Schweizer Nazi-Banken Die Schweiz und das gute Gewissen - damals und heute Seit Monaten gehören Enthüllungen um die
nachrichtenlosen Vermögen aus dem 2. Weltkrieg zu den
Hauptthemen in der Schweizer Medienlandschaft. Kein Tag vergeht, an
dem nicht im Radio, im TV und in den Zeitungen (von Blick bis WoZ)
darüber berichtet wird. AntisemitInnen bekommen tatkräftige
Unterstützung vom Bundesrat. Die arme, kleine Schweiz befindet
sich im Belagerungszustand. Bedroht von "dunklen Kreisen",
die den Finanzplatz Schweiz untergraben wollen (behauptet zumindest
irgend so ein Heini namens Jean-Pascal Delamuraz). Die Volksseele
brodelt und aus Tätern werden plötzlich Opfer... S/M. Eigentlich wollte ich in diesem Artikel ausführlich
auf die Geschichte der Schweiz im 2. Weltkrieg und den Umgang mit den
braunen Flecken in unserer jüngeren Geschichte eingehen; ein
paar Denkanstösse zur vergessenen und verdrängten
Zeitgeschichte liefern und mit dem Mythos einer sauberen und
heldenhaften Schweiz im 2. Weltkrieg abrechnen. Schnell habe ich aber
gemerkt, dass es die Nr. 1 sprengen würde, dass in den letzten
Monaten genug gesagt und geschrieben wurde, dass die ganzen Vorwürfe
nicht besonders neu sind und es genügend Bücher,
Dokumentationen und Wissen zu unserer Geschichte während dem 2.
Weltkrieg gibt. Was soll ich da noch sagen & schreiben. Was der
Mensch nicht sehen will, sieht er auch nicht... Alles ja schon längst bekannt Schon seit Jahrzehnten sind die gegenüber der Schweiz
gemachten Anschuldigungen bekannt. Viele kritische HistorikerInnen
haben sich mit dieser Thematik beschäftigt und wurden dabei von
den Banken massiv behindert und vom Schweizer Staatsschutz bis auf
die Unterwäsche fichiert. Die Schweiz überhörte die
Stimmen von kritischen ZeitgenossInnen und erklärte diese zu
NestbeschmutzerInnen, die sich erdreisteten, ans jungmännliche
Denkmal der heldenhaften Eidgenossenschaft zu pissen. Nun sind es keine harmlosen und ungefährlichen
WissenschaftlerInnen und Journis mehr, die nach Gerechtigkeit
verlangen, sondern zugegebenermassen sehr einflussreiche Kreise, die
sich dieser Sache angenommen haben. Dass dies erst jetzt passiert,
hat sicher verschiedene Gründe. Es hat aber vor allem mit der
unglaublichen Arroganz und Kaltschnäuzigkeit der CH-Grossbanken
zu tun, die jahrzehntelang kein Geheimnis daraus machten, dass sie
nicht an einer "Wiedergutmachung" (ein Unwort für
sich, den Tote werden durch eine Wiedergutmachung auch nicht wieder
lebendig... der Texter) interessiert sind und sich einen Dreck um
eine Aufarbeitung ihrer eigenen Geschichte und Rolle während dem
Nazi-Regime scheren. Zehntausende von Flüchtlingen wurden im 2. Weltkrieg an der
Schweizer Grenze zurückgewiesen und dadurch vielfach in den Tod
geschickt. Nach Auschwitz, Dachau und wie sie alle hiessen, die
Stätten des unvorstellbaren Grauens und der systematischen
Vernichtung. Das Boot war ja voll! Können wir dies einfach so
vergessen? Erst 50 Jahre später konnte sich die Schweiz zu einer
offiziellen Entschuldigung durchringen! Die Nachrichtenlosen Vermögen sind nicht alles Bei einer Aufarbeitung der Schweizer Geschichte geht es aber nicht
nur um die nachrichtenlosen Vermögen, sondern auch um die aktive
Mithilfe und Kollaboration mit dem 3. Reich. Die damalige Rolle der
Schweiz ist bis heute nicht geklärt. Sehr brisant ist z. B. die Geschichte mit der IG-Farben, die das
