Uni vor das Volk Das neue Universitätsgesetz, welches am 15. März dem
Zürcher Stimmvolk zur Abstimmung vorgelegt worden ist und mit
77% Ja-Stimmen angenommen wurde, löst das alte
Universitätsgesetz von 1859 ab. Es bringt eine Autonomisierung
und Kompetenzenerweiterung der Universität im Sinne einer
Loslösung aus der kantonalen Verwaltung und der Errichtung eines
Universitätsrats, der als oberstes Entscheidungsorgan waltet.
Mit einem Globalbudget soll die Uni ihre Finanzen selber verteilen
und verwalten. Besonders brisant am neuen Gesetz ist die Möglichkeit
zur Errichtung von Zulassungs- und Studienzeitbeschränkungen,
sowie die absehbare Erhöhung der Studiengebühren. Ein grosser Teil der Angehörigen der universitären
Verwaltung, der kantonalen Verwaltung, des akademischen Mittelbaus
(AssistentInnen), der Professorenschaft und der Studierenden scheint
sich einig zu sein über die Notwendigkeit eines neuen Gesetzes
für die Universität Zürich. Während die nun zur
Abstimmung gekommene Fassung in einigen wenigen Teilen einen Konsens
findet, sind wichtige Punkte umstritten, wurden aber tatsächlich
nur von einer kleinen Gruppe von Studierenden (Blök = Bildung
logischerweise öffentlich und kostenlos) bekämpft. Im Jahr
des Schafes kümmert sich der Grossteil der 20'000 Studierenden
überhaupt nicht um Politik, auch nicht, wenn sie vor der eigenen
Nase abgeht. Dass die Uni aus der kantonalen Verwaltung herausgelöst
werden soll, scheint zwecks Verminderung des bürokratischen
Aufwands eine sinnvolle Absicht. Doch was meint die "Autonomisierung"
konkret? Sie bedeutet, dass neu ein Universitätsrat die oberste
Entscheidungsinstanz ist. Der UR wird vom bürgerlichen
Regierungsrat gewählt und besteht aus "Persönlichkeiten
aus Wissenschaft, Kultur, Wirtschaft und Politik" sowie zwei
RegierungsrätInnen. Er ist für zentrale Fragen wie die
Budgetverteilung zuständig und hat die Oberaufsicht über
die Universität. Der Uni wird neu jährlich ein Globalbudget
zugesprochen, das sie selbständig verwalten kann, was an sich
ein Fortschritt wäre. Wenn aber Erziehungsdirektor Buschor von
"neuen Leistungsstrukturen" und einer besseren
"Bewirtschaftung der Ressourcen" spricht, wenn da und dort
der Uni-Rat mit einem Verwaltungsrat verglichen wird, so ist sehr zu
befürchten, dass die Uni im Sinne des New Public Management wie
ein Unternehmen geführt werden soll. Fächer, die keine
Rendite abwerfen, werden dann in der Logik der "Fokussierung auf
die Kernbereiche" vermutlich vernachlässigt. Wie so die
Freiheit von Lehre und Forschung erhalten bleiben soll, ist fraglich.
Mit dem Einsitz der Privatwirtschaft in die Unileitung dürfte
die Universität ihren gesamtgesellschaftlichen Bildungsauftrag
zugunsten privater Interessen weiter vernachlässigen, was
verheerende Folgen haben könnte. Fatal könnten sich auch die Paragraphen 39 - 41, die einer
Erhöhung der Studiengebühren die gesetzliche Grundlage
liefern, auswirken. Gleiche Bildung für alle ist ein
Menschenrecht, die Schweiz hat den UNO-Pakt über
wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte, der unentgeltliche
Hochschulbildung vorsieht, vor wenigen Jahren ratifiziert. Mit einer
Erhöhung der Gebühren von momentan rund 650 Fr. auf 1000,
2000 oder 5000 Fr. wird allen schwach Verdienenden und
Stipendienabhängigen der Zugang zur Uni erschwert, das Studium
noch mehr zum Privileg der eh schon privilegierten
Oberschichtsangehörigen. Chancengleichheit scheint kein Wert der neoliberalen
Bildungsreform zu sein. Mit der Entdemokratisierung des
Bildungswesens wird ein Stabilitätsfaktor unseres Staates
untergraben. Mit dem neuen Unigesetz erhält eine gefährlich
ökonomische Logik Einzug ins öffentliche Leben, die die
Interessen der Allgemeinheit als wirtschaftliche Interessen versteht.
Bildung ist in diesem Sinn nur mehr Mittel zum Zweck, kein Zweck an
sich. Ob die eifrigen VerfechterInnen des New Public Management die
Verantwortung für das, was sie jetzt entfachen, auch in Zukunft
übernehmen, oder ob sie sich ganz hässlich die Finger
verbrennen, eines ist sicher: Die neoliberale Tendenz beschleunigt
das Auseinanderdriften der Gesellschaft, vermehrt die Privilegien der
herrschenden Schicht, ist unsolidarisch und undemokratisch. Dani Zurück zur Hauptseite vom karnikl oder des KulturZentrums Bremgarten KuZeB
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