Der Front National Entstehung und Ziele des "Front National" Der "Front National", der als Nachfolgepartei aus der
rechtsextremen "Ordre Nouveau" ("Neuen Ordnung")
hervorgegangen ist, wurde am 5. Oktober 1972 massgeblich von
ehemaligen Kollaborateuren mit Hitlerdeutschland gegründet.
Stramm geführt wird die FN von Jean-Marie Le Pen, einem
erklärten Rassisten und Antisemiten. Frankreich ist wohl DAS europäische Land, in dem der
Organisierungsprozess der FaschistInnen, mit der "Front
National" als Sammelbecken, am weitesten vorangeschritten ist.
Der "FN" hat sich längst von einer rechtsextremen
Kleinstpartei zu einer Massenbewegung und einer ernsthaften Bedrohung
für "Freiheit & Demokratie" entwickelt. Nach
Orange, Marignane und Toulon ist es dem "FN" mit Vitrolles
gelungen, in einer vierten französischen Stadt das
Bürgermeisteramt zu stellen, diesmal sogar mit dem absoluten
Mehr, d. h. über 50% der dortigen Bevölkerung hat sich für
den "FN" und sein rassistisches Programm entschieden!
So hat der "FN" endlich Gelegenheit, Realpolitik zu
machen. Bibliotheken werden gesäubert; Bücher, die zu
weltoffen sind, verschwinden. Das fängt bei Kinderbüchern
mit Märchen aus Afrika, Südamerika, China und Haiti an.
Auch wird "ideologisch Unkorrektes", wie Bücher über
den 2. Weltkrieg, über Rassismus und Rapmusik, aus dem Sortiment
genommen. Sozialen Institutionen wird kurzerhand das Budget gekürzt,
oder falls sie sich gar für ImmigrantInnen engagieren, dieses
gestrichen. Staatliche Angestellte in den vier Gemeinden, die sich
gegen die Realpolitik des "FN" wehren, werden aus dem
Dienst geekelt oder unter einem billigen Vorwand auf die Strasse
gesetzt etc. Die Existenz und die politische Stärke des "FN",
wirft ein Licht auf das frostige politische Klima in Frankreich. Mit
dem "FN" kehrt ein bestimmtes, längst vergessenes
Frankreich zurück, das Frankreich von Vichy (Kollaboration mit
der NS-Besetzung im 2. Weltkrieg). Darin wird der
rechtskonservative-christliche Westen ebenso verehrt, wie
Männlichkeit, der Wunsch nach einer starken Armee, nach Recht
und Ordnung, altem und neuem Kolonialismus, nach einem "genetisch
reinen und unverseuchten Volk". Es ist das gleiche Frankreich,
das jeden sozialen Fortschritt, die Pille, die Abtreibung, die
Homosexualität, die Juden, die Araber etc. verabscheut. Selbst Äusserungen und Verschwörungstheorien von Le Pen
wie "dass die Judeninternationale die Welt regiere", oder
"dass die KZs nur eine Kleinigkeit im 2. Weltkrieg waren",
schaden ihm und seiner "FN" ebensowenig, wie der Besuch und
die Sympathiekundgebung während dem Golfkrieg bei Saddam
Hussein. Im Gegenteil, trotz dieser offen faschistischen und
antisemitischen Propaganda verliert er keine Stimme bei den Wahlen,
sondern der "FN" vergrössert ständig seinen
WählerInnenanteil. Viele Franzosen und Französinnen wählen
den "FN" schon längst ohne Scham und Skrupel.
Jean-Marie Le Pen ist es gelungen, faschistisches Gedankengut wieder
salonfähig zu machen... Der "Front National" heute Der "FN" von 1997 ist eine Massenpartei, die alle
Schichten der Bevölkerung erfasst: Die Bauern, die in Konflikt
mit der EG-Politik stehen, die Jugend, indem der "FN"
eigene StudentInnenorganisationen gegründet hat, die
Erwerbslosen, die durch eine "FN"-Hilfsorganisation
unterstützt werden, die PolizistInnen, durch eine eigene
"FN"-Polizeigewerkschaft etc. Auch für traditionelle "linke" Themen engagiert
sich der "FN" stark. So steht auf seinem Parteiprogramm
unter anderem der Kampf gegen Arbeitslosigkeit und Globalisierung.
Aber auch auf ökologischem Gebiet ist der "FN" nicht
untätig. So bezeichnet sich die Partei als einzige grüne
Kraft in Frankreich, engagiert sich für eine Rückkehr zur
Natur, für den Schutz des Lebens, Schutz der französischen
"Rasse" etc. Dabei stellen sie den Kampf gegen Tierversuche
auf die gleiche Ebene mit dem Kampf gegen Abtreibung. Der "FN"
konnte sich so in vielen Vereinen und Verbänden etablieren, so
z.B. in Vereinen zum Schutz der Familie, Tier- und
Naturschutzvereinen, Fahrradvereinen, Stadtteilvereinen... überall
kann der "FN" so seine Propaganda unter die Leute bringen.
Seit neuestem versucht der "FN" noch stärker bei der
ArbeiterInnenschaft und in den Gewerkschaften Fuss zu fassen. Dies
geschieht entweder gezielt durch Unterwanderung oder durch die
Gründung eigener Gewerkschaften.
