Gentechnologie - Inferno der Zukunft? Die Chemiekonzerne forschen und forschen und geben dafür
Milliarden von Franken aus. Die Multis Roche und Novartis
investierten in den Jahren 90- 95 allein in den USA 10 Milliarden
Franken für die Gentechnologie. Im Moment ist das ganze noch ein
riesiges Verlustgeschäft, da bis jetzt viel Geld in die
Forschung gesteckt wurde, aber noch nicht sehr viel Brauchbares
rausgekommen ist. Die amerikanische Gentechindustrie hat im Jahr 1996
einen Verlust von 6,9 Milliarden Franken erlitten. Nun wird auf
biegen und brechen versucht, dieses Defizit aufzuholen. Die Multis
führen durch Hintertürchen die veränderten Produkte,
welche bei den KonsumentInnen nicht sehr gefragt sind, ein. Die
Gentechlobby sieht das ganze, trotz der Verluste, immer noch als
Schlüsseltechnologie für die Zukunft. Aber wem bringt die
ganze Forschung überhaupt etwas? Wem bringt die veränderte
Monsanto-Soja oder der Gen-Mais von Novartis wirklich Vorteile? Für
uns KonsumentInnen bringt es nichts, ausser Verwirrung und
Verunsicherung wie und was jetzt verändert ist; für die
Bäuerinnen und Bauern wird es dadurch auch nicht einfacher ihre
Felder zu bewirtschaften - ganz im Gegenteil. Denn: Durch die
Einführung der Gentechnologie werden in der Landwirtschaft noch
viel mehr Arbeitsplätze verschwinden als bisher. Die Tendenz der
Industrialisierung der Landwirtschaft wird sich mit der Gentechnik
rasch beschleunigen. Der Landwirt wird zum Fabrikarbeiter auf seinem
eigenen Acker und wird abhängig von einer Saatgutfirma. Für
die Natur wird es Auswirkungen haben, die mensch noch gar nicht
absehen kann. Eigentlich bringt es nur der Herstellerfirma etwas,
denn wenn sie den veränderten Samen verkaufen kann, muss der/die
KäuferIn gleichzeitig das dazugehörende Herbizid usw.
kaufen. Das bedeutet Gewinn auf der ganzen Linie. Da stellen sich die
Fragen, wer nun eigentlich den Fortschritt und die Zukunft definiert:
Die Gewinninteressen der Konzerne oder die Gesundheitsinteressen der
Menschen und der Natur, und wer sich hier wem anpassen muss: Der
Mensch der Natur oder umgekehrt?
Risiken und Nebenwirkungen Anhand von zwei Beispielen, dem Bt-Mais von Novartis und der
Gensoja von Monsanto, welche beide in der Schweiz zugelassen sind,
möchte ich aufzeigen, mit welchen Risiken Anbau und Verzehr
dieser Laborpflanzen verbunden sein könnten. In der Schweiz bereits zur Einfuhr zugelassen ist der Genmais von
Novartis. Auch da gibt es allerdings einige Bedenken. Dieser Mais
entwickelt ein eigenes Gift gegen den Maiszünsler, welcher in
Monokulturen vorkommt. Dazu befähigt ihn ein Giftgen des
Bodenbakteriums "Bacillus thuringiensis" (Bt-Gen).
Untersuchungen haben gezeigt, dass das gentechnisch in den
manipulierten Pflanzen erzeugte Gift nicht identisch ist, mit dem von
den Bakterien produzierten. Während sich das natürliche
sehr schnell abbaut, kann das gentechnisch erzeugte Gift im Boden
lange erhalten bleiben. Dort gefährdet es möglicherweise
das Bodenleben, welches für die Fruchtbarkeit verantwortlich
ist. Gefährlich für den ökologischen Landbau ist dieser
Mais, weil er das Resistentwerden der Schädlinge gegen das
Bt-Gift sehr begünstigt und damit das wichtigste
Schädlingsbekämpfungsmittel der Biobauern wirkungslos
macht. Zudem tötet dieser Labormais nicht nur den Maiszünsler,
sondern, das haben neuste Untersuchungen ergeben, auch die
Florfliegenlarve, ein wichtiger Nützling. Ob der ständige
Verzehr dieser Maissorte unbedenklich ist, lässt sich heute noch
nicht genau sagen, da unter anderem ein Antibiotika-Resistenz-Gen
eingepflanzt wurde, welches möglicherweise Antibiotika-Therapien
erschweren könnte. Österreich und Luxemburg wollten aus
diesem Grund den Novartis-Mais verbieten, doch die EU-Kommission
wehrte sich gegen diesen Entscheid. Gensoja von Monsanto Auch in der Schweiz schon zur Einfuhr zugelassen ist die Monsanto
Gensoja. Diese Soja enthält ein Gen, welches die Pflanze
resistent macht gegen das firmeneigene Herbizid "Roundup".
