. Die Probleme liessen nicht lange auf sich warten. Durch die ausgelassenen KonzertbesucherInnen, welche in den frühen Morgenstunden ihr Glücksgefühl auf der Strasse bekundeten, hatte der Hotelbesitzer von nebenan, nach eigener Aussage, erhebliche Gewinneinbussen zu verzeichnen, da seine Hotelgäste am Tag darauf erbost abreisten. Kritische Stimmen der Stadtbehörden sahen sich in ihrer Meinung bestätigt. An einer VV im November wurde daraufhin beschlossen, zukünftig an den Konzerten Lärmpatrouillen einzusetzen. Da durch diese Massnahme vor allem auch für den Hotelbesitzer eine Besserung der Umstände sichtbar wurde, konnte der erneut negativen Haltung der Gebrüder Meyer und der Stadt erfolgreich entgegengewirkt werden.

Die Bedürfnisse waren jedoch längst nicht abgedeckt und der Enthusiasmus der KuZeBlerInnen schien grenzenlos zu sein. In den diversen leerstehenden Räumen entstanden eine Läsothek, ein Kino, ein Secondhand-Laden, eine neue Halfpipe, ein Fitnessraum, ein Pennraum für die Bands, ein Konzertkafi, ein Spielraum, ein Atelier, ein Fotolabor, eine Werkstatt und etliche Lagerräume.

Das grosse Engagement der AktivistInnen, ihre Bedürfnisse in einem autonomen Umfeld zu verwirklichen und ihre Ideologie auszuleben, fand jedoch in der breiten Bevölkerung wenig Anklang. Das Verständnis gegenüber der Arbeit der KuZeBlerInnen scheiterte allzuoft an den Vorurteilen der bürgerlichen Gesellschaft: Das verlotterte Äussere der Alten Kleiderfabrik, das Anderssein der Leute, die im KuZeB ein und aus gingen, das konnte keinen guten Ursprung haben. So war es wohl auch zu erklären, weshalb die Fensterläden-Streich-Aktion, welche an der Jahres-VV im März beschlossen wurde, auf ein schier unglaublich positives Echo aus der Bevölkerung stiess. Dass die verwendeten Farben schwarz-rot einem politischen Hintergrund entsprachen, schien denn auch nicht zu interessieren. Ein weiterer Entschluss an der Jahres-VV war die Durchführung einer Aktionswoche unter dem Motto "Besichtigen sie ihre Vorurteile". Mit einem Tag der offenen Fabrik, verschiedenen Konzerten, Vorträgen, Lesungen und Diskussionen wollten die KuZeBlerInnen auf das Angebot, die Strukturen und die Arbeit ihres Vereins hinweisen. Es sollte aufgezeigt werden, dass allein das Engagement der AktivistInnen ausreicht, um ein nichtkommerzielles und selbstverwaltetes Kulturzentrum aufzubauen und am Leben zu erhalten, dass es nicht Millionenbeträge braucht, um Bedürfnissen gerecht zu werden.

Am Tag der offenen Fabrik konnte marau denn auch den Weg von der unentgeltlich geleisteten Arbeit der KuZeBlerInnen bis hin zum vorhandenen Angebot verfolgen. Alle zwei Wochen wurden Konzerte mit Bands aus dem In- und Ausland organisiert. Das Vereinslokal - heute Infokafi - war an vier Abenden der Woche geöffnet. Dienstags war VV - auftretende Probleme wurden diskutiert und in einer Konsensfindung zur Entscheidung gebracht. Jeden ersten Freitag im Monat organisierten Frauen für Frauen im Infokafi eine Frauenbar. Mit Diskussionen und diversen Veranstaltungen wurden frauenspezifische Themen behandelt. Politische Veranstaltungen konnte marau in der Läsothek geniessen. Mit diversen Zines, Dossiers und Büchern sowie Lesungen, Vorträge und Filmen wollte die Läsothek informieren und das politische Verständnis eines/r Jeden fördern und nicht zuletzt den politischen Anspruch der Selbshilfeorganisation KuZeB klar definieren. Sonntags wurden im Kino Filme vorgeführt. Im Secondhand konnte marau an zwei Tagen der Woche Kleider tauschen oder billig kaufen.