Wie lässt sich der Aufschwung der FN erklären? 1981 kam die sogenannte Linke ("Sozialistische Partei"
und "Kommunistische Partei") an die Regierung. Sie
enttäuschte viele ArbeiterInnen, durch ihre Art der Bewältigung
der wirtschaftlichen Krise, welche auf dem Rücken der sozial
Schwachen ausgetragen wurde (und von der neu seit 4 Jahren
regierenden bürgerlichen Regierung immer noch wird). Diese
Enttäuschung und Desillusionierung über das
parlamentarische System drückt sich unter anderem in einer
vermehrten Stimmenthaltung bei den Wahlen aus. Für viele
ArbeiterInnen und Erwerbslose gibt es keine politische Perspektive
mehr. So wird Le Pen vor allem auch von vielen ArbeiterInnen und von
sozial Benachteiligten gewählt, von den WählerInnen also,
die eigentlich früher traditionell "links" gewählt
haben. Aber auch viele Angestellte wählen den "FN" und
Le Pen. Vor allem innerhalb der Polizei hat Le Pen ein sehr starkes
WählerInnenpotential. So übernimmt Le Pen schlussendlich
auch eine sehr wichtige Funktion für das kapitalistische System,
indem es ihm gelingt, Teile der untersten Schichten (z. B.
französische ArbeiterInnen und ImmigrantInnen) gegeneinander
auszuspielen und so das "Proletariat" zu spalten. Aber auch die vielen Kampagnen gegen ImmigrantInnen und gegen das
Asylrecht schürten das Misstrauen und den AusländerInnenhass
in Frankreich. Themen wie "Innere Sicherheit", "Säuberung
der Innenstädte", "Verschärfung der Migrations-
und Asylgesetze" gehen aufs Konto der sogenannten linken - und
jetzt bürgerlichen - Regierung!
So hat z. B. die Kommunistische Partei schon 1974(!) einen
sofortigen Stop der Immigration gefordert. Sie geht davon aus, dass
zu viele ImmigrantInnen im Land sind, verbindet deren Anwesenheit mit
der steigenden Kriminalität und dem Drogenhandel. Sie macht
dadurch Opfer zu TäterInnen und vertritt die Meinung, dass es
ohne ImmigrantInnen keinen Rassismus geben würde. Für diesen staatlichen und "demokratischen"
Rassismus steht auch die Sozialistin (?) Edith Cresson. Als damalige
Premierministerin erklärte sie 1992 "der illegalen
Einwanderung den Krieg". Neben Einschränkungen des Asyl-
und Aufenthaltsrechtes war Cresson für ihre "Charterflüge"
berüchtigt, mit denen Massenabschiebungen vollzogen wurden. Aber
auch die Bürgerlichen stehen der Pseudo-Linken in nichts nach.
So äusserte sich Aurac, der Präsident der RPR (bürgerliche
Regierungspartei) schon mal über den schlechten Geruch von
ImmigrantInnen... Diese Aufzählung liesse sich noch beliebig
fortsetzen. Ein weiterer Faktor, der nicht zu unterschätzen ist,
ist das starke "Nationalbewusstsein", das in Frankreich
vorhanden ist.
Und die Opposition? Hinzu kommt, dass der "Front National" momentan keine
echte Opposition entgegensteht, die sie wirklich bekämpfen
würde. Viele autonome und antifaschistische Splittergrüppchen
kämpfen mehr um ihr eigenes Überleben (nicht nur in
Frankreich... der Texter) als gegen den "FN". Von der 2.
Generation der ImmigrantInnen, der es bis vor wenigen Jahren noch
gelang, vor allem in den Banlieus (Vororte) der grossen Städte,
eine sehr starke und militante Massen- und Protestbewegung auf die
Beine zu stellen, ist nicht allzuviel übrig geblieben.
Einerseits gelang es der 2. Generation nicht, ihre Interessen in
einer starken Selbstorganisation zu bündeln und so
kontinuierliche Widerstandsarbeit zu leisten. Andererseits sind/waren
die ImmigrantInnen und ihre Anliegen immer stark isoliert, und es
gelang der politische militanten Linken nicht, gemeinsame Ziele und
Utopien zu erarbeiten und zu verwirklichen. Durch diese mangelnde
Solidarität war es dem Staat schliesslich ein leichtes, diese
Protestbewegung zu kriminalisieren und viele Jugendliche
einzuknasten.
Andererseits haben Antirassismus-Bewegungen, wie z. B. die Gruppe
"SOS-Racisme", ihren Beitrag zur Zerschlagung eines starken
Widerstandes beigetragen. So gelang es "SOS-Racisme",
radikale antifaschistische Gruppen und militante Jugendliche aus den
"Banlieus" zu isolieren und deren Anliegen für sich
selber zu instrumentalisieren. "SOS-Racisme" konnte nie
eine starke Massenbewegung auf die Beine stellen, und ihr Engagement
beschränkt(e) sich auf die Organisation eines Open-Airs pro
Jahr... (Rock gegen Scheisse äh Hass lässt grüssen...
der Texter). Hier zeigt sich wieder einmal mehr, dass ein Kampf gegen Rassismus
& Faschismus nie ohne Infragestellung der herrschenden
Verhältnisse funktionieren kann... Zurück zur Hauptseite vom karnikl oder des KulturZentrums Bremgarten KuZeB
© 1997, 2010 Copyright beim Verein KulturZentrum Bremgarten KuZeB some rights reserved (Creative Commons BY-NC-SA). Geändert am 31. Mai 2009. Erstellt von Kire.