Geld oder Leben? Vom 18. - 20. Mai treffen sich die Minister in Genf zur
WTO-Konferenz, um über weitere neoliberale Konzepte der
Ausbeutung zu debattieren. Nebenbei wird noch das 50jährige
Jubiläum des GATT, Vorläufer der WTO, abgefeiert. Als
Protest gegen diese Treffen wird sich eine Fahrradkarawane aus dem
Wendland (via Frankfurt, Basel) nach Genf auf den Weg machen.
Unterwegs kommt diese am 11. Mai auch in Aarau vorbei... Wir erleben eine Zeit rasanter Veränderungen. Prinzipiell
nichts gegen Veränderungen, doch sie gehen leider genau in die
falsche Richtung. Weltweit dieselbe Entwicklung. Die Armen werden
immer ärmer, während die Reichen immer reicher werden. Das
Schlimmste daran ist, dass es nicht nur um materielle
Ungerechtigkeiten geht. Auch Freiheit, Würde und eine gesunde
Umwelt werden mehr und mehr zu Waren, die von Reichen in Anspruch
genommen werden. Anstatt Armut zu bekämpfen, wir ein Krieg gegen
die Armen geführt. Stoppt den neoliberalen Wahnsinn Diese Prinzip der Privatisierung des Nutzens und der
Sozialisierung der Schäden gilt auch für die Verantwortung
wirtschaftlicher und politischer Entscheidungen. Während die
Gewinne gerne als persönliche Leistung eingesteckt werden, will
für die sozialen und ökologischen Folgen niemand die
Verantwortung tragen. Dann liegt es plötzlich an Sachzwängen,
anonymen Mächten wie dem Markt oder den KonsumentInnen, die das
ja so haben wollen. Alles soll dem "freien" Wettbewerb unterworfen werden,
dann wird es der Markt schon richten. Die Erfahrungen zeigen jedoch,
dass der freie Markt alles nur im Sinne der Mächtigsten regelt.
Soziale und ökologische Katastrophen werden bei rein
wirtschaftlicher Betrachtung nicht mehr als zu vermeidende
Unglücksfälle gesehen, sondern als Chance, um Löhne zu
drücken und neue Absatzmärkte zu erobern. Wir rasen auf
einen Abgrund zu. Doch unsere PolitikerInnen haben nicht besseres zu
tun als die Bremsen zu entfernen. In geheimen Verhandlungen der OECD wurde ein Vertrag "zum
Schutz von Investitionen" erarbeitet, der den unterzeichnenden
Staaten praktisch alles verbietet, was den Interessen von
InvestorInnen widerspricht. Gesetzliche Regelungen zu Umweltschutz
oder sozialen Sicherung wären nur noch möglich bei
entsprechender "Entschädigung" der Multis, angesichts
der leeren öffentlichen Kassen also nahezu unmöglich.
Dieser Vertrag, kurz MAI genannt, soll im Herbst 98 in Paris
unterzeichnet werden. Es ist zu befürchten, dass viele Staaten
den Vertrag unterzeichnen, um Kapital anzulocken und die restlichen
Staaten dadurch noch mehr unter Druck geraten. Die Demokratie wird
damit vollends zur Marionette, da sie nur noch beschliessen kann, was
das Kapital will. Nutzen wir den Mai um das MAI zu verhindern! Macht den Standort zum Widerstandort! Oft ist zu hören, dass mensch gegen den Neoliberalismus
keinen Widerstand leisten kann, da die Ideologie des Neoliberalismus
zwar überall wirksam ist, aber nirgends konkret fassbar sei. Er
wird jedoch in der Realität in all seinen fatalen Auswirkungen
sichtbar und kann deshalb auch bekämpft werden. Ein breites Aktionsbündnis von Widerstandsbewegungen aus
aller Welt mit dem Namen "People Global Action" (Weltweite
Aktion gegen den Freihandel) will in dieser Zeit sowohl dezentral wie
auch in Genf direkte, gewaltfreie Aktionen gegen den "freien"
Handel und seine Auswirkungen durchführen. Im Rahmen dieser
Aktionen und Protestkundgebungen wird auch diese Fahrradkarawane
unterwegs sein. In diesen drei Wochen durch Deutschland und die
Schweiz wird diese mit Sicherheit schon mal eine Menge Aufmerksamkeit
auf die Ministerkonferenz in Genf lenken. Zur Karawane selber Die Karawane wird sich, wie schon erwähnt, überwiegend
mit Fahrrädern fortbewegen, diese bestimmen auch das Tempo (ca.
15-20 km/h) und die nötigen Pausen. Dazu kommen noch einige
Wägen mit Treckern oder LKWs, die die nötige Ausrüstung
transportieren (Volxküche, Zelte, Bühnenwagen etc.). Die Lebenspraxis der KarawanenteilnehmerInnen muss im Einklang
stehen mit den solidarischen, politischen Vorstellungen, die wir
dabei vertreten. Deshalb ist es den Karawanen-Leuten wichtig, dass
jedeR unabhängig von seiner/ihrer finanziellen Lage mitfahren
kann. Für die Verpflegung wird eine Volxküche mitgenommen,
die nach dem Grundsatz "jedeR gibt was er/sie kann & nimmt,
was er/sie braucht" funktioniert. Für die Übernachtung ist ein grosses Zelt vorhanden, es
können natürlich auch die eigenen Zelte mitgebracht werden.
Wesentlich für die ganze Tour sind jeweils die Abende an den
Übernachtungsorten, diese werden von lokalen Soli-Komitees
vorbereitet. Sie bietet Zeit und Raum für Begegnungen und
Austausch zwischen Reisenden und interessierten Menschen aus der
Region. Mit Musik, Theater, Filmen, Ausstellungen, Büchertischen
und so weiter wird Öffentlichkeit geschaffen. Aber auch die
Lebensfreude und der Spass sollen nicht zu kurz kommen. Am 9. Mai
wird die Karawane die Grenze bei Basel erreichen und hoffentlich ohne
grössere Probleme passieren können. Am Montag 11. Mai ist
sie dann in Aarau und fährt dann via Solothurn, Bern, Fribourg,
Lausanne nach Genf, wo am 16. eine grosse Demo und danach eine
"Global Street Party" und Konzerte auf der Strassen als
Protest gegen die WTO-Ministerkonferenz stattfinden werden. Zurück zur Hauptseite vom karnikl oder des KulturZentrums Bremgarten KuZeB
Karawane
nach Genf im Mai 98 zur WTO-Ministerkonferenz
© 1997, 2010 Copyright beim Verein KulturZentrum Bremgarten KuZeB some rights reserved (Creative Commons BY-NC-SA). Geändert am 31. Mai 2009. Erstellt von Kire.