Der Brandanschlag von Nussbaumen Obwohl der Brandanschlag auf die AsylbewerberInnenunterkunft in
Nussbaumen schon über drei Monate zurückliegt, möchte
ich in diesem Artikel kurz nochmals auf die Tat und das
Nichtreagieren der Öffentlichkeit eingehen, sowie einige
wichtige Inputs geben, wie mit Aktivitäten von Neonazis
umgegangen werden könnte. In der Nacht vom 25. auf den 26. August wurde auf das
AsylbewerberInnenheim Nussbaumen-Obersiggenthal erneut einen
Brandanschlag verübt. Zwei vermummte Männer schlugen zuerst
mit einem Stein ein Fenster ein und schleuderten darauf drei
Molotow-Cocktails gegen und in die Unterkunft. Zu diesem Zeitpunkt
waren 18 Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien und der Türkei
in den Containern untergebracht. Ein Brandsatz flog mitten in die
Küche und explodierte dort. Glücklicherweise gelang es den
Asylsuchenden durch rasches Handeln den Brand noch vor Eintreffen der
Feuerwehr unter Kontrolle zu bringen. In der Nähe des Tatorts
wurden mehrere Flugblätter mit rechtsextremem und
fremdenfeindlichem Inhalt gefunden. Es war nicht der erste
rassistische Zwischenfall, von dem die abgelegenen Container
ausserhalb von Nussbaumen betroffen waren. Bereits Anfang Juli 1995
hatte es einen Brandanschlag auf die Unterkunft gegeben, wobei es den
BewohnerInnen schon vor zwei Jahren gelang, das Feuer selbständig
in den Griff zu bekommen. Die Täterschaft konnte damals nicht
ermittelt werden. Daneben gab es noch zwei weitere Vorfälle. Im
Frühjahr 95 hingen hetzerische Flugblätter an den
Containern, die mit "Nationalistische Front Baden"
unterschrieben waren und zehn Tage später wurde die Fassade der
Unterkunft mit Hakenkreuzen und Parolen wie "Ausländer
raus" verschmiert. Im Rahmen der Ermittlungen rund um den
Brandanschlag vom 25. August führte die Kantonspolizei Aargau
bei mehreren einschlägig bekannten Rechtsextremisten
Hausdurchsuchungen durch. Fündig wurde die KaPo bei einem
23jährigen Jus-Student, wo sie belastendes Material
beschlagnahmte. Beim Täter soll es sich um einen Philipp
Schneider aus Baden handeln. Interessanterweise entspricht sein
Täterprofil nicht gerade dem in den Medien immer wieder
überstrapazierten Bild eines "alkoholisierten, arbeitslosen
und etwas doofen Glatzkopfes", der aus lauter Langeweile mal ein
Flüchtlingsheim abfackelt. Nach einigen Tagen hinter Schloss und
Riegel war der Student schliesslich geständig, wobei er gleich
noch den bisher ungeklärten Brandanschlag vom Juli 95 zugab.
Nach eigenen Angaben habe er aus "politischen Gründen"
gehandelt, mit der Absicht, auf die "Missstände im
Ausländerbereich" hinzuweisen. Er gab ebenso an, die
Molotow-Cocktails alleine geworfen zu haben, wenn auch eine
Augenzeugin bei der Tat mindestens zwei Personen beobachtet hatte.
Obwohl Philipp Schneider weiterhin an seiner Version der
Einzeltäterschaft festhielt, wurde er vor ein paar Wochen wieder
auf freien Fuss gesetzt. Im Grossraum Baden ist es in den vergangenen
Jahren immer wieder zu rassistischen Übergriffen und Aktivitäten
von Neonazis gekommen. Obwohl es momentan in Baden ruhiger geworden
ist (was vor allem daran liegt, dass viele ausländische Leute
entschlossen gegen die Nazi-Skins vorgehen) gehört Baden und
Umgebung mit Sicherheit fortwährend zu den schweizerischen
Hochburgen der rechtsextremen Szene. Das Schweigen der Lämmer Sehr zum Nachdenken anregen sollte, was nach dem Anschlag
passierte, beziehungsweise nicht passierte. Ausser einem Transparent
mit der Aufschrift "Gib Rassismus keine Chance", das
übrigens bereits nach ein paar Stunden von Unbekannten entfernt
wurde, kam es zu keinen Solidaritäts- oder Protestkundgebungen.