Wird dieses Herbizid gespritzt, bleibt die Soja unbeschadet, während
das Unkraut abstirbt. Auch in diesem Fall sind die Langzeitschäden
in der Natur und beim Menschen nicht absehbar. Ausserdem hat die
Firma Monsanto ein Patent auf das "Roundup-Gen". Damit
verfügt der Konzern über sämtliche Generationen der
Gensoja in den nächsten 15 Jahren, und die Bäuerinnen und
Bauern müssen das Herbizid von Monsanto kaufen und werden
dadurch in neue Abhängigkeiten gedrängt, die
Selbstbestimmung ist passé. Ende 1996 gab es Proteste im
Basler Hafen gegen die Einfuhr von Gensoja. Daraufhin wurde der
Import dieses Sojas kurze Zeit verboten. Unterdessen wurde dieses
Verbot wieder aufgehoben, mit der Auflage, dass die Gensoja als
GVO-Erzeugnis (Gentechnisch veränderter Organismus) deklariert
werden muss. Alles schön und gut. Nur: Die Ernten wurden
teilweise vermischt, das heisst: Natürlicher und gentechnisch
veränderte Soja kommt vermischt auf den Markt, was eine
Deklaration beinahe unmöglich macht. Rund 30'000
Lebensmittelprodukte enthalten Soja: Margarine, Mayonnaisen,
Speiseöle ebenso wie Wurst und Babynahrung. Die meisten von uns
haben also schon Gensoja gegessen, ohne es zu wissen. So vollziehen
Betriebe wie Monsanto die schleichende Einführung der von den
meisten KonsumentInnen nicht erwünschten gentechnisch
veränderten Lebensmittel, um ihre enormen Forschungskosten zu
decken und um die Landwirtschaft zu industrialisieren.
Die Firma Monsanto hat schon einige weitere, in den USA zum Teil
schon zugelassene, "Superpflanzen" entwickelt. Eine kleine, unvollständige Horror-Liste: Bollgard-Baumwolle: Baumwolle die sich selber gegen den
Bollwurm schützt. Insektengeschützte Tomaten: Tomaten die sich selber
gegen schädliche Insekten schützt. Palmöl-Raps: Raps, der ein palmölähnliches
Öl (Bestandteil von Reinigungsmitteln, Körperpflegeprodukten,
Backwaren und sonstigen Lebensmitteln) produziert. New-Leaf-Y-Kartoffeln: Kartoffeln, die sich selber gegen
den Kartoffelkäfer und das Kartoffelvirus Y schützen. Festere Kartoffeln: Kartoffeln, die weniger Wasser und mehr
Stärke enthalten. Dadurch nehmen sie beim Braten und Fritieren
weniger Fett auf. Erdbeeren: Einerseits Erdbeeren, welche sich selber gegen
Viren schützen, andererseits welche mit mehr Geschmack. Farbige Baumwolle: Baumwolle, die genetisch so verändert
ist, dass sie farbige Fasern produziert (viel nützlicher wären
da fleischfressende Riesenpflanzen, die auf Krawattenträger &
Nadelstreifen spezialisiert sind..., d. T.). Fazit: Ob mensch die gentechnische Veränderung von Pflanzen und
Tieren befürwortet oder nicht, in Zukunft wird mensch nur schwer
um diese Produkte herumkommen. An allen möglichen Pflanzen
werden Experimente gemacht, wie sie für den Menschen noch mehr
Nutzen bringen könnten. Zwar beabsichtigt die Schweiz, alle
veränderten Erzeugnisse zu deklarieren, um den KonsumentInnen
die Wahl zu lassen. Aber mit der Zeit wird diese Deklaration beinahe
unmöglich, weil es entweder schon auf den Feldern (denn Pollen
kennen keine Grenzen...), oder später bei der Lagerung und
Auslieferung zu Vermischungen kommen wird und das strikte Trennen
viel zu teuer kommt. Ausserdem wird die mächtige Gentechlobby
natürlich alles daran setzen, jegliche Einschränkungen
ihrer Tätigkeit in diesem Bereich aufzuheben oder zu umgehen. Der Aufbruch ins Ungewisse Die Folgen solcher Freisetzungen kommen erst in etwa 30-50 Jahren
wirklich zum Vorschein, das heisst, es kann erst nach ca. 30 Jahren
festgestellt werden, ob und wie die Umwelt darauf reagiert. Die
Eintrittswahrscheinlichkeit eines schweren Unfalls ist zwar gering,
die Folgen eines Unfalls aber sind unabsehbar. Vermehrungsfähige
Pflanzen und Organismen lassen sich nicht wieder einsammeln und
entsorgen, wie Chemikalien nach einem Chemieunfall. Aber diese
Gefahren hindern Firmen wie Monsanto nicht, immer neue
Wahnsinns-Projekte auf den Markt zu werfen. Irgendwie müssen sie
ja ihre immensen Forschungskosten wieder decken. Es kann also
durchaus sein, dass wir die nächsten tausend Jahre mit dem
Verändern vom Veränderten usw. beschäftigt sein
werden, bis alles wieder zusammenpasst, oder auch nicht... Tälle Zurück zur Hauptseite vom karnikl oder des KulturZentrums Bremgarten KuZeB
© 1997, 2012 Copyright beim Verein KulturZentrum Bremgarten KuZeB some rights reserved (Creative Commons BY-SA). Geändert am 31. Mai 2009. Erstellt von Kire.