karnikl nagt an den Wurzeln
Polit-, Kampf- und Spassblatt aus dem Rüebliland

Wohlgroth

KI. Nach der Besetzung der ehemaligen Wohlgroth Fabrik in Zureich am Pfingstsamstag '91, beginnen die neuen BewohnerInnen, die Autonome Kulturwerkstatt Wohlgroth (AKW) aufzubauen, die später einmal noch für grossen Medienrummel sorgen wird & bis weit über die Landesgrenze hinaus ein Begriff ist.

Als eines der ersten Projekte entsteht so z. B. eine Frauennotschlafstelle, die von Besetzerinnen des Frauenwohnhauses initiiert & von den Benützerinnen mitgestaltet wird.

Nach & nach werden auch andere Häuser rund um die Fabrik besetzt, nachdem die legalen MieterInnen ausgezogen sind. Mit viel Engagement & natürlich zig Stunden Gratisarbeit zaubern die mittlerweile über hundert BesetzerInnen aus den z. T. arg beschädigten Häusern ein geniales Kunstwerk, das sowohl ein vielfältiges kulturelles Innenleben beinhaltet, als auch äusserlich darauf hinweist, wie mensch sich ein autonomes Leben ohne künstliche Zwänge & Konsumgeilheit vorstellt.

In der wohligen Grotte befanden sich zu Zeiten: Konzertraum, Kafi, Jazzkeller, Volxküche, Bioladen, Bewegungsräume, Flomi, Werkstatt, Lesothek, Infoladen, Holzwerkstatt, Milchbar, Frauenvolxküche, Frauennotschlafstelle, Delirium, Bierbrauerei, Disko, Kino, verschiedene Ateliers, Gästewohnung... (hab' ich etwas vergessen?).

Während zweieinhalb Jahren entwickelte sich ein kulturelles, politisches & natürlich auch soziales Leben, wie es das wohl ein zweites Mal nicht geben wird. Die Wut nach der Räumung mit massivstem Bullenaufgebot ist dementsprechend gross - & die Schaufensterscheiben gehen dann auch reihenweise in die Brüche.

Einer breiteren Bevölkerung bekannt geworden ist die Wohlgroth eigentlich erst, als die auch fast schon vorbei war. Um in der Öffentlichkeit Druck zu machen für die Erhaltung der Grotte, wird eine eigene Mediengruppe gegründet. Doch auch diese kann die erbarmungslose Ausschlachtung durch die Presse nicht verhindern. Ein absolut ungeeignetes Alternativangebot des Besitzers (Umzug des Wohlgroths in eine viel zu kleine Fabrik am Stadtrand) lehnen die BesetzerInnen vor laufender Kamera (im Rahmen einer Arenasendung, in welche sie eingeladen werden!) ab. Nach dieser Absage avancieren die "KünstlerInnen" & "Kulturschaffenden", die "etwas anders Lebenden", wie sie von den Medien oft dargestellt wurden, in der Öffentlichkeit zu gewalttätigen ChaotInnen, Krawallbrüdern & -schwestern & sind vermutlich auch als solche in die bürgerliche Geschichte eingegangen.

Die Infos sind der "Presse-Doku '87 - '94 entnommen. Falls sich irgendwer mehr für die Geschichte der Grotte interessiert, kann sie oder er die Dokumentation im Infoladen Kasama in Zürich beziehen. Es ist auch ein Fotobuch zur Wohlgroth erschienen, welches im linken Buchhandel erhältlich ist.


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