Anscheinend gab es nicht einmal seitens der Gemeinde oder der Kirche
in Nussbaumen Reaktionen, und mensch übte sich im kollektiven
Wegschauen. Scheinbar hat der Brandanschlag den Grossteil der Leute
nicht sonderlich betroffen gemacht, und ich möchte nicht wissen,
an wie vielen Stammtischen der Anschlag lauthals befürwortet
wurde... Ausser dass die betroffenen Asylsuchenden inzwischen in eine
andere Unterkunft im Aargau verlegt wurden, hat sich in Nussbaumen
seither nicht viel verändert, und die Flüchtlinge sind
immer noch ausserhalb des Dorfes in den Containern ghettoisiert. Und Du und Ich - Was können wir tun? JedeR kann selber etwas machen! Es ist dabei nicht gleich
notwendig, sich mit Neonazis rumzuprügeln. Die Möglichkeiten,
effektiv etwas zu tun, sind vielfältig, so dass sich alle nach
ihrem Gutdünken und Verständnis einbringen können. Ich
will hier ein paar Beispiele für mögliche Formen von
antifaschistischer Arbeit darstellen. Einerseits kann mensch direkt
nach einem Anschlag oder Übergriff von Neonazis Mahnwachen,
Solikundgebungen, Demos etc. organisieren, um sich so mit den
Betroffenen zu solidarisieren und einen gewissen Druck auf die
PolitikerInnen, die Polizei und die Medien zu machen und um die
breite Bevölkerung über die Hintergründe der Tat zu
informieren. Genauso wichtig ist es, mit den Flüchtlingen und
den Opfern in Kontakt zu treten, mit ihnen das Gespräch zu
suchen, sie zu unterstützen und ihnen beizustehen. Ein anderer,
wichtiger Bestandteil der Antifa-Arbeit ist es, einen genauen
Überblick über die rechtsextreme Szene vor Ort zu haben.
Dies ist die erste wichtige Grundlage für weitere Aktivitäten.
Der Sammelleidenschaft sind dabei keine Grenzen gesetzt! Es hat sich
gezeigt, dass es für Neonazis an Orten, wo sie ungehindert in
der Öffentlichkeit auftreten können, ein leichtes ist, neue
Leute zu rekrutieren. Haben sie den Raum und die Strasse nicht, wird
ihnen dieser nicht einfach kampflos überlassen, ist schon viel
gewonnen. Oft reicht es aus, bekannt zu machen, wer oder was hinter
den rechtsextremen Aktivitäten steckt. Über Zeitungen, mit
Flugblättern, Plakaten oder Aufklebern ist es möglich,
einem breiten Kreis von Menschen Informationen zugänglich zu
machen. Mensch kann aber auch eigene Veranstaltungen zum Thema
organisieren, Diskussionen anregen, Filme (die im Kino nicht gezeigt
werden) vorstellen, ReferentInnen einladen und eigene Inhalte
vermitteln. Ein weiterer, sehr wichtiger Aspekt der Antifa-Arbeit
ist, dass mensch sich von Neonazis und anderen Dumpfbacken nicht
einschüchtern lässt, ihnen entschlossen entgegentritt und
nicht wegschaut, wo dies vielleicht andere tun. Wir stehen dir/euch gerne für weitere Auskünfte zur
Verfügung. Wer Lust hat, selber aktiv zu werden, Infomaterial
braucht oder einfach mal bei uns vorbeischauen will, schreibt uns am
besten und wir melden uns dann. Auch wenn du wichtige Informationen
hast, rassistische Übergriffe mitbekommst (auch verbale) oder
gar selber betroffen bist, melde dich bei uns! Unsere Kontaktadresse: Zurück zur Hauptseite vom karnikl oder des KulturZentrums Bremgarten KuZeB
Antifa, Postfach 2227, 5001 Aarau
© 1997, 2010 Copyright beim Verein KulturZentrum Bremgarten KuZeB some rights reserved (Creative Commons BY-NC-SA). Geändert am 31. Mai 2009. Erstellt von Kire.