Grosskonzerne unter sich Als eigentliches Forschungsland in Sachen Gentechnologie gelten
ganz klar die USA. Das kommt vor allem daher, weil der amerikanische
Staat die Forschung auf diesem Gebiet mit hohen Subventionen
unterstützt. 1987 waren es 2,7 Mia. $, 1993 über 4 Mia $,
1994 bereits 4,3 Mia $. Die etwa 1'300 Firmen die auf dem Gebiet der
Gentechnologie arbeiten, forschen meistens im
menschlich-medizinischen Bereich. Die Landwirtschaft macht bloss etwa
10% aus. Nur 35 der 1'300 Betriebe machen überhaupt Gewinne. Die
andern über tausend Firmen erzielten allein im Jahr 1996 einen
Verlust von 4,6 Mia $. Diese enormen Defizite werden einerseits von
den SteuerzahlerInnen der USA beglichen, und andererseits von
europäischen Grossfirmen, allen voran Novartis und Roche. 10
Milliarden Franken haben die beiden Multis allein in den USA
investiert, was 52% der gesamten Investitionen ausmacht. Die
Auswanderung der Schweizer Grossinvestoren in die USA hat
wahrscheinlich damit zu tun, dass dort im Forschungsbereich weniger
strenge Gesetze herrschen als in Europa, und weil in Amerika 50% des
weltweiten Umsatzes mit Gentechnik-Pharmaprodukten erzielt werden.
Die ganzen Aufwände verbuchen die Konzerne im Moment noch als
Risikokapital. Sie erhoffen sich aber für die Zukunft riesige
Gewinne. Allein in der Schweiz rechnet die Gentech-Industrie mit
42'000 Beschäftigten im Jahre 2005. Jetzt sind es ca. 3'500
Menschen. Diese Prognose der Gentech-Lobby für das Jahr 2005
relativiert sich aber dadurch, dass diese Berechnungen von einem
Wachstum ausgehen, welches zehnmal höher liegt als das Wachstum
in den USA und somit wohl nichts anderes ist, als simple Propaganda,
um das Argument der Arbeitsplatzschaffung zu untermauern.
Nestlé und andere Multis Hand in Hand In Europa tut sich auch einiges. Die 37 grössten Chemie-und
Nahrungsmittelfirmen haben sich zu einer Vereinigung mit dem Namen
EuropaBio zusammengeschlossen. Dazu gehören: Nestlé,
Danone, Unilever, Monsanto, Calgene, Novartis, Hoffmann-La Roche,
Bayer, Hoechst, Rhone-Poulenc usw. Zusammen verfügen diese 37
Konzerne über eine Gesamtbilanzsumme von 500 Milliarden (!) $,
doppelt so viel wie das Bruttosozialprodukt der Schweiz. Sie rechnen
im Jahr 2005 mit Umsätzen in der Höhe von 94 Milliarden (!)
allein in Europa. Der Sinn dieser Vereinigung ist eigentlich vor
allem, die KonsumentInnen mittels gezielter Werbung vom Nutzen und
von der Ungefährlichkeit der Gentechnologie zu überzeugen.
Zu diesem Zweck wurde die PR-Firma Burson-Marsteller angestellt.
Diese verhalfen unter anderem dem Ölkonzern
Exxon nach der Tankerkatastrophe in Alaska zu einem ökologischen
Image und auch McDonald's stand nach einer Werbekampagne von
Burson-Marsteller in Umfragen plötzlich als einer der
umweltfreundlichsten Betriebe da. Also zweifellos die richtige
Adresse für die Gentechlobby, um die KonsumentInnen hinters
Licht zu führen. Millioneninvestitionen gegen die Genschutz-Initiative In der Schweiz scheuen die Gentech-BefürworterInnen und die
Konzerne weder Kosten (ca. 12 Mio.) noch Mühe im Kampf gegen die
Gen-Schutz-Initiative. Auf riesigen Plakaten wird den Leuten
weisgemacht, wer die VerliererInnen dieser Initiative sind. Als
VerliererInnen werden z. B. die Krebs- und die AlzheimerpatientInnen
genannt, weil die Initiative die Forschung nach neuen Medikamenten
erschwere oder sogar verunmögliche. Dabei tangiert die
Initiative die wenigsten Bereiche der Forschung in diesen Bereichen.