Die Möglichkeit, seine Vorurteile zu besichtigen, vermochte sicherlich bei einigen Zweiflern gewisse Ängste abbauen - zumindest bei denen, die davon Gebrauch gemacht haben. Vor allem aber war ein "Goodwill" seitens der Stadtbehörden spürbar. Auch die Gebrüder Meyer schienen mit der Entwicklung des Fabrikprojektes einverstanden zu sein - die Miete, welche der Verein KuZeB monatlich bezahlte, wurden jedenfalls immer angenommen. Die hängigen Auflagen der Versicherungsämter konnten im Verlaufe der Zeit realisiert werden - nun schien die Verhandlungsphase wirklich abgeschlossen zu sein.

Die ganzen Anstrengungen konnten sich nun darauf konzentrieren, den Fabrikbetrieb aufrecht zu erhalten. Dies kostete Zeit und beanspruchte viel Kraft der KuZeBlerInnen. Ohne die unentgeltliche Arbeit aller Beteiligten wäre ein Weiterbestehen des Projektes KuZeB undenkbar.

Fünf Jahre sind nun schon vergangen seit der zweiten Gründung des Vereins, und vom Traum eines autonomen Kulturzentrums sind die KuZeBlerInnen noch nicht aufgewacht. Unter dem Motto "aktiv statt passiv - konstruktiv statt destruktiv - produzieren statt konsumieren" hatte marau es geschafft, das Angebot in der Fabrik aufrecht zu erhalten und sogar zu vergrössern. Lediglich die Frauenbar hatte sich mit der Zeit aus mangelndem Interesse im Sande verlaufen (schade!). Dafür wird seit März '95 eine Tanzbar organisiert, welche regelmässig andere Leute und andere Musik in die Fabrik einfliessen lässt. Mit dem Billardraum konnte zusätzlich ein weiteres grosses Bedürfnis gedeckt werden. Weiterhin finden in der Alten Kleiderfabrik Konzerte statt, politische Veranstaltungen werden organisiert und im Kino Filme vorgeführt. Zwischendurch gab es immer wieder Reklamationen seitens der Nachbarn, meistens wegen Ruhestörung. Dies konnte jedoch immer wieder bereinigt werden. Ausser dem gelegentlichen Geplänkel auf der Gasse und vor dem Haus wurden die KuZeBlerInnen auch von den Bullen in Ruhe gelassen. Seit dem Bestehen des Vereins haben die Uniformierten die Alte Kleiderfabrik nicht mehr unaufgefordert betreten! Es war ein stetiges auf und ab, manchmal lief es besser, manchmal auch schlechter. Es gab aber auch Höhenflüge, wie zum Beispiel ein Konzert von "Suchas" im Oktober '93. Damals erreichte das KuZeB eine Rekordzahl von 520(!) BesucherInnen.

Das politische Verständnis und die Ziele haben sich über all die Jahre nie geändert. Der Verein führt ein nichtkommerzielles, selbstverwaltendes Kultur- und Politzentrum im linksalternativen Spektrum und pflegt einen regen Austausch mit gleichgesinnten Leuten im In- und Ausland. Dazu möchte das KuZeB andere und neue Gesellschafts- und Lebensformen ausprobieren, in deren alle Beteiligten die gleichen Rechte und Pflichten wie auch die gleiche Verantwortung haben. Die Grundpfeiler bilden Menschlichkeit, Solidarität, Meinungsfreiheit, Vertrauen, Integration, Vielfalt und Offenheit. Diese Formen sollen konkrete Alternativen aufzeigen und Signalwirkungen nach aussen haben. Natürlich stiessen diese Ansprüche an Grenzen. Je länger das Projekt weiterging, desto mehr Erfahrungen konnten gesammelt werden. Aus den Erfahrungen mussten Zugeständnisse gemacht werden. Gewisse Ansprüche wurden dadurch eingeschränkt. Da es immer wieder Leute gab, welche die Ideologie des KuZeBs falsch interpretieren und aus diesen Missverständnis Geld klauten oder ihrem Zerstörungswahn freien Lauf liessen, mussten zum Beispiel die KuZeBlerInnen Schlösser installieren und somit einen der wichtigsten Ansprüche aufgeben: Alle können alles machen und alles ist für alle(s) offen! Gemeinsam jedoch konnte der Traum über fünf Jahre gelebt werdenm und es ist noch kein Ende in Sicht.

Wir wollen noch Ziele und Utopien haben und unsere Träume leben! Und alles wird gut!!!


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