Zyklon-B (Gas) für die Zerstörungsmaschinerie der Nazis
lieferte. Die Vermögen der IG-Farben konnten nach dem Krieg
nicht beschlagnahmt werden, da diese umsichtigerweise über die
Schweizer Tochterfirma IG Chemie in die amerikanische Enkelfirma
"General Aniline and Film Corporation (GAF) investiert worden
war. Da die Schweiz ja im grossen Krieg neutral war, konnte das
Vermögen nicht beschlagnahmt werden. Die GAF wurde von der
US-Justiz bis anfangs der 60er Jahre blockiert. Während dieser
Zeit übernahm die SBG die IG-Chemie, die jetzt neu Interhandel
hiess, da sich der Name IG-Chemie nicht mehr allzu gut verkaufen
liess (...). 1961 wurde die "Kriegsbeute" aufgeteilt. 1965
bekam die SBG 515 Millionen Franken, was ihr zu ihrer heute führenden
Rolle verhalf. Den Rest konnte übrigens die USA für sich
verbuchen. Aber was ist mit den Opfern, die keine so mächtigen
Vertreter, wie ein New Yorker Senator (d'Amato heisst der Typ... der
Texter) haben? Die niemand haben, der sich für ihre Interessen
einsetzt? Was ist mit den Sintis und Roma, den Behinderten, den
Intellektuellen, den Andersdenkenden, Frauen, Kinder und Männer
- Menschen, die sich gegen die NationalsozialistInnen wehrten - den
Schwulen und Lesben, mit denjenigen, die der "arischen"
Norm nicht entsprachen und allen, die ich jetzt vergessen habe? Aus
den Augen, aus dem Sinn? Ist es wirklich so einfach? Und heute? - Ein Paar Fragen und Gedanken Und wie ist es heute? Sind seit dem 1. Februar 1995 nicht die
Zwangsmassnahmen im AusländerInnen-Unrecht in Kraft? Werden
nicht Menschen auf Grund ihres "fremdländischen"
Aussehens gefilzt und schikaniert? Sind in Zureich nicht tausende von
Menschen in Ausschaffungsknästen, aufgrund eines Fetzen
fehlenden Papiers, ohne je juristisch verurteilt worden zu sein? Hat
nicht gerade neulich der Bundesrat das sogenannte 3-Kreise Modell
verabschiedet, das Menschen aus Ex-Jugoslawien, dem ehemaligen
Ostblock und den "3. Welt"-Ländern verunmöglicht,
in der Schweiz zu arbeiten? Wurde dies nicht mit den zu grossen
"kulturellen" Unterschieden begründet? Wo ist da der
Unterschied zu den nationalsozialistischen Rassengesetzen von
gestern? Sind wir nicht auf dem Weg zu einem Grosseuropa, einer
Festung, die sich nach "aussen" abschottet und den
"überlegenen" und "privilegierten"
EruopäerInnen vorbehalten ist? Basiert unser heutiges
Wirtschaftssystem nicht auf der Ausbeutung von Billiglohnländer
(moderne Sklaverei... d. Texter) und ihrer Menschen? Sind nicht 1996
Millionen von Menschen in Kriegen und an deren Folgen gestorben? Was
soll ich 1997 von einem Weltfrieden halten, von dem alle so gerne
sprechen? Schlussendlich ein Weltfriede auf Kosten der Armen und
Unterdrückten! Und werden wir uns in 50 Jahren wieder
entschuldigen? Bei den Menschen aus Sri Lanka, Kurdistan, Bosnien,
Afrika etc.? Wie einfach ist es doch, im Nachhinein unser Bedauern
auszusprechen, mit dem Hintergedanken, dass es ja eine andere, ältere
Generation war, die sich schuldig gemacht hat und dass wir, die
heutige Generation, doch sowieso nichts damit zu tun haben ... Oder? Zurück zur Hauptseite vom karnikl oder des KulturZentrums Bremgarten KuZeB
Es
ist ja alles schon lange her...
© 1997, 2010 Copyright beim Verein KulturZentrum Bremgarten KuZeB some rights reserved (Creative Commons BY-NC-SA). Geändert am 31. Mai 2009. Erstellt von Kire.