Machbarkeit und Gefahren der
Gentechnologie Um das im karnikl #2 Versprochene nun doch noch (teilweise)
einzuhalten, gibt es hier ein klitzekleines Gentechspecial, das sich
allerdings auf die Genmanipulation an Pflanzen beschränkt.
Nicht, dass die Versuche an Mensch und Tier nicht auch mit einem oder
zwei kritischen Augen zu betrachten wären. Die Thematik ist
jedoch so komplex, so dass wir uns erst einmal nur an die Pflanzen
ranwagten (nach dem karnikligen Motto: "ran an die Rüben!"). In einer Zeit, da immer mehr gentechnisch veränderte Produkte
wie z. B. Mais, Soja, Enzyme und Medikamente auf den Markt drängen,
ist es für uns KonsumentInnen an der Zeit, sich über diese
neue Technologie aufzuklären. In der Tat sind schon verschiedene
Produkte auf dem Schweizer Markt (z. B. mehr als 26 Medikamente),
ohne dass ein ausreichendes Kontrollsystem geschaffen wurde oder
werden könnte. Damit sich jede & jeder selbst einen Eindruck
von den Risiken machen kann, möchte ich euch eine kleine
Einführung in die Verfahren der Gentechnologie geben. Bei der Gentechnologie geht's darum, eine konstruierte DNS
(Trägerin des Erbgutes/der Erbinformation) in eine bestehende
einzufügen, oder Teile einer bestehenden DNS zu löschen.
Die DNS ist die Trägerin der gesamten Erbinformationen, welche
in langen 'Fäden' gespeichert werden. Das ganze ist in Realität
ausserordentlich kompliziert, aber es lässt sich mit einem alten
Computer vergleichen. Damals gab es noch Lochstreifen anstelle von
Disketten und CDs. Auf einem solchen Lochstreifen sind die Daten
mittels Löcher in einem langen 'Faden' eingestanzt. Ein Stück
dieser Papierschlange nennt mensch DNS. Es gibt hauptsächlich zwei Verfahren um eine DNS zu
verändern: Die Mikroinjektion Eine Menge konstruierter DNS wird in ein befruchtetes Ei
gespritzt. Dort hängen sie sich an eine unvorhersehbare Stelle
in der DNS. Dadurch kann eine vorher bestandene Eigenschaft
ausgelöscht werden. Diese Methode ist die effizienteste zur
Erzeugung genetisch veränderter Tiere. Da ein befruchtetes Ei
manipuliert wird, wird das neue Genmaterial durch Zellteilung in den
ganzen Körper kopiert. Deshalb ist diese Methode in einem
späteren Entwicklungsstadium nicht mehr anwendbar. Ein weiteres
Problem ist, dass sich das Wirtsgenom (der ursprüngliche
Lochstreifen), wo sich die konstruierte DNS anhängt, häufig
umwandelt (Rekombination). So werden Stellen der DNS verdoppelt,
gelöscht oder verschoben, was schlecht vorhergesehen werden
kann. Der Retrovirus Bei dieser Methode wird das DNS-Konstrukt in ein Virus eingefügt,
welches dadurch unschädlich gemacht wird. Dieses (Retro-)Virus
schleust sich in die Zelle ein und schmuggelt die konstruierte DNS an
ihren Integrationsort (dort wo das Teil hinkommen soll). Bei diesem
Verfahren ist die Länge der einschleusbaren DNS stark
beschränkt. Zudem kann durch Rekombination der Virus wieder
aktiviert werden. Mit Hilfe dieser beiden Verfahren ist beinahe jeder Eingriff
möglich. Die Grenzen zwischen Tier, Bakterium und Pflanze
verschwinden. Es gibt bereits Pflanzen und Tiere die menschliche
Hormone (z. B. Insulin) produzieren können. Es soll sogar (laut
SonntagsZeitung) eine Baumwollpflanze geben, deren Wolle
Plastikanteile enthält. Wie hoch der Zoll für das
Überschreiten dieser Grenzen ist, ist nicht abschätzbar.
Ein anderes Anwendungsgebiet ist die Steigerung von Resistenzen
von Pflanzen. Fraglich ist hier, wie stark sich das natürliche
Umfeld an solche Veränderungen anpassen wird. Es kann zu einem
Bumerangeffekt kommen oder zu einer Verdrängung von weniger
resistenten (natürlich belassenen) Pflanzen. Dies stellt einen
Eingriff in die Evolution dar, dessen Folgen unabsehbar sind. Dazu
kommt die Gefahr einer Rekombination des Wirtsgenoms oder gar des
Retroviruses. Vor allem bei (transgenen) Pflanzen lässt sich die
Verbreitung extrem schlecht kontrollieren. Gewisse Pflanzen verteilen
ihre Samen mit dem Wind im Umkreis von Dutzenden Kilometern. Entlang
von Autobahnen wurden sogar wilde Kulturen von Flavor Savor Tomaten
gefunden, die wahrscheinlich aus einem Laster purzelten und sich so
einen neuen Lebensraum eroberten. Noch ungeklärt ist die Frage, ob sich gentechnisch veränderte
Lebensmittel bei den KonsumentInnen nicht negativ auswirken können.
Der Rinderwahnsinn hat aber gezeigt, dass sich durchaus
Fehleigenschaften der Nahrung auf den Menschen übertragen
können. Das Welthungerproblem wird damit aber ganz sicher nicht
gelöst, denn es ist ein reines Verteilungsproblem, es wäre
heute schon genug zu essen da. Doch selbst wenn nach einer Manipulation das Produkt in Ordnung
wäre, wären längst nicht alle Gefahren ausgeschaltet.
Einerseits wird der allergrösste Teil dieser Forschung von
privater Seite finanziert, d. h. von Firmen die ihre Investitionen in
noch grösseren Geldflüssen zurückströmen sehen
wollen. Andererseits scheint Kontrolle unmöglich. Zwar hat die EU das
Klonen von Menschen verboten, doch ist es für Grosskonzerne ein
leichtes, auf andere Länder mit angenehmerer Gesetzgebung
umzusiedeln. Ärmere Länder werden Gesetzeslücken als
Firmenanwerbung missbrauchen müssen, wollen sie wenigstens in
einem Gebiet konkurrenzfähig sein. Zudem stellen sich gewissen Menschen ethische Probleme: Wie weit
darf der Mensch in der Veränderung seiner Umwelt gehen? Dürfen
der Menschheit vielversprechende Forschungsansätze in der
Medizin verboten werden? Fragen also, über Fragen.
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© 1997, 2010 Copyright beim Verein KulturZentrum Bremgarten KuZeB some rights reserved (Creative Commons BY-NC-SA). Geändert am 31. Mai 2009. Erstellt von Kire.