Das MAI-Papier - Multilaterales
Abkommen über Investitionen Seit 1995 wird im Geheimen über ein neues, internationales
Regelwerk verhandelt, welches den Investitionen der transnationalen
Konzerne umfangreiche Privilegien und Schutz einräumen wird. Die
Ausarbeitung des sogenannten "Multilateralen Abkommens über
Investitionen" (MAI) befindet sich in den Händen der
"Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung", besser bekannt unter dem Kürzel OECD. Die
OECD ist ein Zusammenschluss der 29 reichsten Industrienationen der
Welt, ein Klub der Eliten sozusagen, dem unter anderem auch die
Schweiz angehört. Dass über dieses "kapitalistische
Manifest" hinter verschlossen Türen und ohne Wissen der
breiten Masse verhandelt wurde, zeigt wohl das "demokratische"
Fingerspitzengefühl, mit welchem hier herumgefuchtelt wird. Erst
als im Herbst 1997 in Kanada und in den USA Kopien des streng
vertraulichen MAI-Papiers auftauchten, fanden sich Gewerkschaften,
NGOs (Nichtregierungsorganisationen, z. B. Hilfswerke) und
Basisorganisationen zu scharfen Protesten veranlasst (dass es dann
ein weiteres halbes Jahr dauerte, bis etwas zum MAI bei uns bekannt
wurde, sollte übrigens zu denken geben, d. T.). Alles andere als
begeistert ist die OECD darüber, dass die laufenden
Verhandlungen so früh von der Öffentlichkeit wahrgenommen
wurden, und die einzelnen Regierungen sehen sich zunehmend unter
Druck gesetzt, zum MAI Stellung zu beziehen und sich kritische Fragen
anhören zu müssen. Eigentlich war zuerst gar die
Verankerung des MAI-Papiers innerhalb der WTO
(Welthandelsorganisation) vorgesehen, was aber am heftigen Widerstand
seitens der Ländern der sogenannten 3. Welt scheiterte. Aus
diesem Grund wurde dann halt "nur" innerhalb der OECD über
das Vertragswerk debattiert und dabei für die westlichen
Industrienationen einige Vorteile eingebaut. Obwohl vorläufig
nur 29 Länder am MAI beteiligt sein werden, wird in Zukunft wohl
kein Staat daran vorbeikommen. Sind die Folgen der neoliberalen
Wirtschaftspolitik und der Globalisierung hinreichend bekannt, so
stellt das MAI-Papier eine weitere Verschärfung auf ein bislang
unbekanntes Niveau dar, deren fatalen Auswirkungen heute noch nicht
genau abschätzbar sind. Um was geht es beim MAI überhaupt? Ziel des MAI ist es, Investoren zu schützen und ihnen eine
freie Fahrt in die totale Marktwirtschaft zu ermöglichen. Der
freie Kapitalverkehr und die totale Ausbeutung ist der Visionspunkt,
ohne Rücksicht auf soziale und ökologische Auswirkungen. Es
steht nicht mehr der Schutz und das Recht der Menschen und der Natur
im Vordergrund, sondern die Verteidigung des Kapitals, der Renditen
und Investments. Konkret sehen die Vertragsklauseln vor, dass die
transnationalen Konzerne vor "Enteignung und Entschädigung"
durch die Politik der Mitgliedsländer geschützt werden (z.
B. vor der Umwelt-, KonsumentInnen- und Sozialpolitik eines Landes)
und selbst Steuerauflagen werden als "schleichende Enteignung"
empfunden. Zweitens erhalten die Grosskonzerne bei Verhandlungen den
gleichen Status wie eine Regierung und bei Streitfallen wird nicht
mehr vor einem nationalen Gerichtshof verhandelt, sondern gemäss
den Statuten des MAI. Und schliesslich legt eine "Rückzugsklausel"
fest, dass die Unterzeichnerstaaten erst nach 5 Jahren aus dem
Vertrag wieder aussteigen können und mindestens für weitere
15 Jahre die Gesetze als bindend gelten, was faktisch bedeutet, dass
im Prinzip das Abkommen mindestens 20 Jahre Gültigkeit hat, egal
was für politische Veränderungen in einem Land in dieser
Zeit geschehen. Wenn wir uns bewusst werden, was sich innerhalb der
letzten 10 Jahre weltweit verändert hat (ich denke hierbei z. B.
an den Zusammenbruch des Ostblockes), ist dies eine absolute Idiotie!
Unterdessen wurde die Unterzeichnung des MAI-Papiers um ein halbes
Jahr, auf Herbst 98, verschoben. Nicht aufgrund massiver Proteste,
sondern weil sich die einzelnen Unterzeichnerstaaten in einigen
Punkten noch nicht einig sind... Michi Zurück zur Hauptseite vom karnikl oder des KulturZentrums Bremgarten KuZeB
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