Dazu kommt, dass Produkte, bei denen die Beurteilungskriterien
Sicherheit, Nachweis des Nutzens, Nachweis fehlender Alternativen und
die Darlegung der ethischen Verantwortbarkeit gegeben sind, durchaus
bewilligt werden können.
Ausserdem wird immer wieder propagiert, wieviele Arbeitsplätze
die Gentechnologie doch zu schaffen im Stande sei.
Höchstwahrscheinlich werden sich aber die Zahl der geschaffenen
Arbeitsplätze und die Zahl der wegrationalisierten in etwa die
Waage halten. Denn die meisten gentechnisch veränderten Produkte
welche auf den Markt kommen, treten an die Stelle von bereits
vorhandenen Artikeln.
Nationale Gesetze im Hinblick auf WTO und MAI Die Gen-Schutz-Initiative ist auf jeden Fall unterstützungswürdig,
und ihre Annahme wäre sicher ein Schritt in die richtige
Richtung. Aber im Zeitalter von Globalisierung und internationalen
Wirtschaftsabkommen stellt sich immer mehr auch die Frage, ob ein
nationales Gesetz, welches der Wirtschaft und Wissenschaft gewisse
Bedingungen und Verbote auferlegt, überhaupt noch irgend etwas
Wert ist, oder ob es von Anfang an Makulatur ist. Mit dem
"Multilateralen Abkommen über Investitionen" wird es
zukünftig für ein Grosskonzern möglich, von einem
Staat Schadenersatzzahlungen zu verlangen, wenn er Verluste aufgrund
herrschender Gesetze im betreffenden Land geltend machen kann. Bei
der Gentechnologie im speziellen, könnten ausländische
Investoren - falls die Gen-Schutz-Initiative angenommen wird - welche
bereits Laborplätze eingerichtet haben, die Schweiz wegen
Forschungsbeschränkungen auf Schadenersatz verklagen. Auch nach den WTO-Verträgen wäre die
Gen-Schutz-Initiative in gewissen Bereichen (Handelsbeschränkungen)
wahrscheinlich nur sehr schwer durchführbar. So kann - laut
WTO-Abkommen - ein Staat einen andern beim WTO-Schiedsgericht
verklagen, und die Aufhebung oder mindestens die Lockerung der
Handelsschranken fordern. Am 7. Juni 98 stimmt die Schweizer Bevölkerung über eine
Initiative ab, die, wenn das MAI in Kraft tritt, teilweise gar nicht
umsetzbar wäre. Das ist für mich einmal mehr ein Beweis,
wieviel Macht die Politik im globalisierten Weltmarkt überhaupt
noch hat, nämlich praktisch keine. Das ganze Geschehen wird von
wenigen Wirtschaftsgrössen diktiert. Den PolitikerInnen bleibt
noch die Aufgabe, einen Repressionsapparat für die Menschen,
welche sich nicht bloss durch Konsum ruhigstellen lassen,
aufrechtzuerhalten und auszubauen, oder vorbeugend die sozialen
Missstände, welche ein solches Wirtschaftssystem mit sich
bringt, ein bisschen auszugleichen. Hoch lebe die Demokratie... Tälle Zurück zur Hauptseite vom karnikl oder des KulturZentrums Bremgarten KuZeB
© 1997, 2012 Copyright beim Verein KulturZentrum Bremgarten KuZeB some rights reserved (Creative Commons BY-SA). Geändert am 31. Mai 2009. Erstellt von Kire.